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China: 2-Watt-Laser vom geostationären Satelliten liefert 1 Gbit/s – schneller als Starlink

Ein Wissenschaftler mit weißem Kittel beobachtet Laserstrahl, Teleskop und Laptop auf einer Bergplattform bei Sonnenuntergang

In einem Observatorium im Südwesten Chinas ist ein Versuch gelungen, der die Satelliteninternet-Branche spürbar aufrütteln dürfte. Ein geostationärer Satellit übertrug Daten per winzigem 2-Watt-Laser zur Erde – bei Datenraten, die über dem liegen, was man bei Starlink häufig sieht. Der entscheidende Punkt war dabei weniger die Plattform im All als die Empfangstechnik am Boden.

Was genau in 36.000 Kilometern Höhe passiert ist

Schauplatz des Experiments war das Lijiang-Observatorium in der Provinz Yunnan. Dort kam keine gewöhnliche Empfangsanlage zum Einsatz, sondern eine speziell aufgebaute Bodenstation mit einem 1,8-Meter-Teleskop. Darüber befand sich ein Satellit in geostationärer Umlaufbahn: rund 36.000 Kilometern über der Erdoberfläche und dauerhaft über demselben Punkt.

Aus dieser Höhe richtete der Satellit einen Laserstrahl auf die Station. Die Sendeleistung betrug lediglich 2 Watt – eher vergleichbar mit einer schwachen Nachtleuchte als mit der Leistung klassischer Funkanlagen. Dennoch berichteten die Forschenden von einer Downlink-Datenrate von 1 Gigabit pro Sekunde (1 Gbit/s).

Ein 2-Watt-Laser aus geostationärer Höhe lieferte 1 Gbit/s – rund fünfmal schneller als typische Starlink-Verbindungen, obwohl der Satellit mehr als 60-mal weiter entfernt war.

Anschaulich gemacht bedeutet diese Bandbreite: Ein HD-Spielfilm ließe sich rechnerisch in unter fünf Sekunden von Shanghai nach Los Angeles übertragen. Auch wenn es sich um einen Laboraufbau und nicht um einen Heimrouter handelt, verdeutlicht die Größenordnung, welches Potenzial optische Verbindungen aus dem All haben.

Warum geostationäre Umlaufbahnen eigentlich im Nachteil sind

Um die Leistung einordnen zu können, lohnt der Vergleich mit etablierten Systemen. Starlink setzt auf Hunderte Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen (LEO) in etwa 500 bis 550 Kilometern Höhe. Die geringe Distanz sorgt für kurze Laufzeiten und niedrige Latenzen – allerdings deckt jeder Satellit nur relativ kleine Gebiete ab.

Bei geostationären Satelliten liegt die Situation anders: Sie sind deutlich weiter entfernt.

  • Geostationäre Umlaufbahn (GEO): ca. 36.000 km Höhe, der Satellit „steht“ über einem Punkt der Erde.
  • LEO-Satelliten: etwa 500–2.000 km Höhe, bewegen sich schnell über den Himmel.
  • MEO-Satelliten: mittlere Umlaufbahnen, grob 10.000 km Höhe.

Gerade die große Entfernung im GEO-Orbit ist normalerweise ein Bremsklotz: Das Signal muss einen wesentlich längeren Weg zurücklegen, bevor es überhaupt die Atmosphäre erreicht. Und ausgerechnet dieser letzte Abschnitt nahe dem Boden bereitet bei optischen Verbindungen seit Jahren Schwierigkeiten. Turbulente Luftschichten lassen den Laserstrahl flimmern, streuen das Licht und verzerren die Wellenfront.

Zahlreiche frühere Tests mit optischen Satellitenlinks scheiterten daher nicht im Vakuum des Alls, sondern in der unruhigen Luft unmittelbar über dem Teleskop. Genau dort setzte das Team aus China an.

Adaptive Optik und „Kanal-Jonglage“: Wie China den Strahl rettete

Die Bodenstation in Lijiang wurde um ein zentrales Prinzip herum entwickelt: Die Atmosphäre wird nicht einfach hingenommen oder nur grob rechnerisch kompensiert, sondern aktiv kontrolliert. Das Herzstück bildet ein System mit 357 beweglichen Mikrospiegeln als Teil einer adaptiven Optik.

