Kein neuer Lotus für den Showroom
Erst einmal die Erwartung dämpfen: Der 414E Range-Extender ist kein frisches Lotus-Modell, das man einfach beim Händler um die Ecke bestellen kann. Dieses Fahrzeug ist vielmehr eine rollende Visitenkarte für Lotus Engineering – gebaut mit dem einen Ziel, zu demonstrieren, wie stark die Briten bei der Entwicklung neuer Technologien sind. Wobei: Ein Teil der Ideen wirkt gar nicht mehr so exotisch, weil Ähnliches längst in Serienautos zu sehen war.
So funktioniert der Lotus 414E Range-Extender
Im Kern steckt ein kleiner 1,2-Liter-Benziner, der ausschließlich als Generator arbeitet und Batterien lädt. Diese speisen zwei Elektromotoren, die links und rechts am Getriebe sitzen. Zusammen übernehmen sie praktisch die Rolle eines „E-Differenzials“: Lotus kann das Drehmoment gezielt auf jedes der beiden Hinterräder verteilen.
Der Benzinmotor – eine Eigenentwicklung von Lotus – hat dabei keinerlei mechanische Verbindung zu den Rädern. Genau deshalb kann er konstant bei 3.500 U/min laufen, um möglichst effizient zu arbeiten. Und dennoch bleibt ein Haken: Obwohl das Projekt gemeinsam vom britischen Staat, Jaguar, Land Rover, Nissan sowie verschiedenen Zulieferern finanziert wird und zeigen soll, dass die Technik praxistauglich ist, fühlt sich vieles (abgesehen vom speziellen Motor und den „E-Diff“-Motoren) etwas spät dran an. Vergleichbare Konzepte funktionieren längst, etwa bei den GM-Zwillingen Vauxhall Ampera/Chevy Volt oder auch beim Fisker Karma.
Das spürt man teilweise auch hier: Beim Beschleunigen kann sich das Ganze leicht unnatürlich anfühlen, weil sich der Klang des Verbrenners nicht mit der Geschwindigkeit verändert. Der Motor brummt schlicht in einem festen Rhythmus weiter – den Vortrieb an den Rädern liefern ja die Elektromotoren.
Leistung, Gewicht und Fahrgefühl
An Schub mangelt es allerdings nicht: ein einstufiger, durchgehender Drehmoment-„Wall“. Unterm Strich kommt der Evora in dieser Auslegung auf 402 bhp und gewaltige 737 lb ft, was 0–100 km/h (0–62 mph) in nur 4,4 Sekunden ermöglicht; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 214 km/h (133 mph). Das ist eindeutig näher am Fisker als am Vauxhall.
Diese Werte sind umso bemerkenswerter, weil das Auto satte 377 kg mehr wiegt als ein normaler Evora – fast 30 Prozent zusätzliche Masse. Colin Chapman, der Meister des „Leichtbau hinzufügen“, würde sich vermutlich im Grab drehen. Trotzdem dürfte ihn beeindrucken, wie geschickt das Fahrwerk die gröbsten Nachteile dieser Pfunde kaschiert.
Und genau hier liegt – für alle Autofans – der entscheidende Punkt: Trotz allem fährt er so geschmeidig, wie man es von einem Lotus erwartet, nicht zuletzt dank des „E-Differenzials“. Lotus zeigt (wenn auch noch früh im Entwicklungsstadium), dass ein Range-Extender Spass machen kann. Man arbeitet daran, einen passenden Motorsound zu „kreieren“, und denkt sogar über Schaltwippen sowie eine kurze Unterbrechung der Drehmomentabgabe nach, damit es sich anfühlt, als würde man Gänge wechseln. Endlich einmal ein Elektroauto, das so wirkt, als könnte es Charakter haben.
Die Zahlen
- 1.200 cm³, 3 Zylinder
- zwei Elektromotoren
- Hinterradantrieb (RWD)
- 402 bhp
- 737 lb ft (Drehmoment)
- 41,0 mpg (geschätzt)
- 55 g/km CO₂ (geschätzt)
- 0–100 km/h (0–62 mph) in 4,4 s
- 214 km/h (133 mph)
- 1.759 kg
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen