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Porsche 911 Turbo S: Der Streit um den perfekten Allwetter-911

Silberner Porsche 911 auf Rennstrecke, schnelle Kurvenfahrt mit Fahrer im Fahrzeug.

Streitstoff in Redaktionen: Porsche 911 Turbo

So sicher, wie auf die Nacht der Tag folgt, wird es in den Büros von Autozeitschriften immer Diskussionen geben. Man muss sich nur anschauen, wie Clarkson, Hammond und May im Fernsehen ununterbrochen aneinandergeraten. Und sie sind bei weitem nicht die Einzigen.

Ein Paradebeispiel für einen echten Debatten-Auslöser ist für mich der Porsche 911 Turbo – ein Auto, das hier im Haus reichlich Zoff verursacht hat, weil viele Leute (die nicht ich sind) bei ihm komplett danebenliegen.

Wer Jeremy Clarksons Kolumne liest, merkt schnell: Er liegt damit falsch. Meiner Meinung nach. Er ist natürlich der Chef – also ist er streng genommen nicht falsch, wenn ich meinen Job behalten will. Jeremy findet, der Turbo wolle etwas sein, was ein 911 nicht sein sollte: ein Supersportwagen. Und deshalb sei er irgendwie ziemlich unerquicklich. Ich sehe das anders. Für mich versucht der 911 Turbo, ein spektakulär schneller, extrem fähiger Allwetter-GT zu sein – im Kern ein Cruiser, praktisch ein Komfort-Typ – und genau deshalb ist er grossartig.

Der Porsche 911 Turbo S als Allwetter-GT

Den Beleg liefert dieser neue Turbo S. Er kommt – so wie weltweit bereits rund 90 Prozent aller 911 Turbos konfiguriert werden – mit dem halbautomatischen PDK-Getriebe. Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wen das Auto anspricht: ältere Herren, die die meiste Zeit entspannt und bequem unterwegs sein wollen, dabei aber ihren Wohlstand mit dem ultimativen 911 zeigen möchten – und die sich gelegentlich an der Ampel den Spass gönnen, jeden anderen Verkehrsteilnehmer stehen zu lassen, nur um zu beweisen, dass ihnen noch nichts an Elan fehlt.

Ein Turbo S mit Handschaltung gibt es ohnehin nicht. Ausserdem sind Navigationssystem, Leder und Carbon-Keramik-Bremsen serienmässig, ebenso die speziellen Zentralverschlussräder und das Chrono-Paket.

Mehr Leistung, mehr Schub: 0–60 und 0–100 im Turbo S

Der S bringt all diese Dinge mit – Dinge, die neun von zehn Käufern beim normalen Turbo ohnehin ankreuzen, wohlgemerkt, weil Geld keine Rolle spielt – und packt obendrauf 30 PS sowie 37 lb ft (rund 50 Nm) „kostenlos“ dazu. Dieses Extra an Schub macht ihn zum am stärksten beschleunigenden Porsche der Geschichte.

Er sprintet von 0–60 Meilen pro Stunde (rund 97 km/h) in 3.1secs und von 0–100 Meilen pro Stunde (rund 161 km/h) in 7.1secs. Und er verarbeitet diesen Vortrieb mit erstaunlicher Ruhe und Souveränität: nie bedrohlich, nie widerspenstig. Grip, Haltung, Balance und Tempo sind sauber austariert und leicht abrufbar – und falls man es doch übertreibt, wartet im Hintergrund ein hervorragendes Stabilitätssystem.

GT3, Turbo S und der Blick auf den 911 GT2 RS

Ich verstehe, warum manche sagen, der GT3 sei der reinste moderne 911. Genauso gut verstehe ich aber, warum ich behaupte: Wenn Geld keine Rolle spielt, ist das hier das bessere Rundum-Auto. Er ist deutlich schneller und hat Allradantrieb – was ihm bei Nässe eine enorme Traktion verschafft, und in Europa ist es nun mal oft nass.

Ist es der 911, den ich selbst nehmen würde? Nein. Das wäre der kommende 911 GT2 RS: mit einer 620bhp-Version dieses Biturbo-Motors, allerdings mit Hinterradantrieb und einem ausgeräumten Innenraum wie beim GT3. Porsche kann Turbo. Hoffentlich noch sehr lange.

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