Wer ständig BMW 120d auf der Strasse sieht, dem würde ich eher einen Golf GTD ans Herz legen. Und weil mir ebenso viele Golf GTI begegnen, sage ich diesen Fahrern im Gegenzug: Lasst den GTD lieber stehen. Er kann den GTI nicht ersetzen. Klar, Optik und Emblem können einen auf die falsche Fährte locken – aber als echter Hot Hatch fehlt ihm schlicht der Biss.
GTI-Optik beim Golf GTD: viel Show, aber ohne Rot
Äusserlich wie innen übernimmt der GTD praktisch alle Stilmittel des GTI: die markante Front, kräftigere Seitenschweller, Sportsitze im Tartan-Muster. Nur eine Kleinigkeit sticht sofort heraus – und die reicht, um zu verstehen, worum es hier geht: Das Rot ist verschwunden. Keine schmalen roten Leisten an der Nase, kein roter Faden auf Lenkrad, Schalthebel und Sitzen, keine roten Streifen im Tartan. Und wie alle wissen, die in den wilden Hot-Hatch-Jahren der 1980er gross geworden sind: Rote Streifen bringen locker mindestens eine Sekunde pro Runde.
Motor und Charakter des Golf GTD: 2.0 Diesel mit 170 bhp
Ab da legt der GTD Schicht für Schicht Eigenschaften frei, die weniger nach Hot Hatch und mehr nach erwachsenem Allrounder wirken. An erster Stelle: der Motor. Die 170bhp-Variante von VWs 2.0 Diesel ist im Golf erstaunlich leise und drückt mit reichlich Drehmoment an. Nur klingt das Ganze eher nach einem monotonen Brummen – nichts, was einen dazu animiert, aus Kurven heraus mit fröhlich hochdrehenden Kolben zu beschleunigen, die gefühlt durchs Blech wollen. Denn dazu kommt es nicht: Bei etwa 4.500 ist die Luft raus.
Auch die leichte Diesel-Gedenksekunde beim Gas ist zwar nicht so ausgeprägt, dass sie beim Überholen wirklich bremst. Aber sie reicht, um keinen Spass daran zu haben, das Auto in Kurven sauber über den rechten Fuss zu balancieren. Genau dafür wünscht man sich einen flink ansprechenden Benziner.
Fahrwerk, adaptive Dämpfung und Fahrgefühl
Passend dazu: Der GTD fährt nicht mit einem GTI-Fahrwerk, sondern mit der „Sport“-Alternative des normalen Golf – und die wirkt weniger spritzig. Wenn man die Option mit adaptiver Dämpferregelung ankreuzt – und das sollte man – stimmt der Komfort, und die Karosseriekontrolle ist in Ordnung. Trotzdem muss man sich erst durch eine weiche, etwas zähe Schicht kämpfen, bevor er seine Kurvenqualitäten wirklich zeigt.
Unterm Strich steht damit ein richtiges Premium-Kompaktmodell. Er ist zügig, zieht beim Überholen überzeugend durch – besonders mit DSG, weil man den Turbo damit leicht auf Drehzahl halten kann. Auf der Autobahn gleitet er ebenfalls sehr angenehm: stabil, mit einem dezenten, gedämpften Hintergrundrauschen. In der Stadt ist der Federungskomfort ordentlich. Die Verarbeitung ist hervorragend, das Auto bleibt leise, und man kann es mit allerlei gehobenen (wenn auch restwert-vernichtenden) Extras vollpacken.
Nur: Ein Hot Hatch ist das nicht. Wenn man das genau so akzeptiert und ihn einfach für das nimmt, was er ist, passt das. Allerdings sollen Golfs eigentlich ehrlich sein, unaufgeregt, zurückhaltend und subtil. Dieser hier schlägt die andere Richtung ein: mehr Klappe als Hose. Und das funktioniert irgendwie nicht.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen