Ein Dieselantrieb ergibt in einem SUV wie dem Mercedes-Benz GLC weiterhin Sinn
Plug-in-Hybride (Benzin und Diesel), die eine elektrische Reichweite von mehr als 100 km versprechen, stehen aktuell so sehr im Fokus, dass man leicht übersieht: Der Mercedes-Benz GLC ist noch mit weiteren Antrieben erhältlich.
Einer davon ist der 2.0-l-Diesel mit vier Zylindern und 197 cv, der in der Einstiegsvariante des deutschen SUVs arbeitet – dem GLC 220 d 4MATIC.
Auch wenn dieser Antrieb (und diese Ausführung) bei Geschäftskunden längst nicht die Strahlkraft der Plug-in-Hybride erreicht, wäre es ein Fehler, ihn einfach abzuschreiben.
Denn der GLC 220 d 4MATIC wurde ebenfalls elektrifiziert – über ein Mild-Hybrid-System. Und ehrlich gesagt: Nach einigen Tagen am Steuer habe ich mich dabei ertappt, dem nahenden Ende der Dieselmotoren nachzutrauern.
Weiterentwickeln statt neu erfinden
Bevor es dazu kommt, lohnt ein Blick auf die kürzlich eingeführte neue Generation des Mercedes-Benz GLC. Sie markiert keinen radikalen Bruch mit dem Vorgänger – ganz nach dem Motto: „Ein Gewinnerteam verändert man nicht.“
Der GLC ist das meistverkaufte SUV der Mercedes-Benz, und möglicherweise genau deshalb verzichtet die Marke darauf, das Erscheinungsbild fundamental umzubauen.
Unterm Strich wirkt das Design wie eine Mischung aus dem bisherigen Modell und einigen Stilelementen der neuen C-Klasse – am deutlichsten zeigen das die schlankeren Rückleuchten.
Das Ergebnis ist ein stattlicher Auftritt mit moderner Linie, ohne die Zurückhaltung aufzugeben, die man von einem Premium-Modell erwartet.
Bildschirme im Mittelpunkt…
Wie außen, so auch innen: Der Mercedes-Benz GLC übernimmt zahlreiche Lösungen, die man bereits aus der C-Klasse kennt – das Interieur-Layout ist ihr sogar fast vollständig ähnlich.
Der größte Blickfang im Innenraum des Mercedes-Benz-Bestsellers sind damit die Displays: ein 12,3”-Bildschirm als digitales Kombiinstrument und ein zentraler Screen mit 11,9”.
Der hochkant montierte Zentralbildschirm punktet mit sehr ansprechender Grafik, zeigt aber auch Schwächen, die man von anderen Systemen kennt: eine etwas zu große Menü-Tiefe sowie die Integration der Klimabedienung in die Touch-Oberfläche.
…und auch Komfort und Qualität
Weil der Innenraum so eng an die C-Klasse angelehnt ist, übernimmt der GLC auch deren Stärken bei Ambiente (Materialanmutung) und Solidität – Eigenschaften, die man typischerweise mit Mercedes-Benz verbindet.
Im GLC fühlt sich der Innenraum wie ein „Kokon“ an, der die Insassen von der Außenwelt abschirmt. Die Geräuschdämmung bleibt auf hohem Niveau – selbst dann, wenn man den Diesel deutlich arbeiten lässt.
Bei Platzangebot und Raumgefühl hängt vieles davon ab, wo man sitzt.
Hinten geht es ausgesprochen großzügig zu, was auch auf das Wachstum gegenüber dem Vorgänger zurückzuführen ist: plus 60 mm in der Länge (4716 mm) und plus 15 mm (2888 mm) beim Radstand.
Vorn wirkt es dagegen subjektiv enger, als es die Maße vermuten lassen. Verantwortlich ist vor allem die wuchtige Mittelkonsole – die allerdings mit mehreren geschlossenen Ablagefächern einen praktischen Vorteil bietet.
Diesel – wozu eigentlich?
Während die Autoindustrie (in hohem Tempo) elektrifiziert, erinnern Modelle wie der Mercedes-Benz GLC 220 d 4MATIC daran, welche Stärken die Lösungen hatten, die bis vor Kurzem den Ton angaben.
