Die Zeichen der Zeit sind eindeutig: In unserem Magazin testen wir inzwischen nur noch selten Modelle, die weder elektrisch noch als Plug-in-Hybrid unterwegs sind – ein Blick auf die letzten Tests genügt. Umso spannender war es, einen Monat lang ein anderes Konzept im Alltag zu fahren: den Hyundai Tucson 2023 als Vollhybrid, bei Hyundai als HEV (Hybrid Electric Vehicle) bezeichnet. Er ist elektrifiziert, kommt aber ganz ohne Steckdose aus.
Diese Wahl war bewusst getroffen: Wer möglichst unkompliziert – und im Vergleich zu manchen Alternativen oft auch bezahlbarer – in die Elektrifizierung einsteigen will, landet schnell bei dieser Art Hybrid. Der Hyundai Tucson 2023 wird mit mehreren Antrieben angeboten, darunter auch als Plug-in-Hybrid (die weiteren Varianten werden in einem Video vorgestellt). Ich habe mich dennoch gezielt für den Hybrid entschieden, der keine Ladeverbindung benötigt.
Insgesamt bin ich fast 3000 km am Steuer des Hyundai Tucson 2023 gefahren.
Unter der Haube arbeitet ein 1.6 Turbo-Benziner mit 180 cv, kombiniert mit einem 60-cv-Elektromotor. Geladen wird dabei auf zwei Wegen: über Rekuperation beim Bremsen und über Energie, die der Verbrenner quasi „übrig“ lässt. Wie Antoine-Laurent de Lavoisier sagte: „In der Natur wird nichts geschaffen, nichts geht verloren, alles wird umgewandelt“ – und genau an diesem Prinzip ist der Tucson HEV erstaunlich nah dran.
In den nächsten Abschnitten – und auch im Video – geht es deshalb um alle Eindrücke aus diesem Langzeittest. Unser Mercedes-Benz 190D (W 201) hatte einen Monat Pause, und meinen kompletten Alltag habe ich im Hyundai Tucson HEV 2023 verbracht.
Seht euch das Video an:
Gut organisiert und sauber verarbeitet
Der grösste Vorteil eines Langzeittests ist, dass ein Auto wirklich im „Normalbetrieb“ laufen muss. Unsere Tests finden zwar grundsätzlich unter realen Bedingungen statt und sollen eine typische Nutzung abbilden – aber erst die tägliche, durchgehende Verwendung zeigt, was wirklich zählt.
Das gilt später für den Verbrauch, aber genauso für die Innenraumdetails. Und genau dort positioniert sich der Tucson im Spitzenfeld seines Segments.
Innen wirkt der Tucson grosszügig, umfangreich ausgestattet und zugleich solide montiert. Vom Qualitätsgefühl her muss er den Vergleich mit Premium-Marken nicht scheuen – dieses Niveau darf man beim südkoreanischen SUV erwarten.
Ganz frei von Kritik ist er dennoch nicht: Beim Infotainment fehlt die kabellose Anbindung für Apple CarPlay und Android Auto. Ja, es ist „nur“ ein Detail – aber Details sind im Alltag entscheidend, und ich hasse es, ständig mit Kabeln hantieren zu müssen.
Es ist einer der wenigen technischen Punkte, die man dem Tucson ankreiden kann. Umso weniger nachvollziehbar ist für mich, warum Hyundai sich hier so entschieden hat. Abgesehen davon gibt es von meiner Seite praktisch nur Lob.
Geräumig und alltagstauglich
Platz ist reichlich vorhanden, und der Innenraum wirkt angenehm hell. Wie ich im Video erläutere, öffnen die Türen weit genug – ein echter Pluspunkt, wenn man regelmässig Kindersitze auf der Rückbank montiert. Dazu kommt der Kofferraum: Mit seinen mehr als 600 Litern schluckt er problemlos alles, was im Familienalltag anfällt.
Verbesserungspotenzial sehe ich vor allem bei der Sicht nach hinten. Die Linienführung der Karosserie geht zulasten der Übersichtlichkeit. Natürlich helfen die Parkkameras – aber nach dem Motto „Ein alter Esel lernt keine neuen Sprachen“ orientiere ich mich weiterhin lieber an den Spiegeln.
