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Test: Abarth Punto Evo – Rückblick aus Top Gear Magazin, Ausgabe 209 (2010)

Weißer Abarth Kleinwagen fährt auf einer Landstraße bei bewölktem Himmel in ländlicher Umgebung.

Dieser Test erschien erstmals in Ausgabe 209 des Top Gear Magazins (2010).

Verkaufszahlen im Vereinigten Königreich

Im Jahr davor brachte Fiat im Vereinigten Königreich gerade einmal 247 Abarth Punto an die Kundschaft. Klar: 2009 war in der grossen Rangliste „Gute Jahre, um Autos zu verkaufen“ eher ein Kandidat für die unteren Ränge – irgendwo zwischen Flaute und finsterer Vergangenheit. Trotzdem setzte Mini im gleichen Zeitraum 4.303 Cooper S ab. Das ist das Siebzehnfache.

Der Vergleich mit dem allgegenwärtigen Cooper ist vielleicht nicht ganz fair, doch eine Zahl macht ihn umso unbequemer: Im selben Jahr fanden im Vereinigten Königreich mehr als 1.000 Abarth 500 Käuferinnen und Käufer.

Unterm Strich fiel die britische Reaktion auf den Abarth Punto bisher eher wie ein kollektives Achselzucken aus. Jetzt kommt allerdings eine neue Variante auf Basis des gelifteten Punto „Evo“ – und die dürfte zumindest auf dem Papier mehr Interessenten anlocken.

Technik im Abarth Punto Evo: MultiAir, Turbo und Leistung

Im Abarth Punto arbeitet eine aufgeladene Ausführung von Fiats 1,4-Liter-„MultiAir“-Motor. Die raffinierte Ventilsteuerung soll deutlich Kraftstoff sparen und zugleich das Drehmoment anheben. Mit 163 PS liegt er um 10 PS über dem früheren 1,4-Liter-Aggregat im Abarth Punto, wobei das nach heutigen Massstäben für einen sportlichen Kleinwagen weiterhin eher zurückhaltend wirkt.

Der Motor läuft kultiviert und sauber, entsprechend wirkt der Punto mehr zügig als wild: Beim Sprint auf 97 km/h ist er rund eine Sekunde langsamer als unser damaliger Klassenprimus unter den kleinen Sportlern, der Clio 200. Eine SS-Variante steht zudem bereits in Aussicht und soll etwa 20 PS extra bringen – darauf zu warten, dürfte sich lohnen.

Fahrwerk, Teststrecke und Torque Transfer Control

Vorweg ein Hinweis: Wir bewegten den Punto ausschliesslich auf dem spiegelglatten Asphalt von Fiats Teststrecke in Balocco. Ein abschliessendes Urteil sparen wir uns, bis er auf einer schlechten Landstrasse ranmuss. Doch der erste Eindruck vom Fahrkomfort war stimmig: berechenbar und mit viel Grip, auch wenn das Ganze nicht so direkt und nicht so straff wirkt wie im Clio 200.

Gegenüber dem alten Punto fühlt sich diese Ausführung trotzdem deutlich präziser an. Erstmals erhält der Abarth Punto Fiats Torque Transfer Control: ein elektronischer „Pseudo-Differenzial“-Eingriff, der über das Abbremsen des kurveninneren Vorderrads arbeitet und erst mit Druck auf die Sport-Taste aktiv wird. Das System funktioniert überzeugend, zieht die Front in engen Kurven spürbar besser hinein und reduziert Untersteuern. So gut sogar, dass man sich schwer vorstellen kann, wann man es überhaupt deaktivieren möchte.

Charakter und Konkurrenz: eher Mini-GT als Sport-Kleinwagen

Für ein Produkt aus dem Haus, das den überdrehten, jungenhaften Abarth 500 verantwortet, wirkt der Punto überraschend erwachsen. Ob er dadurch massenhaft neue Kundschaft gewinnt? Vermutlich nicht. Obwohl er besser ist als sein Vorgänger, bleibt die Frage, was er bietet, das andere sportliche Kleinwagen nicht ebenfalls können: Lenkung und Schaltung liegen deutlich hinter der fingerleichten Einbindung eines Clio, und beim Lifestyle-Faktor kann er weder mit dem Boutique-Chic eines Alfa MiTo noch mit dem eines Citroën DS3 mithalten.

Ordnet man den Punto Abarth jedoch eher als Mini-GT ein – als Auto für sparsamen, alltäglichen Pflichtbetrieb, das bei Bedarf ein wenig Prickeln nachliefert –, ergibt das Gesamtpaket mehr Sinn. Also: Gebt einem Abarth ein Zuhause.

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