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Jeep Avenger 4xe The North Face Edition im Test

Weißer Jeep SUV fährt auf kurviger Landstraße in trockenem, hügeligem Gelände bei bewölktem Himmel.

Was passiert hier eigentlich?

Einmal tief durchatmen: Das ist der Jeep Avenger 4xe The North Face Edition. Der Übersicht halber nennen wir ihn einfach Avenger North Face. Solche Kooperationen zwischen Auto und Mode sind heute zwar seltener geworden, doch Stellantis setzt weiterhin darauf. In der Tradition des legendären Peugeot 205 Lacoste stehen nun der neue Fiat 500 Giorgio Armani – und dieser hier, der deutlich rustikalere Avenger.

Im Innenraum greifen die Sitze den North-Face-Puffer-Look sehr konsequent auf. Auf der Motorhaube sitzt ein Entspiegelungs-Aufkleber (wie bei einem alten Rallyeauto), im Kofferraum warten Zelt und weiteres Camping-Zubehör, und dazu ist Berg-Topografie praktisch überall eingraviert.

Preislich geht es bei etwas über 35.000 Pfund Sterling los. Gegenüber einem normalen Avenger 4xe sind das rund 4.000 Pfund mehr (oder etwa 50 Pfund pro Monat). Wer allerdings schon einmal ausserhalb der Black-Friday-Zeit in einem North-Face-Laden ein „kleines“ Shopping-Paket geschnürt hat, wird diesen Aufschlag vermutlich als ziemlich erwartbar – ja, fast schon plausibel – einordnen.

Und was steckt technisch darunter?

Im Kern bleibt es der flinke kleine Avenger, den wir kennen und durchaus mögen – hier allerdings als Hybrid mit Allradantrieb. Vorn arbeitet ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, unterstützt von zwei Elektromotoren mit jeweils 28 bhp, einer pro Achse. Der hintere E-Motor läuft nicht permanent mit und kuppelt sich oberhalb von 90 km/h komplett aus, um den Verbrauch zu senken. Für lose oder unebene Untergründe, die ein reiner Fronttriebler eher meidet, ist er aber genau die passende Hilfe.

Unterhalb von 30 km/h verteilt das System die Leistung typischerweise 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse. Für die Fahrt zur Schule ist das reichlich übertrieben – gleichzeitig fühlt sich der Avenger damit so „jeepig“ an wie bislang kaum, obwohl er insgesamt sehr europäisch wirkt (was nichts Schlechtes ist, schliesslich wurde er 2023 zum Auto des Jahres gekürt).

Dazu kommen mehrere Geländeprogramme (Schnee, Matsch und Sand), serienmässige M+S-Reifen (alternativ sind All-Terrain-Reifen erhältlich) auf 17-Zoll-Felgen, eine edle Mehrlenker-Hinterachse und reichlich Zahlenmaterial für alle, die Schlamm als Hobby haben: 22° Böschungswinkel vorn, 21° Rampenwinkel und 35° Böschungswinkel hinten. Die Bodenfreiheit beträgt 210 mm (10 mm mehr als beim Standardmodell) – genug, um 400 mm tiefes Wasser zu durchfahren (oder eine 40-Prozent-Steigung auf losem Untergrund zu erklimmen). Jeep spricht ausserdem von bis zu 20 Prozent mehr Traktion, wenn die Vorderachse wenig oder gar keinen Grip hat.

Ich fahre aber nur auf der Strasse, danke.

Dann wirst du damit ebenfalls zufrieden sein. Der Avenger ist grundsätzlich ein leichtfüssiges, handliches und überraschend unterhaltsames Auto – und die zusätzliche Technik aus Hybrid und Allrad legt sich erstaunlich wenig wie ein Schleier darüber. Mit 1.475 kg bringt er zwar 220 kg mehr auf die Waage als ein einfacher Avenger mit Frontantrieb (und Handschaltung!), ist aber spürbar leichter als der Avenger Electric, der vermutlich den grösseren Anteil daran hatte, den Auto-des-Jahres-Titel einzufahren.

Die Fahrleistungen sind ordentlich, aber nicht mehr als das: 134 bhp Systemleistung liegen bei 5.500 U/min an, 0–100 km/h dauern 9,5 Sekunden. Schluss ist bei 193 km/h. Offiziell werden 52,3 mpg und 122 g/km CO2 angegeben.