Mit Spurhalteassistenten werde ich ebenfalls nicht richtig warm, auch wenn das System im Tucson gut abgestimmt ist. Das wäre ein Thema für eine eigene Kolumne – hier ist nicht der richtige Ort dafür. Vielleicht bin ich schlicht nicht besonders change-affin …
Komfort als klare Leitlinie
Hyundai hat sich spürbar für Komfort und Vorhersehbarkeit entschieden – genau das prägt das Fahrgefühl dieses Hyundai Tucson 2023.
Man merkt deutlich, dass das Fahrwerk eher weich und komfortorientiert abgestimmt ist. Das ist kein Makel, sondern vermutlich genau das, was die meisten Käuferinnen und Käufer in dieser Klasse suchen.
Dieses Gefühl hatte ich bereits auf einer 1500-km-Reise durch die USA, im Rahmen der World Car Awards. Damals war ich zusammen mit meinem Kollegen von Car and Bike, Siddarth Pantakar, unterwegs – auf einer Strecke von Los Angeles bis zum Grand Canyon.
Der Langzeittest in Portugal hat diese Einschätzung nochmals untermauert – auch weil Hersteller die Fahrwerksabstimmung je nach Markt gelegentlich anpassen. Hier gibt es allerdings keinen Zweifel: Dieses SUV richtet sich an alle, die die Familie entspannt transportieren möchten, ohne dabei zwingend langsam unterwegs zu sein …
Leistung und Sanftmut
Wer ein SUV mit sportlichem Charakter sucht, ist hier falsch – dann lieber einen anderen Artikel lesen oder ein anderes Video auf unserem YouTube-Kanal anschauen. Der Hyundai Tucson 2023 fährt ordentlich und kontrolliert, er reisst einen aber nicht mit. Trotz 230 cv Systemleistung fühlt er sich am wohlsten bei fliessendem Tempo auf der Autobahn oder im typischen Stadtverkehr.
Auf der Autobahn unterstützt die sechsstufige Automatik zusammen mit dem Hybridsystem einen sehr ruhigen, unaufgeregten Ablauf.
Dieser Hyundai Tucson HEV beschleunigt in acht Sekunden von 0–100 km/h und erreicht 193 km/h Höchstgeschwindigkeit (elektronisch begrenzt).
Wie gesagt: Begeisterungsstürme löst er nicht aus. Leistung ist vorhanden, nur wird sie sehr gleichmässig abgegeben. So gleichmässig, dass man fast in die Daten schauen muss, um sich zu vergewissern, dass tatsächlich 230 cv bereitstehen.
Beim Verbrauch lag ich nach mehreren Fahrten ausserhalb der Stadt bei 6,2 l/100 km. Das Ergebnis stammt aus 500 km, die ich teils mit Geschwindigkeiten zurückgelegt habe, die gelegentlich über den erlaubten Limits lagen. Gebt der guten Geräuschdämmung des Tucson die Schuld.
Insgesamt sind mehr 800 km ohne Stopp möglich. Diese Reichweite bietet der Hyundai Tucson HEV.
Überraschend stark im Stadtverkehr
Seine „Trümpfe“ spielt der Hybridantrieb jedoch in der Stadt aus. Durch häufiges Bremsen und sanfte Beschleunigungen kann der Benziner lange Pausen einlegen, während das System effizient elektrisch unterstützt.
Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass der Bordcomputer Durchschnittswerte unter fünf Litern anzeigt. Das unterstreicht, wie effizient dieses Hybridkonzept arbeitet.
Möglich wird das, weil Energie, die sonst verpuffen würde, in einer kleinen Batterie mit 1,49 kWh Kapazität gespeichert wird – 7-8 Mal kleiner als bei den meisten Plug-in-Hybriden. Diese Energie nutzt anschliessend der 60-cv-Elektromotor.
Angesichts eines SUV-Gewichts von mehr als 1600 kg ist das bemerkenswert. Solche Resultate führen auch dazu, dass man die Notwendigkeit der für Europa angekündigten Massnahmen bis 2035 zumindest hinterfragt.
Preis
Hyundai ruft für den Hyundai Tucson 2023 als HEV 45 900 euros auf. Das ist nicht wenig, allerdings bekommt man dafür auch ein SUV, das bei Ausstattung, Komfort und Leistung über dem Durchschnitt liegt.
Bei den Hybrid-Alternativen stehen unter anderem der neue Toyota Corolla Cross, der Kia Sportage und der neue Renault Austral bereit.
Wer auch andere Antriebsarten in Betracht zieht, findet eine noch längere Liste – darunter Peugeot 3008, Citroën C5 Aircross, Skoda Karoq, Volkswagen Tiguan und Jeep Compass.
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