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Test: Audi Q7 V12 TDI – der irrwitzige Diesel-SUV

Weißer Audi SUV fährt auf Landstraße bei sonnigem Wetter mit blauem Himmel und Wolken.

Diese Rezension erschien ursprünglich in Ausgabe 184 des Magazins Top Gear (2008).

Ein Launch zur denkbar ungünstigen Zeit

Ausgerechnet am Tag, an dem Top Gear den £96,290 teuren Audi Q7 mit V12-Diesel zum Test fuhr, kollabierte Lehman Brothers – und in den USA wurde eine Wirtschaftskrise prognostiziert, wie man sie seit 1929 nicht mehr gesehen hatte. Für Audi GmbH hätte es vermutlich kaum einen schlechteren Zeitpunkt geben können, um das weltweit stärkste Diesel-SUV zu präsentieren.

Audi Q7 V12 TDI: Diesel-Flaggschiff mit Blick auf die USA

Der entscheidende Begriff ist hier „Diesel“. Wie wir bereits in der Oktober-Ausgabe dargelegt haben, ist der Erfolg des R10 in der American-Le-Mans-Serie ein strategisch ausgesprochen cleverer Schachzug: Er soll den US-Markt für einen Kraftstoff aufwärmen, der dort noch immer als fremd gilt.

Audi steht kurz davor, in einem Land, das am Benzin hängt, gleich eine ganze Welle an Dieselmodellen zu starten – und stellt den Q7 V12 TDI demonstrativ an die Front. Dieses Auto wurde mit dem amerikanischen Markt im Hinterkopf entwickelt, trägt nun einen Motor, dessen Wurzeln in einer US-Rennserie liegen, und soll einer skeptischen Nation beweisen, dass das Schwarze Gold – wenn man so will – das neue Schwarz ist.

Auf der Strasse: Drehmoment, Durchzug und verblüffende Souveränität

Und ja: Als Argument taugt er erstaunlich gut. Den Q7 gibt es zwar schon seit ein paar Jahren, doch Preis, Exklusivität und vor allem seine schiere Grösse sorgen dafür, dass er auf britischen Strassen vergleichsweise selten bleibt. Die Übertragung von Technik aus Audis R10 TDI in ein Serienauto – eher als Teile-und-Technologie-Transfer denn als 1:1-Umbau – kommt zudem genau in dem Moment, in dem der Q7 als protziges SUV des Tages eigentlich gerade an Reiz verlor. Mit dem V12 steht er plötzlich wieder ganz oben auf der Liste: wegen des Preises und wegen der Dimension dieses Aggregats – aber vor allem wegen dessen Wirkung.

Der 6.0-litre V12 leistet 500bhp und stemmt 737lb ft Drehmoment (das sind 1.000Nm in heutiger Zählweise) – fast so viel wie der Rennwagen, der Le Mans drei Jahre in Folge gewonnen hat. Das Ergebnis: Ein fünf Meter langes, siebensitziges SUV, das unbeladen 2,7 Tonnen auf die Waage bringt, sprintet in 5.5 seconds auf 62mph (0–100 km/h) und wird bei 155mph (250 km/h) elektronisch eingebremst. Aus Gründen der Ethik und der Ökonomie – aber auch schlicht wegen der Physik – dürfte es so ein Auto eigentlich gar nicht geben. Und dennoch steht es hier.

Der Diesel-Vorteil zeigt sich darin, dass dieses gewaltige Drehmoment bereits ab 1.750rpm anliegt. Im Q7 wirkt Beschleunigung beinahe sofort verfügbar und steht in krassem Widerspruch zu den Aussenmassen und dem Gewicht. Ein sanfter Druck aufs Pedal reicht praktisch immer; tritt man jedoch richtig durch, dann zieht nach einem sauberen Kickdown des Getriebes das gesamte Paket – du und die übrigen 2,7 Tonnen inklusive – mit einer streitlustigen Wucht Richtung Horizont, wie man sie sonst eher von Salzseen und Landgeschwindigkeitsrekorden kennt.

Komfort vs. Absurdität: Wenn Leistung „falsch“ wirkt

Beeindruckend ist auch die Kultiviertheit bei jedem Tempo. Gibt man Vollgas, steigert sich das V12-Grollen kurz zu einem wütenden Crescendo; nimmt man Leistung heraus, sind Ruhe und Anstand sofort wieder da. Ob das nun gut ist oder nicht: Es ist definitiv eindrucksvoller – und irgendwie auch furchteinflössender –, in den Leder-Fauteuil eines luxuriösen V12-SUV gepresst zu werden als in den Schalensitz eines V12-Supersportwagens. Das Ganze fühlt sich so unwahrscheinlich an, so entrückt, so … falsch.

Und das liegt daran, dass es das im Kern auch ist. Man kommt nicht um die Erkenntnis herum: Der Q7 V12 TDI ist ein absurdes Projekt. Schon ein Q7 in vernünftigerer Motorisierung ist schwer zu rechtfertigen – als Kauf wie als Produkt. In dieser Ausbaustufe jedoch grenzt es an Wahnsinn. Wer Performance in epischen Dimensionen sucht, will normalerweise einen Sportwagen, der auch wirklich kann, was er verspricht: sauber einlenken, Kurven mitnehmen, handlich sein. Der Q7 ist das nicht. Er kann es schlicht nicht.

Und wer ein siebensitziges SUV braucht, hat vermutlich drei oder mehr Kinder – und wird ganz sicher kein Interesse daran haben, ihnen vorzuführen, wie die 420mm faserverstärkten Keramikscheiben das Auto aus einer frechen „Tonne“ (160 km/h) in einem Wimpernschlag verzögern. Bemerkenswert ist der Q7 V12 TDI ohne Frage. Vernünftig ist er nicht.

Amerikanischer Kontext, Verbrauch und die Preisfrage

Nur: Wir sind nicht Amerikaner – und genau das könnte den Unterschied machen. Dort gibt es eine Nation, in der gesunder Menschenverstand vielerorts als Relikt gilt. Eine, deren Öl-Abhängigkeit sie gefühlt alle zwei Wochen mit einem neuen Land in Konflikt bringt. Und eine, die (hoffentlich) inzwischen findet, dass Diesel ziemlich cool ist.

Im grossen Land, in dem man einen V8-Pick-up quasi als Belohnung fürs Bestehen der Fahrprüfung bekommt, ist der Q7 nicht einmal wirklich ein SUV. Eher so etwas wie ein kleiner Kompaktwagen. Und er schafft 25mpg (und liegt damit auf dem Niveau eines V8-Diesel-Range Rover), zugleich deutlich besser als das, was vor Ort ein durchschnittliches, benzinbetriebenes SUV verbraucht. Wenn Audi also ein Diesel-Flaggschiff für die USA braucht, dann ist das eine verdammt konsequente Art, es anzugehen.

Allerdings gibt es noch eine kleine Hürde: Wenn der Q7 in Grossbritannien bei Verkaufsstart im nächsten Januar £96,290 kostet – was soll er dann bitte „drüben“ kosten? Diesel könnte den USA helfen, den Gürtel enger zu schnallen, doch ultra-premium SUVs aus Deutschland stehen nicht gerade auf vielen Einkaufslisten. Im grossen Gesamtbild, besonders mit Blick auf den US-Markt, ist der Q7 V12 TDI eine Lehrstunde in Audis Ingenieurskunst. Als „ein weiterer“ Diesel in einem immer grösser werdenden Angebot wirkt er heute jedoch wie ein Witz – und zwar einer mit leicht schlechtem Geschmack.

Urteil: Könnte bei ein paar wohlhabenden, aber knauserigen Amerikanern einen Nerv treffen – hierzulande dürfte er vor allem ratlose Blicke ernten

6.0-litre V12 diesel
500bhp, AWD
0-62mph in 5.5secs, max speed 155mph
2,635kg
£96,290

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