Der 2.0-l-Vierzylinder-Diesel (OM 654) steht mit 197 cv im Datenblatt. Entscheidend sind jedoch vor allem die 440 Nm zwischen den 1800 rpm und den 2800 rpm – damit kaschiert er das Gewicht von rund zwei Tonnen sehr überzeugend.
Natürlich macht das den Mercedes-Benz-SUV nicht zum Schnellsten im Segment, doch die Fahrleistungen sind absolut respektabel, besonders bei Zwischenspurts und Durchzug.
Beim Verbrauch liefert dieser Diesel genau die Antwort, die die Überschrift dieses Abschnitts ankündigt. Die Industrie hat vieles ausprobiert – dennoch bleibt Diesel für alle, die viele Kilometer abspulen, eine sehr sinnvolle Wahl.
Trotz Größe und Masse des GLC sind Durchschnittswerte von 6 l/100 km keineswegs unrealistisch, vor allem auf der Autobahn, dem „natürlichen Revier“ dieses deutschen SUVs.
Im Stadtverkehr hilft das Mild-Hybrid-System dabei, den Verbrauch zu drücken, indem es beispielsweise den Start-Stopp-Betrieb konsequenter ausnutzt.
Am Ende dieses Tests stand bei mir ein etwas höherer Schnitt (6,8 l/100 km). Allerdings waren Verbrauchswerte im Alltag nicht das zentrale Ziel dieser Fahrt mit dem GLC 220 d.
Bereit für Kurven…
Mit Luftfederung und verschiedenen Fahrmodi nimmt der Mercedes-Benz GLC Kurven mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der er auf der Autobahn Kilometer „verschlingt“.
Das heißt nicht, dass er in diesem Umfeld ein ausgesprochener Spaßmacher wäre. Sein Fahrverhalten ist jedoch sicher und gut vorhersehbar – und die Haftung so hoch, dass er fast wirkt, als liefe er auf Schienen.
Die Luftfederung macht es außerdem möglich, die Dämpfung an sehr unterschiedliche Situationen anzupassen. Im Modus „Sport“ reduziert sie die Aufbaubewegungen spürbar, im Modus „Comfort“ bügelt der GLC die meisten Unebenheiten weg, ohne dass man viel davon mitbekommt.
…und auch fürs Gelände
Der größte Pluspunkt dieser Federung ist aber, dass sich der GLC tatsächlich im Gelände einsetzen lässt. Passend dazu stehen sogar spezielle Fahrprogramme zur Verfügung.
Per Knopfdruck hebt sich die Karosserie an, die Offroad-Winkel verbessern sich, und ein Modus „Off-Road“ zeigt diverse Grafiken an, die beim „Navigieren“ über schlechte Wege unterstützen.
Ich habe die Geländefähigkeiten des GLC ausprobiert, während meine Tochter hinten schlief – und der Komfort an Bord ist so hoch, dass sie selbst nach mehreren überwundenen Hindernissen - nichts Extremes, selbstverständlich - weitergeschlafen hat, als wäre nichts gewesen.
Gleichzeitig werden Motor- und Getriebeabstimmung so angepasst, dass sich Hindernisse leicht überwinden lassen. Das früh anliegende Drehmoment ab 1800 rpm erwies sich als wertvoller Helfer, wenn die Wege anspruchsvoller werden.
Der Preis des Premium-Anspruchs
Wenn Autos generell immer teurer werden, rücken Premium-Modelle zunehmend in Preisregionen, die schwer zu rechtfertigen sind.
Obwohl der GLC keineswegs die Spitze des Mercedes-Benz-SUV-Portfolios darstellt, startet die günstigste Variante bereits bei 73 650 euros – ein Betrag, der für sich genommen schon hoch ist.
Sobald man jedoch einige „Pflicht“-Extras mit einplant – und weitere, die den Wiederverkaufswert steigern können, wie das AMG-Paket –, klettert der Preis dieses GLC bis nahe an 100 mil euros.
Das getestete Fahrzeug lag bei 97 918 euros, was besonders dann ins Gewicht fällt, wenn man bedenkt, dass hier der preislich zugänglichste Antrieb der Baureihe gefahren wird.
Dieser Preis schmälert die Attraktivität des GLC 220 d deutlich – umso mehr, als die deutlich stärkeren Plug-in-Hybrid-GLC nur wenige tausend Euro entfernt sind und hierzulande bei der Besteuerung nicht so stark benachteiligt werden.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen