Gotion High-Tech, einer der größten Batteriehersteller Chinas, bei dem der Volkswagen Konzern der größte Anteilseigner ist, hat soeben eine neue Batteriefamilie namens Gnascent vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine neue Reihe von Natrium-Ionen-Batterien, die laut dem Unternehmen bereit für den Produktionsstart ist.
Präsentiert wurde die Neuheit in dieser Woche auf der 15. Global Technology Conference des Unternehmens. Gezeigt wurden drei Varianten der Natrium-Ionen-Technologie, deren zentraler Vorteil in deutlich geringeren Kosten gegenüber klassischen Lithium-Ionen-Batterien mit NMC-Chemie (Nickel, Mangan und Kobalt) sowie LFP (Lithium-Eisenphosphat) liegt.
Drei Varianten der Gnascent-Natrium-Ionen-Batterien
Die Ausführung, die für den Einsatz in leichten Fahrzeugen, Drohnen und eVTOL vorgesehen ist, kommt laut Ankündigung auf eine Energiedichte von 261 Wh/kg. Nach Angaben von Gotion entspricht das einer Verbesserung um 60% gegenüber Natrium-Batterien, die derzeit am Markt verfügbar sind.
Zum Vergleich: CATL hat für seine Shenxing Plus LFP eine gravimetrische Energiedichte von 205 Wh/kg genannt. Damit liegt der von Gotion für diese Natrium-Zelle angegebene Wert von 261 Wh/kg über dem Niveau vieler aktueller LFP-Lösungen – wobei der Vergleich mit Vorsicht zu betrachten ist: Hier geht es um eine konkrete Zelle und nicht zwingend um ein komplettes, einbaufertiges Batteriepaket für ein Serienfahrzeug. Zur Einordnung: Bei heutigen LFP-Batterien liegt die Energiedichte auf Zellebene typischerweise bei rund 170 Wh/kg bis 200 Wh/kg.
Die zweite Gnascent-Variante ist mit 162 Wh/kg spezifiziert und auf Anwendungen bei sehr niedrigen Temperaturen ausgelegt. Sie soll den Betrieb bis -50 ºC ermöglichen. Gotion sieht diese Lösung vor allem für Nutzfahrzeuge sowie für Outdoor-Ausrüstung, die in Regionen mit extremer Kälte eingesetzt wird.
Die dritte Ausführung richtet sich an stationäre Energiespeicherung. Sie nutzt Zellen mit 180 Ah, eine angegebene Lebensdauer von mehr als 20 000 Zyklen und hält bei -40 ºC noch 88% der Kapazität. Laut Unternehmen hat die Technologie zudem Sicherheitsprüfungen bestanden, darunter das Durchstechen mit einem 8 mm Stahlstift sowie das Erhitzen bis 400 ºC ohne Entzündung.
Volkswagens chinesischer Trumpf: Gotion High-Tech
Auch wenn Gotion High-Tech in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt ist, zählt das Unternehmen in China zu den Schwergewichten der Batteriebranche – wenn auch mit deutlichem Abstand zum Weltmarktführer CATL. Gotion High-Tech wurde 2006 gegründet, hat seinen Sitz in Hefei und den Volkswagen Konzern als größten Anteilseigner.
In diesem Jahr stieg das Unternehmen laut Daten des China EV Data Tracker in China auf Platz drei unter den größten Batterielieferanten für Elektrofahrzeuge auf – hinter CATL und BYD. Installiert wurden 4,05 GWh, was einem Marktanteil von 6,6% entspricht.
Patente, Materialien und „anode-less“-Architektur
Bei den neuen Batterien der Familie Gnascent stützt sich Gotion nach eigenen Angaben auf mehr als 90 Patente, die sich unter anderem auf Kathodenmaterialien, Hartkohlenstoff-Anoden und Elektrolyt-Additive beziehen. Zusätzlich nennt das Unternehmen eine „anode-less“ (ohne Anode) Architektur, die darauf ausgelegt ist, Materialkosten zu senken und zugleich die Energiedichte zu erhöhen.
Wo Natrium-Ionen-Technik Lithium ergänzt
Natrium-Technologie bedroht Lithium-Batterien in Elektroautos mit besonders hoher Reichweite derzeit noch nicht unmittelbar. Dennoch gewinnt sie in Einsatzfeldern an Bedeutung, in denen Kosten, Sicherheit, Verfügbarkeit von Rohstoffen und die Leistung bei extremer Kälte den Ausschlag geben können.
Mit Gotion reiht sich Volkswagen in die Gruppe von Herstellern wie CATL und BYD ein, die an der Industrialisierung dieser Lösungen arbeiten. Das Unternehmen könnte für die Pläne des Volkswagen Konzerns, in China wieder zur Marktführerschaft aufzuschließen, zu einem wichtigen Baustein werden:
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