Ein Q7 mit Steckdose!
Genau das ist er. Wobei: Streng genommen war er nicht einmal der erste. Schon 2017 brachte Audi den Q7 e-tron – eine kuriose Mischung aus V6-Diesel und E-Unterstützung, als wolle man die Frage beantworten: „WIE schwer kann ein Familien-SUV eigentlich werden, bevor seine eigene Gravitation ihn wie einen sterbenden Stern in sich zusammenfallen lässt?“.
Der hier ist die weniger abseitige (wenn auch keineswegs leichtere) Auslegung der XXL-PHEV-SUV-Idee: V6-Benziner plus Strom – mit reichlich Leistung und (zumindest in Grossbritannien) entsprechend attraktiven Steuervorteilen.
Antrieb und Leistung des Audi Q7 TFSIe
Wie viel Leistung steckt drin?
Wir fuhren den schwächeren Q7 „55“, der als Systemleistung 376 bhp liefert (rund 280 kW). Alternativ gibt’s den Q7 „60“ mit gut 70 zusätzlichen Pferdestärken. Glauben Sie mir: Nötig ist das nicht – dieser hier ist bereits mehr als schnell genug.
Mit 442 lb ft Drehmoment (das sind etwa 599 Nm) – genauso viel „Wumms“ wie ein McLaren 12C, für die Statistik-Fans – legt selbst dieser angebliche „Einstieg“ beim Q7 Plug-in-Hybrid ein leicht beunruhigendes Tempo vor, sobald man das Gaspedal beherzt durchtritt.
Von 0 auf 62 mph (0–100 km/h) geht es in unter sechs Sekunden – absolut ausreichend in einem Fahrzeug, das in Abmessungen und Leergewicht ungefähr so zurückhaltend ist wie die Ever Given.
Fahrgefühl und Assistenz: kompetent, aber komplex
Wie fährt er sich?
Sehr souverän – und gleichzeitig erstaunlich kompliziert. Nicht, weil das Fahren an sich schwer wäre (wohltuend wenige verwirrende Antriebsmodi), sondern weil man durch die zwei Energiequellen und Audis diverse Assistenzsysteme stets spürt, dass im Hintergrund eine Menge Rechenarbeit abläuft.
Lenkung und Beschleunigung wirken mit Audis typisch leicht distanzierter Professionalität. In der Stadt fiel es mir jedoch schwer, das Bremspedal wirklich geschmeidig zu dosieren. Das liegt vielleicht zum Teil an meinem eher rustikalen technischen Feingefühl – aber eben auch an Audis System „Efficiency Assist“, das je nach Fahrmodus und Situation die Stärke der Rekuperation über die Bremse verändert.
Wie schlägt er sich auf kurvigen Strassen bei zehn Zehnteln?
Ich kann mit Stolz sagen: Ich habe keine Ahnung, wie sich ein Q7 Plug-in in engen Kurven bei zehn Zehnteln anfühlt. Und wenn Sie das unbedingt wissen wollen, dann – ganz bescheiden gesagt – sollten Sie vermutlich gar nicht nach einem Q7 Plug-in suchen.
Was tatsächlich relevanter ist: Das ist ein ausserordentlich kultiviertes, flüsterleises SUV. Selbst wenn der V6 läuft, bleibt er unterwegs beeindruckend ruhig. Im Elektrobetrieb bewegt sich dieses riesige, chromreiche Gefährt geradezu unverschämt unauffällig.
E-Modus, Batterie und Reichweite
Und der E-Modus?
Der E-Motor allein hat genug Schub, um im Verkehr mitzuschwimmen und auch auf der Landstrasse problemlos mitzuhalten. Trotzdem: Trotz eines stattlichen Akkus mit 17,3 kWh – zum Vergleich rund 60 Prozent mehr als beim Volvo XC40 PHEV – ist das kein Hybrid, der Sie rein elektrisch von London bis nach Lanarkshire bringt, jedenfalls nicht ohne etliche Ladepausen.
Offiziell sind 27 Meilen rein elektrisch drin (etwa 43 km). Doch sofern Ihr rechter Fuss nicht aus Zuckerwatte besteht, werden Sie diesen Wert eher selten erreichen.
Verbrauch und Praxiswerte
Welche Zahlen sind realistisch?
Der kombinierte Normverbrauch liegt offiziell bei 113 mpg (UK) – das entspricht grob etwa 2,5 l/100 km. Wie bei Plug-in-Hybriden üblich hängt die Wahrheit aber stark von Ihrem Alltag ab: Fahren Sie nie weiter als 15 Meilen (rund 24 km) und können überall laden, wo Sie parken, sind theoretisch „unendlich“ mpg möglich. Kommen Sie dagegen nie in die Nähe einer Steckdose, landen Sie vermutlich irgendwo in den 20ern.
Auf einer gut 90 Meilen langen Testrunde (rund 145 km) kam ich im Schnitt auf Werte in den mittleren 30ern mpg (UK) – plus einer vollen Akkuladung. Das ist, nun ja, ziemlich ordentlich für ein 376-bhp-Nilpferd, aber eben auch nicht die Sphäre eines VW XL1.
Innenraum und Alltag
Wie ist es innen?
Es ist ein Audi: Die Verarbeitungsqualität ist vorbildlich. Allerdings verlangt die virtuelle, haptikartige Infotainment-Bedienung schon eine gewisse Eingewöhnung, bis man sich sicher durchklickt.
Und noch etwas: Weil unter dem Kofferraumboden ein stattlicher Akku sitzt, gibt’s den Q7 TFSIe nicht als Siebensitzer. Wenn Sie also einen Q7 brauchen und fünf Kinder haben, müssen Sie entweder auf die Batterie verzichten – oder auf ein paar Kinder.
Kaufen oder lassen?
Sollte man ihn kaufen?
Wenn es Ihnen vor allem darum geht, ökologische Tugend zu demonstrieren, fühlen sich andere Lösungen philosophisch stimmiger an als ein 2,5-Tonnen-, fünf Meter langes „Herrenhaus auf Stelzen“.
Aber darum wird sich kaum jemand für einen Q7 Plug-in entscheiden, oder? Man kauft ihn, weil er ein grosses, schnelles, luxuriöses SUV ist – und weil er bei der Dienstwagenbesteuerung (geldwerter Vorteil) besonders attraktiv ausfallen kann. In dieser Disziplin trifft der Q7 voll ins Schwarze.
Wertung: 7/10
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