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Mercedes-Benz denkt in der Krise über Produktion für die Verteidigungsindustrie nach

Silberner Mercedes-Sportwagen mit LED-Scheinwerfern und markantem Kühlergrill in moderner Ausstellungshalle.

Die Krise, die die europäische Autoindustrie erfasst hat, lässt Mercedes-Benz inzwischen keine Option mehr grundsätzlich verwerfen – selbst eine Fertigung für die Verteidigungsindustrie steht im Raum. Dieser Schritt passt in einen breiteren Trend: Immer mehr grosse Hersteller richten den Blick auf rasant wachsende Militärbudgets.

Für Mercedes-Benz war 2025 ein hartes Jahr. Der deutsche Konzern meldete einen operativen Gewinn von 5,8 Milliarden Euro – ein Rückgang um 57 % gegenüber dem Vorjahr. Ausschlaggebend waren unter anderem die Schwäche des China-Geschäfts mit einem Absatzminus von 20 %, eine zunehmend aggressive lokale Konkurrenz rund um BYD und Xiaomi sowie eine Elektrifizierung, die die Margen spürbar belastet. Zusätzlich haben Zölle 1 Milliarde Euro an Mehrkosten verursacht.

Auch andere europäische Schwergewichte stehen unter Druck. Während Stellantis in der zweiten Hälfte 2025 eine ausserordentliche Belastung von 22 Milliarden Euro verbuchte, kündigte Volkswagen ein Kostensenkungsprogramm von 20 % sowie den Abbau von 35 000 Stellen in Deutschland an.

Denn die Autoindustrie des Alten Kontinents steckt in einer tiefgreifenden strukturellen Krise: Sie ist eingeklemmt zwischen dem Preisdruck chinesischer Hersteller, Unsicherheiten rund um die Energiewende und einem insgesamt nachlassenden Markt. Vor diesem Hintergrund suchen die Konzerne neue Wachstumstreiber – und immer mehr von ihnen wenden sich dem Verteidigungssektor zu, so auch Mercedes-Benz.

Eine Wachstumsnische

In einem Interview mit dem Wall Street Journal am Freitag, 15. Mai, erklärte CEO Ola Källenius, Mercedes-Benz könne sich vorstellen, Verteidigungsgüter zu produzieren – vorausgesetzt, es rechnet sich wirtschaftlich. „Die Welt ist unberechenbarer geworden, und es ist vollkommen klar, dass Europa sein Verteidigungsprofil stärken muss. Wenn wir in diesem Bereich eine positive Rolle spielen können, wären wir bereit, das zu tun“, führte er aus.

Gleichzeitig betont der Manager Zurückhaltung. Er spricht von einem im Vergleich zur Fahrzeugproduktion „kleinen“ Anteil am Geschäft, sieht darin aber „eine wachsende Nische“, die zum Ergebnis des Konzerns beitragen könnte.

Der Zeitpunkt ist dabei kein Zufall: Seit der russischen Invasion in der Ukraine treibt Europa eine umfassende Aufrüstung voran. Parallel erreichen die Militärhaushalte der NATO-Mitgliedstaaten Werte, wie sie seit dem Kalten Krieg kaum mehr gesehen wurden. Für Industrieunternehmen auf der Suche nach zusätzlichen Erlösquellen ist Verteidigung damit zu einem Markt geworden, den man kaum ignorieren kann.

Volkswagen schloss kürzlich eine Vereinbarung mit der israelischen Gruppe Rafael Advanced Defence Systems, um das Werk in Osnabrück zu einem Produktionsstandort für Komponenten des Iron Dome umzubauen – des bekannten israelischen Raketenabwehrsystems. Erst in dieser Woche wiederum kündigte Rheinmetall, der deutsche Rüstungskonzern, eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom an, um einen Anti-Drohnen-Schutzschirm zu entwickeln.

Unsere Analyse

Das Signal ist eindeutig: Die deutsche Industrie – sowohl in der Automobil- als auch in der Elektronikbranche – orientiert sich zunehmend in Richtung Verteidigung. Ökonomisch ist das eine reale Chance, zumal das europäische Umfeld diese Entwicklung begünstigt. In Frankreich hat auch Renault eine Partnerschaft mit dem Militär für den Bau von Drohnen geschlossen.

Gleichzeitig wirft dieser Kurs jedoch auch ethische Fragen auf, denen sich diese Gruppen früher oder später stellen müssen.

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