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Neue Analyse zu Ozempic, Wegovy und GLP-1: Nach dem Absetzen bleiben 25 Prozent Gewichtsverlust bis 52 Wochen

Frau macht Dehnübungen mit Widerstandsband vor Spiegel in Schlafzimmer mit Holzkommode und ungemachtem Bett.

Eine neue Auswertung legt nahe, dass Menschen, die ozempic-ähnliche Medikamente absetzen, bis zu einem Jahr später im Schnitt rund 25 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts nicht wieder zunehmen. Der Haken: Unklar ist, wie viel dieses Gewichtsverlusts auf Muskelmasse statt auf Fett zurückgeht.

Diese medizinische Ungewissheit lenkt den Blick auf eine bislang zu wenig beachtete Folge von Semaglutid, Tirzepatid und weiteren Wirkstoffen, die zur Behandlung von Typ-2-Diabetes oder zur Gewichtsreduktion verschrieben werden. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass 40 bis 60 Prozent des Gewichts, das während der Therapie verschwindet, aus fettfreier Körpermasse (also unter anderem Muskulatur) bestehen könnten.

Neue Auswertung: Was nach dem Absetzen von GLP-1-Medikamenten passiert

Dass viele Patientinnen und Patienten nach dem Absetzen dieser Präparate wieder zunehmen, gilt als gut belegt. Was jedoch bislang nicht sauber beantwortet ist: Woraus bestehen die zurückkehrenden Kilos – vor allem aus Fett oder aus Muskelmasse?

„Wenn das wieder zugenommene Gewicht überproportional aus Fett besteht, könnten Betroffene am Ende ein ungünstigeres Verhältnis von Fett- zu fettfreier Masse haben als zuvor – mit möglichen negativen Folgen für die Gesundheit“, erläutert der Medizinforscher Brajan Budini, Co-Erstautor einer Studie eines Teams der Universität Cambridge im Vereinigten Königreich.

Die veröffentlichte Arbeit liefert einen umfassenden Überblick über die Evidenz zur Gewichtszunahme nach Therapieende und ist zudem die erste, die den Verlauf bis zu 52 Wochen nach dem Absetzen modelliert.

Gewichtsmanagement nach dem Therapieende ist besonders relevant, weil weltweit über eine Milliarde Menschen mit Adipositas leben. GLP‑1‑Medikamente haben eine hohe Wirksamkeit gezeigt und ermöglichen teils Gewichtsreduktionen von 20 Prozent oder mehr.

Die Arzneien imitieren ein körpereigenes Hormon namens Glucagon-like Peptide‑1 (GLP‑1), das den Blutzucker mitsteuert und den Appetit dämpft. Dennoch beendet etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten die Einnahme innerhalb des ersten Jahres – unter anderem wegen Magen-Darm- und anderer Nebenwirkungen sowie wegen hoher Kosten oder Hürden bei der Verschreibung.

„Medikamente wie Ozempic und Wegovy wirken wie eine Bremse für unseren Appetit: Wir fühlen uns schneller satt, essen weniger und nehmen dadurch ab“, sagt Budini.

„Wenn Menschen die Einnahme beenden, nehmen sie sinngemäß den Fuß von der Bremse – und das kann zu einer schnellen Gewichtszunahme führen.“

Datengrundlage und Auswahl der Studien

Um zu quantifizieren, wie stark die Gewichtszunahme nach dem Absetzen ausfällt, werteten die Forschenden 48 passende Studien aus. Dabei traten rasch Grenzen und Widersprüche zutage.

Einige Arbeiten beobachteten die Gewichtsverläufe nur über wenige Wochen, und auch die Zeitpunkte der Nachverfolgung nach dem Absetzen unterschieden sich deutlich. Insgesamt sei die Gewichtszunahme nach GLP‑1‑Therapieende „in der Literatur bislang weitgehend unzureichend untersucht“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Darum beschränkte sich das Team auf wenige, besonders hochwertige Veröffentlichungen mit klaren Kriterien: Die Studien mussten randomisiert sein, jeweils mehr als 100 Teilnehmende einschließen, einen Gewichtsverlust von mindestens 3 Kilogramm (etwa 6,6 amerikanische Pfund) berichten und mindestens eine Nachuntersuchung 12 Wochen nach Absetzen der Medikation enthalten.

So schrumpfte die systematische Auswertung auf sechs randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt mehr als 3.200 Personen. Diese besonders strengen Studien verfolgten die Teilnehmenden bis zu 52 Wochen, nachdem sie die Medikamente zur Gewichtsreduktion abgesetzt hatten.

Modellierte Gewichtsentwicklung bis 52 Wochen und darüber hinaus

Die (vergleichsweise kleine) Metaanalyse zeigte ein klares Muster: Nach dem Absetzen kam es zunächst zu einer schnellen Gewichtszunahme, die sich anschließend zunehmend verlangsamte. Ein Jahr nach Therapieende hatten die Betroffenen im Mittel 60 Prozent des Gewichts wieder zugenommen, das sie während der Behandlung verloren hatten.

Auf Grundlage dieser Daten modellierten die Forschenden außerdem, wie es über 52 Wochen hinaus weitergehen könnte. Demnach beginnt die Gewichtszunahme um die 60. Woche herum ein Plateau zu erreichen und flacht ab, sobald etwa 75 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts wieder erreicht sind. Doch wodurch könnte dieses Muster entstehen?

Offene Frage: Fett oder Muskelmasse?

Eine Erklärung wäre, dass die Medikamente Patientinnen und Patienten helfen, dauerhaft günstigere Essgewohnheiten zu etablieren, oder dass sie körperliche Veränderungen auslösen – etwa über veränderte Hormonspiegel oder eine beeinflusste Funktion des Hypothalamus.

Gleichzeitig entfällt ein erheblicher Teil des Gewichtsverlusts auf Muskulatur, und es ist unklar, ob sich fettfreie Masse nach dem Absetzen ähnlich schnell erholt wie Fettmasse. Außerdem scheinen neuere und besonders wirksame Präparate wie Semaglutid und Tirzepatid weniger dazu beizutragen, fettfreie Masse zu bewahren – anders gesagt: Sie ermöglichen stärkere Gewichtsreduktionen, unabhängig davon, aus welchem Gewebe das Gewicht stammt.

Konsequenzen für Verordnung und Lebensstil

Vor diesem Hintergrund könnten Verschreibungsstrategien, bei denen die Dosis schrittweise reduziert wird, zumindest dabei helfen, den Fettverlust besser zu erhalten. Ebenso wichtig ist es, dass Ärztinnen und Ärzte zu ausgewogener Ernährung und Bewegung anleiten – beides gilt als zentral für nachhaltiges Wohlbefinden.

„Wichtig ist, dass Menschen Ratschläge erhalten, wie sie Ernährung und Bewegung verbessern können, statt sich ausschließlich auf die Medikamente zu verlassen – denn das kann helfen, gute Gewohnheiten beizubehalten, wenn sie die Einnahme beenden“, schließt der Medizinforscher und Co-Erstautor Steven Luo.

Die Forschung wurde in eClinicalMedicine veröffentlicht.

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