Die Regierung hat im Ministerrat ein Gesetzesdekret beschlossen, das im Rahmen des Pakets „Mobilität 2.0“ ein neues Regelwerk zur Fahrzeugumrüstung schafft. Ziel ist es, den bisherigen Dschungel aus technischen Rundschreiben abzulösen und eine eindeutige Rechtsgrundlage für Änderungen an Kraftfahrzeugen und Anhängern zu setzen – ohne Abstriche bei Verkehrssicherheit oder Umweltschutz.
Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die Möglichkeit, Verbrennungsmotoren durch elektrische Antriebssysteme zu ersetzen. Was bislang nahezu nicht praktikabel war, soll nun nach Darstellung des Ministers für Infrastruktur und Wohnungsbau, Miguel Pinto Luz, mit mehr „Schnelligkeit und Transparenz“ umgesetzt werden können.
Was sich mit dem neuen Regelwerk ändert
Mit dem Regelwerk zur Fahrzeugumrüstung erhält Portugal erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen, der klar festlegt, welche Umbauten zulässig sind und welche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit Sicherheit und Umweltverträglichkeit gewährleistet bleiben.
Das Gesetz ersetzt Hunderte von Rundschreiben und verschlankt Verfahren für Umrüstungen etwa zu Krankenwagen, Wohnmobilen und Einsatzfahrzeugen.
Gleichzeitig sieht die verabschiedete Regelung vor, Abläufe zu vereinfachen und dem Institut für Mobilität und Verkehr (IMT) die unmittelbare Zuständigkeit für Inspektionen zu entziehen. Diese Aufgaben gehen an die Stellen für die periodische Fahrzeugprüfung über; erwartet wird, dass dort jährlich rund 20.000 Fahrzeuge begutachtet werden.
Unterm Strich soll damit für alle, die in Portugal ein Verbrennerfahrzeug zu einem Elektroauto umbauen möchten, ein Weg entstehen, der weniger bürokratisch, schneller und insgesamt einfacher ist – genau das ist die erklärte Absicht des von Miguel Pinto Luz geleiteten Ministeriums.
Eine neue Geschäftschance
Mit der Legalisierung der Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantriebe entsteht in Portugal Spielraum für neue Geschäftsmodelle. In mehreren Ländern haben sich Werkstätten und Unternehmen darauf spezialisiert, ältere Fahrzeuge – besonders Klassiker – zu elektrifizieren.
Solche Beispiele gibt es vor allem dort, wo die Abläufe weniger zeitaufwendig und weniger bürokratisch sind. Als Referenz wird häufig das Vereinigte Königreich genannt: Das britische Unternehmen Fellten verkauft etwa bereits Umrüst-Kits, die als fertig installierbare Lösungen angeboten werden.
Auch in Portugal gibt es erste Schritte in diese Richtung. Vintage Vans aus Seixal, ursprünglich auf luftgekühlte Motoren (Volkswagen und Porsche) spezialisiert, hat bereits einen Volkswagen-Transporter im Stil „Toastbrot“ elektrifiziert. Laut António Velez, dem Inhaber des Unternehmens, handelt es sich um einen reversiblen Umbau, der diesem deutschen Klassiker 150 km Reichweite sowie bessere Fahrleistungen verschafft hat.
Ein Phänomen, das die Meinungen spaltet
Trotz der Begeisterung vieler Besitzer ist die Elektrifizierung von Klassikern umstritten. Für manche Puristen bedeutet das Entfernen des Originalmotors eine Verfälschung des Wesens eines historischen Fahrzeugs. Andere sehen darin hingegen eine praktischere, kalkulierbarere und zuverlässigere Möglichkeit, ein klassisches Fahrzeug regelmässig zu nutzen.
Die Diskussion ist nicht neu: Die Fédération Internationale des Véhicles Anciens (FIVA), die sich der Bewahrung historischer Automobile widmet, ist der Ansicht, dass ein umgebauter Klassiker seinen Status als historisches Fahrzeug verliert. Zudem empfiehlt sie, bei einer Elektrifizierung sämtliche Originalteile aufzubewahren, um eine Rückrüstung zu ermöglichen.
Darüber hinaus stellt die FIVA die Umweltgewinne infrage und verweist darauf, dass Herstellung und Recycling von Batterien mit Energie- und Umweltkosten verbunden sind. Sie erinnert auch daran, dass ein historisches Fahrzeug per Definition über 30 Jahre alt sein muss und in historisch korrektem Zustand erhalten werden soll. In Portugal liegt die Zertifizierung von Fahrzeugen mit historischem Interesse beim ACP – Automóvel Clube de Portugal, beim Museu do Caramulo und beim CPAA – Clube Portugues Automóveis Antigos.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen