Der Kia Sportage Plug-in-Hybrid (PHEV) ist der teuerste und zugleich stärkste Sportage – gleichzeitig ist er aber auch derjenige, der die niedrigsten Betriebskosten verspricht.
Nachdem wir bereits den günstigsten Kia Sportage getestet haben – Benziner mit Handschaltung –, geht es jetzt preislich und konzeptionell ans andere Ende der Baureihe.
Beim Antriebsangebot zählt das koreanische SUV zu den vielseitigsten seiner Klasse: Es gibt Varianten mit Benzinmotor, als Hybrid und als Plug-in-Hybrid.
Im Vergleich zur zuvor gefahrenen Basisversion rückt bei diesem Kia Sportage vor allem das Plug-in-Hybrid-System (an der Steckdose ladbar) in den Fokus. Kia nennt dafür bis zu 70 km elektrische Reichweite. Dazu kommen Allradantrieb und eine umfangreichere Ausstattung.
Äusserlich bleibt alles weitgehend beim Bekannten: Abgesehen vom PHEV-Schriftzug (Plug-in Hybrid Electric Vehicle) an der Kofferraumklappe und einer zusätzlichen Klappe für den Ladeanschluss auf der rechten Fahrzeugseite gibt es keine sichtbaren Unterschiede zu anderen Ausführungen.
Ob ein Sportage zur Ausstattungslinie Drive oder Tech gehört, erkennt man vor allem an den 19"-Leichtmetallfelgen sowie an den schwarzen Designelementen. Diese sind hier in Hochglanzschwarz lackiert, statt lediglich in der Kunststofffarbe zu erscheinen.
Davon abgesehen – und die Aussenfarbe ausgenommen – waren die beiden Kia Sportage, die bei Razão Automóvel vorbeigeschaut haben, faktisch identisch.
Edlerer Auftritt innen
Während sich aussen wenig tut, zeigt sich der Unterschied im Innenraum deutlich stärker als beim günstigeren Sportage. Das Kombiinstrument ist zwar ebenfalls volldigital, wirkt hier aber spürbar hochwertiger und erinnert optisch stärker an das, was man aus dem Kia EV6 kennt.
Weil es sich um einen Plug-in-Hybrid mit Automatik handelt, ist auch die Mittelkonsole anders gestaltet: Statt eines klassischen Wählhebels gibt es einen spezifischen Drehregler, der praktisch identisch zum Bedienelement im Kia EV6 ausfällt. Darunter sitzt zudem der Schalter für die Fahrmodi.
In der getesteten Einheit mit Tech-Ausstattung kann der Schlüssel in der Tasche bleiben, und die Vordersitze werden elektrisch verstellt. An kalten Tagen sind sowohl Sitze als auch Lenkrad beheizbar.
An den bekannten Stärken des Modells ändert das alles nichts: Der Innenraum bietet viel Platz – vorne wie hinten –, dazu ein hohes Komfortniveau und eine Material- sowie Verarbeitungsqualität, die nicht enttäuscht.
Einen echten Nachteil gibt es dennoch: Das Hybridsystem beansprucht einen Teil des Kofferraumvolumens, weil die Batterie unter dem Ladeboden untergebracht ist. Trotzdem bleiben 540 Liter übrig – ein weiterhin grosszügiger Wert, der den meisten Familienanforderungen gerecht wird.
Ein bisschen mehr von allem
Wie zu erwarten, spürt man die grössten Abstände zur zuvor getesteten Basisversion erst beim Fahren – und das beginnt beim Motor. Unter der Haube arbeitet weiterhin der 1.6 T-GDi-Benziner, hier allerdings mit 180 cv Leistung (+30 cv gegenüber dem reinen Benziner-Sportage).
Zusätzlich ist ein Elektromotor an Bord, der 91 cv beisteuert. Gemeinsam kommen beide Antriebe auf 265 cv und 350 Nm – damit ist der Sportage PHEV die stärkste Sportage-Variante.
Für ein SUV dieser Grösse sind das sehr beachtliche Werte, selbst wenn das Gewicht fast an die Zwei-Tonnen-Marke heranreicht. Und während der günstigste Sportage nur zwei angetriebene Räder hat, fährt diese PHEV-Version mit Allradantrieb.
