Zweite Fahrt jenseits des Antarktischen Polarkreises
Mit einem weiteren Meilenstein in ihrer Antarktis-Historie hat das Polarschiff Almirante Maximiano der Brasilianischen Marine seine zweite Passage jenseits des Antarktischen Polarkreises absolviert und damit die Präsenz des Landes in einer der anspruchsvollsten Regionen der Erde weiter untermauert. Die Überquerung erfolgte am 27. Januar im Rahmen der Antarktisoperation (OPERANTAR) und fiel zeitlich mit dem 150. Jahrestag der Diretoria de Hidrografia e Navegação (DHN) zusammen – der zentralen Dienststelle für maritimes Wissen sowie für die logistische und wissenschaftliche Unterstützung, die Brasiliens Tätigkeit auf dem weissen Kontinent ermöglicht.
Navigation unter Extrembedingungen im Südpolarmeer
Der Antarktische Polarkreis liegt bei 66°33′ südlicher Breite und bildet eine Linie, an der die Natur höchste technische und operative Anforderungen stellt. In diesem Extremraum mit Minusgraden, dauerhaftem Eis und schnell wechselnder, schwer vorhersagbarer Witterung sind exakte Navigation, sorgfältige Vorbereitung und laufende Umweltbeobachtung unverzichtbar. Unter diesen Bedingungen bestätigte die Almirante Maximiano – als Flaggschiff der DHN im Südpolarmeer – erneut ihren Stellenwert: als wissenschaftliche Plattform, als Instrument strategischer Präsenz und als sichtbares Zeichen der Kontinuität des brasilianischen Antarktisengagements.
Geografische Wegpunkte und Symbolik der Passage
Auf ihrer Route in antarktischen Gewässern lief das Schiff in die Nähe der Cruls-Inseln, des Gipfels Almirante Alexandrino de Alencar und des Bergs Rio Branco – drei geografische Bezugspunkte, die jeweils ein Stück brasilianischer Wissenschafts- und Diplomatiegeschichte widerspiegeln. Durch diese Annäherung erhielt die Fahrt der Almirante Maximiano neben dem operativen Nutzen auch eine symbolische Dimension, weil sie Tradition, Wissensgewinn und Souveränität in einer einzigen Passage zusammenführte.
DHN, OPERANTAR und die Rolle der Hydrografie
Vor diesem Hintergrund betonte der Kommandant, Kapitän zur See Carlos Eduardo Navazio de Oliveira da Silva, die Brasilianische Hydrografie „als Beispiel für die Konvergenz von Wissenschaft, Technologie und geopolitischer Positionierung“ und verwies damit auf die strategische Rolle Brasiliens in der Governance des Südatlantiks und der Antarktis. Der Fregattenkapitän Julio César de Castro Rocha, Hydrograf und Meteorologe der 44. OPERANTAR, erläuterte wiederum, dass zu den wichtigsten Aufgaben an Bord die Erstellung präziser Wetterprognosen gehört. Diese Vorhersagen sind entscheidend, um abrupte Wetterumschwünge frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit von Luft-, Wissenschafts- und Logistikvorhaben zu gewährleisten, die häufig nur in kurzen Zeitfenstern umgesetzt werden können.
Modernisierung: Projekt Polarschiff Almirante Saldanha im PROHIDRO
Auch wenn die Almirante Maximiano – 1974 ursprünglich zu Wasser gelassen und 2009 in die Brasilianische Marine übernommen – weiterhin das wichtigste Mittel für die antarktische Präsenzprojektion des Landes bleibt, kommt das Vorhaben zur Ergänzung dieses Fähigkeitsportfolios nur langsam voran. Das künftige Polarschiff Almirante Saldanha, das in den kommenden Jahren diese Rolle übernehmen und das Antarktis-Unterstützungsschiff (NApOc) Ary Rongel ersetzen soll, wurde 2019 angekündigt. Der Bau ist bei Jurong-Aracruz (EJA) vorgesehen, mit technischer Unterstützung durch SembCorp Marine Specialized Shipbuilding.
Das Projekt ist im Programm zur Beschaffung hydroozeanografischer Mittel und antarktischer Unterstützung (PROHIDRO) verankert und hatte als Ziel eine Auslieferung bis 2025. Zuletzt gab es jedoch keine neuen offiziellen Informationen – ein Stillstand, der die für die Fortführung der wissenschaftlichen und strategischen Präsenz Brasiliens in der Polarregion wichtige Weiterentwicklung in der Schwebe lässt.
Für die Almirante Saldanha sind 103 Meter Länge, ein Hangar für zwei mittlere Hubschrauber sowie eine Autonomie von 70 Tagen vorgesehen; an Bord sollen 95 Personen Platz finden, darunter 26 Forschende. Mit ihrer Indienststellung liesse sich die betagte Almirante Maximiano perspektivisch ablösen und die operativen sowie wissenschaftlichen Fähigkeiten ausbauen, die die Brasilianische Marine in mehr als vier Jahrzehnten Antarktispräsenz aufgebaut hat. Bis dahin bleibt die Almirante Maximiano das Aushängeschild der Brasilianischen Hydrografie in den südlichen Meeren und bekräftigt den Anspruch des Landes, auf dem unwirtlichsten Kontinent der Erde aktiv, wissenschaftlich und strategisch präsent zu sein.
Bildnachweis: Brasilianische Marine.
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