Man sollte sich vom Titel nicht in die Irre führen lassen: Es geht hier nicht um irgendein „Monster“. Mit rund 600 unabhängigen Unternehmen erreicht der kumulierte Jahresumsatz der Mitsubishi-Gruppe in etwa 14% des nominalen BIP Japans.
Zu diesem Geflecht gehört auch Mitsubishi Motors, die Autosparte innerhalb der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz. Doch selbst als Teil eines finanzstarken Verbunds heisst das nicht, dass sich die Automobilsparte des japanischen Giganten grosse Ausgaben einfach leisten kann.
Ein Blick auf das aktuelle Europa-Portfolio - das fast nur aus Modellen mit Badge Engineering besteht - zeigt, wie stark Zurückhaltung die Markenstrategie prägt. Diese nüchterne Linie ist ebenso bei der Elektrifizierung zu spüren.
Mitsubishi Motors in Europa: Badge Engineering und Elektrifizierung
Die starke Ausrichtung auf Partnerschaften deutete bereits an, wie genau Mitsubishi Motors seine Mittel abwägt. Bestätigt wurde das am 18. Juni auf einer Aktionärsversammlung durch den Präsidenten und CEO Takao Kato.
In einer Branche, in der Vertrauen beinahe so entscheidend ist wie das Produkt selbst, werden Schwächen selten offen thematisiert. Genau das tat Takao Kato jedoch gegenüber den Anteilseignern.
Er erklärte, dass Mitsubishi Motors die Entwicklung einer neuen Generation von Elektrofahrzeugen nicht im Alleingang vorantreiben will. Der Kernpunkt: Die dafür nötigen Investitionen sind zu hoch im Verhältnis zum damit verbundenen Risiko.
Ein zu hohes Risiko
Diese Aussagen fallen in eine Phase, in der der Markt für Elektroautos zwar weiter wächst, allerdings langsamer, als es viele Hersteller kalkuliert hatten. Das zwingt zahlreiche Marken dazu, Zeitpläne, Budgets und Erwartungen zu korrigieren.
Gegenüber Automotive News fand Takao Kato klare Worte:
„Die Realität ist, dass sich das Wachstum der Elektrofahrzeuge weltweit verlangsamt hat. Vorerst besteht unser Ansatz darin, auf diese Situation durch Kooperationen zu reagieren“.
Takao Kato, Präsident und CEO von Mitsubishi Motors
Deutlicher hätte die Botschaft kaum sein können: Mitsubishi sieht aktuell keinen Zeitpunkt, um Millionen von Euro in die Entwicklung eigener Elektro-Plattformen und -Modelle zu stecken, wenn es rationalere (und günstigere) Alternativen gibt.
Laut Kato würde ein Vorhaben dieser Grössenordnung enorme Summen verschlingen - und bei schwächeren Verkäufen als prognostiziert rasch zu einem ernsthaften Problem werden. Für eine Marke, deren Stückzahlen deutlich unter denen mancher Hauptwettbewerber liegen, ist diese Sorge nachvollziehbar.
Skaleneffekte und Investitionspuffer
Zum Vergleich eignet sich ein Blick auf Honda, das jüngst ebenfalls seine kostspieligen Elektrifizierungspläne gebremst hat.
Im Jahr 2025 setzte Mitsubishi weltweit 883 828 Fahrzeuge ab. Im gleichen Zeitraum brachte Honda 3 396 057 Einheiten an Kunden. Wenn die Volumina so weit auseinanderliegen, unterscheidet sich auch die Fähigkeit, Investitionsfehler abzufedern - selbst dann, wenn man Teil einer der grössten Industriekonglomerate Japans ist.
Pragmatismus vor Stolz
Über Jahrzehnte galt in der Automobilindustrie die Vorstellung, jeder Hersteller müsse seine Technik selbst entwickeln. Motoren, Plattformen und technische Lösungen waren Teil von Identität und Prestige.
Heute hat sich die Lage verschoben. Vorschriften sind strenger geworden, die technologische Komplexität ist massiv gestiegen, und Entwicklungskosten haben ein historisch hohes Niveau erreicht. Unter diesen Bedingungen sind Kooperationen nicht länger ein Zeichen von Schwäche, sondern oft schlicht erforderlich.
Mitsubishi hat das erkannt. Die jüngsten Elektro-Modelle belegen diese Ausrichtung.
Elektro-Modelle aus der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz
Die Modelle Eclipse Sportback EV und Eclipse Cross EV nutzen bereits vorhandene technische Grundlagen innerhalb der Allianz, insbesondere aus dem Nissan Leaf und dem Renault Scenic E-Tech.
Nächstes Projekt: Foxconn-Fertigung für Asien-Pazifik
Dabei soll es nicht bleiben. Noch in diesem Jahr dürfte Mitsubishi ein weiteres Elektroauto vorstellen, das von Foxconn in Taiwan produziert wird und vor allem für die Märkte im Asien-Pazifik-Raum vorgesehen ist.
Man kann zu Recht fragen, ob dieser Weg die Mitsubishi-Identität verwässert - doch die Alternative wäre wohl deutlich schwieriger und könnte sogar die Zukunft der Marke gefährden.
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