Und wie fährt er sich?

Der Komfort passt meist, auch wenn die grobstolligen M+S-Pneus ein wenig Unruhe ins Abrollen bringen (wer konsequent auf Asphalt unterwegs ist, sollte vielleicht Ganzjahresreifen wählen). Dafür lenkt der Avenger angenehm willig ein und wirkt in Kurven wie aus einem Guss: Alle vier Reifen arbeiten gleichmässig, der Grip bleibt nachvollziehbar und vertrauenerweckend – auch wenn sich bei besonders forscher Fahrweise aus einer nassen Einmündung vorne noch ein kurzes Durchdrehen provozieren lässt. Er wechselt die Richtung mit der Begeisterung, die man bei seinem kompakten Format und moderatem Gewicht erwartet, und zeigt dabei eine Gewandtheit, die man von Jeeps sonst nicht kennt.

Natürlich ist das hier kein klassischer Cherokee und auch kein kerniger Wrangler. Viele Technik-Bausteine teilt er sich mit einer gefühlt endlosen Reihe von Stellantis-Crossovern: Vauxhall Mokka, Peugeot 2008, Fiat 600, Alfa Romeo Junior … es gibt eine Menge davon. Dennoch hebt sich der Avenger nicht nur durch seine Bodenfreiheit ab. Sowohl seine Eigenart als auch der Eindruck von Qualität im Innenraum wirken, als kämen sie aus den oberen Regalböden des Stellantis-Baukastens – dieser Avenger fühlt sich klar edler an als der Citroën C3, den wir kürzlich getestet haben.

Und die Hybridtechnik im Alltag?

Auch die macht einen guten Eindruck. Es gibt eine sinnvolle Portion Rekuperation beim Bremsen – ohne dass man sich durch verwirrende Modi hangeln müsste. Ein Plug-in-Hybrid ist das hier zwar nicht, und rein elektrisch lassen sich auch keine riesigen Strecken „vom Netz“ fahren. Trotzdem schaltet sich der Verbrenner im Stop-and-go oder beim entspannten Dahingleiten recht häufig ab. Bei gemischter, oft zügiger Fahrt kamen wir auf 46 mpg; wer den Avenger eher als Stadtauto nutzt, dürfte die Werksangabe problemlos erreichen. Wobei man dann vermutlich ohnehin mit einem Fronttriebler (oder dem Elektro-Avenger) besser bedient wäre.

Was ist nun das Besondere an der North-Face-Edition?

Das hängt davon ab, wie sehr man wie ein unbezahlter Markenbotschafter wirken möchte – zumal ein normaler Avenger 4xe denselben Antrieb für spürbar weniger Geld bietet. Wer aber genau diese Optik will, kann zwischen weisser, grauer oder schwarzer Lackierung wählen, bevor das North-Face-Logo kompromisslos über den kleinen Avenger verteilt wird.

Gebaut werden 4.806 Exemplare – das entspricht der Höhe des Mont Blanc in Metern; jener Gipfel auf der französisch-italienischen Grenze spielt bei vielen der markanten Design-Elemente dieser North-Face-Ausführung eine zentrale Rolle. Am skurrilsten sind vielleicht die werkzeuggürtelartigen Stoffflächen und elastischen Kordeln an den Rückenlehnen vorn: optisch erinnert das stark an einen flexiblen Adventure-Rucksack. Albern? Klar. Aber dadurch ist es nicht automatisch falsch. Ausser natürlich, wenn die Kinder diese Kordeln auf der Autobahn-Fahrt zu den Schwiegereltern ununterbrochen wie ein Gummiband spannen …

Und noch etwas: Der Avenger verkauft sich offenbar hervorragend. In nur zwei Jahren wurden über 200.000 Stück abgesetzt, und Jeeps Verkäufe in Grossbritannien sollen 2025 bislang stark sein. Während Stellantis offenbar bei den Zukunftsplänen von Alfa und Maserati patzt, scheint ausgerechnet der kleinste Jeep ein Erfolg inmitten des Durcheinanders zu sein – mit oder ohne auffälliges North-Face-Makeover.

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