Schritt 1: Das Licht in Echtzeit glattziehen

Trifft der Laserstrahl auf das 1,8-Meter-Teleskop, erfassen Sensoren, wie stark die Wellenfront des Lichts durch die Atmosphäre verbogen wurde. Daraufhin passen die Mikrospiegel ihre Form im Millisekundentakt an, um diese Verzerrungen zu korrigieren. Die Methode ist aus der Astronomie bekannt, wo man Sterne trotz Luftunruhe möglichst scharf abbilden möchte.

In diesem Fall geht es jedoch nicht um ästhetisch bessere Bilder, sondern um eine stabile Datenübertragung. Die adaptiven Spiegel reduzieren die größten Störungen unmittelbar während des Empfangs.

Schritt 2: Der Strahl wird in acht Kanäle zerlegt

Nach dieser ersten Korrektur ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Das Licht durchläuft anschließend einen sogenannten Mehr-Ebenen-Lichtwandler. Er spaltet den zuvor einzelnen Strahl in acht verschiedene Moden auf – bildlich gesprochen entstehen aus einem deformierten Strahl acht leicht unterschiedliche Teilstrahlen.

Anschließend bestimmt die Elektronik, welche dieser acht Kanäle die stärksten und saubersten Signale liefern. Drei davon werden ausgewählt und zusammengeführt, um die Daten zu rekonstruieren. Die Forschenden bezeichnen das als Zusammenspiel aus adaptiver Optik (AO) und Modendiversität (MDR).

Durch die kombinierte AO-MDR-Methode stieg der Anteil nutzbarer Signale von 72 auf 91,1 Prozent – ein massiver Gewinn an Stabilität.

Der Ansatz ist insofern neuartig, als die Turbulenz nicht als Störung behandelt wird, die vollständig verschwinden muss. Stattdessen akzeptiert das System, dass die Atmosphäre den Strahl aufspaltet, und nutzt gezielt die Lichtpfade, die am wenigsten beeinträchtigt sind.

Warum der Vergleich mit Starlink so brisant wirkt

Starlink hat mit seiner Konstellation gezeigt, dass Satelliteninternet im Alltag hohe Leistungen erreichen kann. In vielen Regionen liegen typische Werte für Nutzende bei 100 und 200 Mbit/s. Das Experiment aus China kommt auf ungefähr das Fünffache – und das bei einer rund 60-fachen Distanz.

Trotzdem ist der Vergleich nur begrenzt direkt möglich: In Lijiang stand eine hochspezialisierte Anlage mit großem Teleskop und nicht ein kompaktes Kundengerät für die Hauswand. Entsprechend zielt die Gigabit-Verbindung auf andere Anwendungen, etwa:

  • Kernnetz-Verbindungen: hochkapazitive Strecken zwischen Kontinenten oder Rechenzentren.
  • Militärische und staatliche Kommunikation: hohe Bandbreite, Laserlinks sind schwer abzuhören.
  • Forschungsdaten: große Datenmengen von Erdbeobachtungs- oder Wissenschaftssatelliten.

Während Starlink auf sehr viele Endkundinnen und Endkunden ausgerichtet ist, wirkt der Aufbau eher wie eine Art Glasfaserersatz im All – ein optisches Rückgrat, das große Netzknoten miteinander verbindet.

