In diesem Fall passt die Formulierung „Ende einer Ära“ tatsächlich: Die Produktion von Lotus Elise, Exige und Evora ist zu Ende.
Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass das Produktionsaus dieser drei Baureihen den „Tod“ der Lotus markiert, wie wir die Marke bislang kannten. An ihre Stelle soll eine neue Lotus treten – entstanden unter dem Dach von Geely –, deutlich breiter aufgestellt: zwei geplante SUVs und eine viertürige Limousine, und das komplett elektrisch.
Bis sich dieses Bild im Laufe dieses Jahrzehnts vollständig materialisiert, bleiben im Kern nur zwei Fixpunkte: der Emira als letzter Lotus mit Verbrennungsmotor sowie der elektrische Hypercar Evija, der womöglich als Erster einen Vorgeschmack auf die Lotus von morgen liefert.
Elise, Exige und Evora
Der Abschied von den drei Modellen, die über lange Zeit das Rückgrat von Lotus bildeten, wurde mit einer kleinen Zeremonie am Lotus-Standort in Hethel begangen.
Damit wollten die Verantwortlichen – heute geführt von Matt Windle – all jenen Anerkennung zollen, die das Sportwagen-Trio entwickelt, gestaltet, montiert und verkauft haben.
Der Lotus Elise ist dabei der traditionsreichste Name: Seine erste Generation ging 1996 in Produktion. Über die gesamte Laufzeit entstanden 35 124 Exemplare. Als letzter Elise rollte ein Sport 240 Final Edition in Gelb vom Band.
Der Lotus Exige kam im Jahr 2000 auf den Markt. Anfangs war er die kompromisslosere, geschlossene (Coupé) Ausprägung des Elise. Mit der Series 3 im Jahr 2012 löste er sich jedoch stärker vom kompakten Roadster-Format, legte bei Abmessungen und Leistung zu und entwickelte sich in eine andere Richtung. Insgesamt wurden 10 497 Stück gebaut; das finale Exemplar war ein Cup 430 Final Edition in der wohl britischsten aller Farben: Heritage Racing Green.
Der jüngste im Bunde ist der Lotus Evora: Er wurde 2009 vorgestellt und hat – trotz seines Namens – nichts mit der portugiesischen Stadt Évora zu tun. Als der zivilisierteste der drei verkörperte er den Grand Tourer innerhalb des Trios. Vom Band liefen 6117 Fahrzeuge; das letzte war ein GT430 Sport in dunkelgrau metallic.
Die jeweils letzten gebauten Elise, Exige und Evora werden in die (stetig wachsende) Sammlung von Lotus Cars aufgenommen.
Die anderen
Zusammengenommen kommen die drei Modelle zwar auf 51 738 produzierte Einheiten, doch auf derselben technischen Basis entstanden weitere Fahrzeuge – insbesondere auf der kleinen Plattform, die Elise und Exige nutzten. Nicht alle davon trugen das Lotus-Emblem.
Mit Lotus-Logo gab es darüber hinaus die besonders radikalen und exotischen 340R, 2-Eleven und 3-Eleven sowie den fast in Vergessenheit geratenen Europa. Zusammengezählt ergibt das 56 618 produzierte Autos.
Außerhalb von Lotus brachte die gleiche Plattform den Opel Speedster/Vauxhall VX220 hervor: Zwischen 2000 und 2005 entstanden 7200 Exemplare. Ebenfalls nicht zu unterschlagen ist der Tesla Roadster – das Original, nicht der neue, dessen Start scheinbar immer weiter nach hinten rutscht –, der von 2007 bis 2012 in 2515 Einheiten gebaut wurde.
Und jetzt?
Nach dem Ende der Produktion von Lotus Elise, Exige und Evora wird der Staffelstab – wie bereits erwähnt – an den neuen Emira übergeben. Er wurde schon enthüllt und soll ab 2022 gefertigt werden.
Die eigentliche Zeitenwende beginnt jedoch mit der Premiere des ersten SUVs der Marke: bislang nur als Type 132 bekannt und von Lotus bereits angeteasert. Er ist als Pendant zum Porsche Cayenne positioniert, allerdings zu 100 % elektrisch – und das soll ebenfalls im kommenden Jahr passieren.
Die Einschätzung von Richard Rackham, Direktor Vehicle Concepts, der zu den Verantwortlichen des ersten Lotus Elise zählt und als einer der Pioniere für extrudierte Aluminiumtechnik und „geklebte“ Konstruktionen (Industrieklebstoffe) in der Automobilindustrie gilt, fasst zusammen, was von der neuen Lotus zu erwarten ist – und schürt zugleich die Vorfreude.
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