Im (kaum) elektrischen Betrieb
Den Strom liefert eine Batterie mit 13,8 kWh, womit Kia eine maximale elektrische Reichweite von 70 km (kombinierter Zyklus) angibt. Unser Test startete allerdings mit 0 km elektrischer Reichweite – und das mitten in der Rushhour.
Trotzdem ging es zunächst völlig geräuschlos los, ohne dass der Verbrenner bei den ersten Rangiermanövern anspringen musste. Bei niedrigen Geschwindigkeiten, beim Ausrollen bergab oder in Standphasen blieb der Benziner ebenfalls meist aus; nur selten wurde er zugeschaltet.
Im dichten Stadtverkehr zeigte sich jedoch die Kehrseite: Ohne verfügbaren 100-%-E-Modus waren die gemessenen Verbräuche alles andere als erfreulich und kletterten zeitweise sogar auf über neun Liter. Sobald es aus der Stadt herausging, fielen die Werte dann allerdings sofort.
Ohne Batterieladung und auf einer Strecke mit Stadt, Landstrasse und Autobahn lag der Durchschnitt beim Kia Sportage PHEV knapp über der Sieben-Liter-Marke.
Mit voller Batterie
Erst nachdem der Kia Sportage PHEV mehrere Stunden an der Steckdose hing und die Batterie wieder auf 100% geladen war, liess sich das eigentliche Argument eines Plug-in-Hybrids ausnutzen: Fahren im 100% elektrischen Modus.
Genau hier wirkt das SUV so, als wolle es zeigen, dass es «detesta» den Verbrenner überhaupt um Hilfe zu bitten.
Rein elektrisch hält der Kia Sportage problemlos mit dem Verkehr mit – ohne Mühe in der Stadt und auch auf der Autobahn, wobei der Vorteil wie erwartet im urbanen Umfeld am stärksten spürbar ist.
Mit etwas Feingefühl am Gaspedal lässt sich beispielsweise der übliche Weg zwischen Zuhause und Arbeitsplatz zurücklegen, ohne den Verbrennungsmotor zu bemühen – was sich deutlich beim Geldbeutel bemerkbar macht. Ohne besondere Zurückhaltung hingegen, wenn der Verbrenner in vielen Situationen aufwacht, lag der notierte Durchschnitt nicht einmal bei fünf Litern.
Was die Reichweite betrifft, sind die von Kia genannten 70 km eher optimistisch und setzen sehr günstige Bedingungen voraus. Dennoch ist es nicht schwer, die Marke von 50 km zu übertreffen, bevor wieder nachgeladen werden muss.
Wenn das häufige Laden der Batterie – also regelmässig an die Steckdose – im Alltag zu einschränkend ist, ergibt die Plug-in-Hybrid-Variante wenig Sinn. Dann ist der klassische Hybrid (HEV) die sinnvollere Wahl, weil er nicht geladen werden muss. Das Sparpotenzial fällt zwar kleiner aus, der Kraftstoffverbrauch liegt aber dennoch unter dem der reinen Benzinversion.
Kaum echte Auswahl
Der Autokauf ist normalerweise der Moment, in dem man sein Fahrzeug so zusammenstellt, dass es möglichst gut zu den eigenen Vorlieben passt.
Beim Kia Sportage PHEV bleibt abseits der Lackfarbe jedoch kaum Spielraum: Es gibt keine weiteren Optionen. In anderen Märkten sind zusätzliche Ausstattungspakete oder Extras durchaus üblich – entsprechend könnte die Auswahl auch hier grösser sein.
Wie würde der Kia Sportage als PHEV beispielsweise mit der sportlicheren Optik der GT Line aussehen, statt als Tech, die als einzige im Konfigurator auftaucht? Und wenn man höhere Ansprüche hat: Warum gibt es nicht die Möglichkeit, ein Panorama-Glasdach oder ein besseres Soundsystem zu bestellen – selbst wenn das mit Mehrkosten verbunden wäre?
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