Was das für die Zukunft des Internet aus dem All bedeuten kann

Die Kombination aus geringer Sendeleistung, großer Entfernung und hoher Datenrate ist für die Branche ein deutlicher Hinweis: Laserkommunikation gilt seit Längerem als aussichtsreicher Kandidat für Kommunikationsnetze der nächsten Orbit-Generation. Die praktischen Unterschiede zu klassischen Funkstrecken lassen sich klar benennen:

Aspekt Optische Links (Laser) Klassische Funkverbindung
Bandbreite Sehr hoch, Gigabit-Bereiche möglich Begrenzt durch Frequenzbänder
Störanfälligkeit Schmaler Strahl, schwer zu stören Breitere Ausleuchtung, anfälliger für Interferenzen
Abhörbarkeit Relativ schwer abzufangen Leichter zu orten und anzuzapfen
Wetterabhängigkeit Sensibel für Wolken und Nebel Robuster bei schlechtem Wetter

Die Abhängigkeit vom Wetter bleibt allerdings der neuralgische Punkt. Wolken, Nebel oder dichter Dunst können einen Laserlink vollständig unterbrechen. Darum arbeiten viele Teams zunächst an Standorten mit klarer, trockener Luft, etwa auf Hochplateaus oder in Wüstenregionen. Vorstellbar sind zudem Mischsysteme: Funk als Ausweichlösung, Laser für Spitzenlasten und besonders sensible Daten.

Strategische Dimension: Technologiewettlauf im Orbit

Der Erfolg in Lijiang fügt sich in ein größeres Bild ein: China investiert stark in eigene Satellitenkonstellationen, Quantenkommunikation und optische Übertragungsstrecken. Westliche Vorhaben wie Starlink, OneWeb oder künftige Systeme der EU sind damit nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern auch sicherheitspolitisch. Wer die modernsten Kommunikationsnetze im All beherrscht, kann im Zweifelsfall Datenströme und kritische Infrastruktur beeinflussen.

Ein geostationärer Laserlink mit Gigabit-Geschwindigkeit schafft neue Optionen, zum Beispiel für:

  • Regionale Netze in Asien, Afrika oder Lateinamerika, die unabhängig von westlichen Systemen betrieben werden.
  • Schnelle, geschützte Datenkanäle zwischen Militärstützpunkten und Regierungsstellen.
  • Anbindungen weit entfernter Forschungsstationen, etwa in Polargebieten oder auf Schiffen.

Auch für die Raumfahrt selbst ist das Konzept interessant: Zukünftige Missionen zum Mond könnten ihre Daten über geostationäre Relais per Laserlink zur Erde senden, statt auf langsamere Funkstrecken angewiesen zu sein.

Wie alltagstauglich ist so ein Laser aus dem All?

Von einer Lösung für die breite Masse ist das Ganze derzeit noch weit entfernt. Ein 1,8-Meter-Teleskop lässt sich kaum auf einem Balkon montieren, und die Feinmechanik der 357 Mikrospiegel erfordert Wartung sowie exakte Kalibrierung. Für Privathaushalte und Reisende mit Satellitenschüssel bleiben Funklösungen auf absehbare Zeit die realistischere Option.

Spannend wird es, falls sich Teile der Technik stark verkleinern lassen. So wie früher komplette Rechenzentren in die Hosentasche gewandert sind, könnten Laserterminals in einigen Jahren deutlich kompakter und günstiger werden. Denkbare Anwendungen wären dann:

  • Laser-Zugangsknoten auf Mobilfunkmasten, die ganze Regionen versorgen.
  • Terminals auf Schiffen oder in Flugzeugen, gekoppelt an geostationäre Lasersatelliten.
  • Städtische Netzknoten, die per Laser angebunden werden, wo sich Glasfaser nur schwer verlegen lässt.

Wer Begriffe wie Adaptive Optik oder Modendiversität kennt, verbindet sie bislang oft mit Teleskopen der Spitzenklasse und Laboraufbauten. Der Versuch aus Yunnan zeigt, dass sich diese Bausteine hervorragend für Datenverkehr eignen. Im Kern wurde ein gestörtes Lichtsignal in handliche Teilströme aufgeteilt und aus den besten Anteilen wieder zusammengesetzt.

Für die Netzbranche heißt das: Die Trennlinie zwischen „Glasfaser im Boden“ und „Laser im All“ wird durchlässiger. Glasfaser bleibt im Kernnetz zentral, doch geostationäre Laserlinks können dort einspringen, wo sich Tiefbau nicht rechnet – etwa über Ozeane, Wüsten oder politisch sensible Zonen hinweg.


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