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Die Beschaffung neuer U-Boote für die kanadische Marine schreitet weiter voran. Deutschland hat zugesichert, dass – falls Ottawa das Angebot von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) auswählt – die ersten U-Boote vom Typ 212CD noch vor 2036 geliefert werden könnten. Das Vorhaben ist Teil des Canadian Patrol Submarine Project (CPSP), das die derzeitigen U-Boote der Victoria-Klasse ersetzen soll.
Welche Auswirkungen hätten diese möglichen Liefertermine?
Bestätigt wurde dies durch den deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius. In einem Interview mit CBC News erklärte er, TKMS rechne damit, der kanadischen Marine bis 2036 vier U-Boote des Typs 212CD zu liefern. Damit dieser Zeitplan eingehalten werden kann, würden Deutschland und Norwegen vorübergehend Plätze in ihren eigenen Lieferplänen freimachen. So ließe sich im gemeinsamen Programm beider Länder mit dem deutschen Unternehmen der Bau der für Kanada vorgesehenen Einheiten priorisieren.
Pistorius betonte, dass eine solche Vorgehensweise für die deutschen Marinefähigkeiten kein Problem darstelle. Im Gegenteil: Sie würde die Fähigkeiten der NATO im Nordatlantik und in der Arktis stärken. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass Berlin und Oslo ihre militärische Zusammenarbeit mit Kanada in Regionen vertiefen wollen, die angesichts zunehmender militärischer und geopolitischer Aktivität im hohen Norden als strategisch gelten. Zudem sagte der Minister, er vertraue auf die industrielle Leistungsfähigkeit von TKMS, um die genannten Fristen einzuhalten, und unterstrich: „Sie versprechen nur, was sie auch einhalten können“.
Derzeit planen Deutschland und Norwegen gemeinsam den Erwerb von zwölf Typ-212CD-U-Booten, die von TKMS gebaut werden; dieses Programm bildet zugleich die Grundlage für das Angebot an Kanada. Der Vorschlag umfasst nicht nur die Fertigung der U-Boote, sondern auch ein breiteres Paket wirtschaftlicher, technologischer und militärischer Zusammenarbeit. Damit soll das deutsche Angebot gegenüber anderen internationalen Wettbewerbern, die ebenfalls am kanadischen Programm interessiert sind, an Attraktivität gewinnen.
Der Wettbewerb für TKMS
Zu den wichtigsten Konkurrenten von TKMS zählt das südkoreanische Unternehmen Hanwha Ocean, das sein U-Boot KSS-III als Nachfolger der Victoria-Klasse positioniert. Nach früheren Berichten hatte Hanwha Ocean in Aussicht gestellt, Kanada bis 2035 vier KSS-III-U-Boote zu liefern. Der Zeitplan gilt als wettbewerbsfähig, weil die kanadische Marine ihre heutigen Boote schrittweise außer Dienst stellen muss, die als zunehmend veraltet angesehen werden.
Passend zu dieser Vermarktung lief das südkoreanische U-Boot ROKS Dosan Ahn Changho (SS-083), das Typschiff der KSS-III-Klasse, kürzlich in der Canadian Forces Base (CFB) Esquimalt in der Provinz British Columbia ein. Die Verlegung umfasste eine transpazifische Fahrt von rund 15.000 Kilometern. Damit sollten im Rahmen des Auswahlverfahrens die operativen Fähigkeiten des Bootes vor Verantwortlichen und Personal der kanadischen Marine demonstriert werden – im Wettbewerb um einen Vertrag, der für die künftige U-Boot-Flotte des Landes auf etwa 39,6 Milliarden Dollar geschätzt wird.
Stärkere Anbindung an Kanada
TKMS treibt parallel dazu den Ausbau von Partnerschaften mit kanadischen Unternehmen voran, um die eigene industrielle Offerte zu untermauern. Im März 2026 unterzeichnete der deutsche Konzern eine Kooperationsvereinbarung mit dem kanadischen Unternehmen CAE. Ziel ist die Entwicklung von Lösungen für Ausbildung, Simulation und Unterstützung der künftigen kanadischen U-Boot-Fähigkeiten. Die Vereinbarung umfasst fortschrittliche Simulationssysteme, digitale und physische Ausbildungsinfrastruktur sowie langfristige Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit dem CPSP.
Vor Kurzem bauten beide Unternehmen diese Zusammenarbeit mit einem weiteren Abkommen aus, das auf die gemeinsame Entwicklung fortschrittlicher maritimer Fähigkeiten ausgerichtet ist. Wie CAE in einer Mitteilung erklärte, verbindet die Initiative die Erfahrung von TKMS in Entwurf und Bau von U-Booten mit den Kompetenzen des kanadischen Unternehmens in Ausbildung, Simulation und der Unterstützung von Missionssystemen. Damit soll Kanadas „Build-Partner-Buy“-Strategie gestärkt werden, die darauf abzielt, nationale Industriefähigkeiten über internationale Partnerschaften auszubauen.
Zum deutschen Angebot gehören außerdem Vereinbarungen mit norwegischen und deutschen Unternehmen in als strategisch eingestuften Bereichen, darunter künstliche Intelligenz und seltene Erden. Anfang 2026 hatte TKMS-CEO Oliver Burkhard darauf hingewiesen, der Wettbewerb „dreht sich nicht mehr nur um die U-Boote“. Er machte damit deutlich, dass das Unternehmen Ottawa ein weiter gefasstes Wirtschafts- und Industriepaket anbieten will, um die Chancen auf den Zuschlag gegenüber anderen internationalen Anbietern zu erhöhen.
Das kanadische Vorhaben zur Beschaffung von bis zu zwölf neuen U-Booten hat sich zu einem der bedeutendsten Marineprojekte entwickelt, die derzeit im westlichen Umfeld vorangetrieben werden. Neben TKMS und Hanwha Ocean waren in frühen Phasen des Verfahrens auch Vorschläge des schwedischen Unternehmens Saab, der französischen Naval Group und der spanischen Navantia beteiligt. Letztlich wurden jedoch die deutsche und die südkoreanische Option ausgewählt, um im finalen Wettbewerb zu verbleiben.
Bilder nur zu Illustrationszwecken.
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