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Audi R8 V10 Plus: S tronic, 550 PS, 0–100 km/h in 3,5 s

Blauer Audi R8 Sportwagen fährt auf Rennstrecke, dynamische Kurvenfahrt bei Tageslicht.

Vom Zweifel zur Supersportwagen-Elite

Erinnern Sie sich an die harmlosen Tage Ende 2006? An diese gutgläubige Phase vor dem R8-Start, als wir uns ernsthaft fragten, ob Audi überhaupt einen Mittelmotor-Supersportler auf die Räder stellen kann, der es mit dem Porsche 911 aufnimmt – und, um Himmels willen, sogar mit dem Gallardo.

Wie naiv das war. Der R8 ist so schnell im Olymp der Sport- und Supersportwagen angekommen, dass unsere erste Reaktion auf Audis jüngste Ankündigung nicht mehr „taugt das was?“ war, sondern: Wie grossartig wird er wohl werden? Ein neues Topmodell, 0–100 km/h in 3,5 Sekunden und 319 km/h Spitze – da ging es längst nur noch um die Feinabstufung der Exzellenz.

Audi R8 V10 Plus: Facelift mit LED, Diät und „S tronic“

Die Antwort: verdammt grossartig. Der V10 Plus (leider keinerlei Verwandtschaft mit dem Golf Plus) führt die überarbeitete R8-Familie an. Dieses Facelift bringt funkelnde neue LED-Leuchten, ein umfangreiches Abspeckprogramm – und vor allem ein nagelneues Doppelkupplungsgetriebe „S tronic“, das dem R8 endlich die rumpelige, alte automatisierte Handschaltung austreibt.

Bei den regulären V8- und V10-Versionen bleibt die Leistung unverändert. Der Zehner im Plus hingegen bleibt zwar ein Sauger, legt aber um 25 PS zu: 550 PS, genug, um Ferrari nervös zu machen. Damit liegen seine Eckdaten nur noch eine Mückenflügelbreite von einem 458 entfernt. Wer hätte vor zehn Jahren ernsthaft darauf gewettet, dass ein Audi in Maranello schwitzige Handflächen verursacht?

Getriebe und Alltag: schnell, mühelos – und doch nicht unsere erste Wahl

Die neue „Box“ ist ein Volltreffer. Weil es dem R8 lange an einer glaubwürdigen Antwort auf PDK fehlte, gingen Verkäufe Richtung 911 verloren – die S tronic sitzt nun perfekt. Im Bummelmodus arbeitet sie unauffällig, beinahe unsichtbar. Schalten Sie den R8 jedoch in den Sport-Modus, serviert sie wuchtige Gangwechsel in Sekundenbruchteilen.

Und das Mehr an Leistung kratzt nicht an der eigentlichen Stärke des R8: seiner entspannten Alltagstauglichkeit. Selbst auf schlechten Strassen kann man sich kleine Albernheiten erlauben, ohne gleich die Traktionskontrolle zu bemühen. Die Lenkung im Plus wirkt leichtgängig und präzise, und die serienmässigen Keramikbremsen stellen sich deutlich weniger störrisch an als viele Systeme, die wir bereits erlebt haben. Der Klang ist grossartig, und der Vortrieb ist brachial – aber so ungern wir das sagen: Es ist trotzdem nicht unser R8-Favorit.

Wir würden beim nicht-Plus bleiben, also beim minimal weniger starken R8 V10 (Coupé oder Spyder). Der Grund: Der serienmässige R8 V10 ist einen Tick nachgiebiger abgestimmt als der Plus, dessen Fahrwerk eine Extraportion Straffheit bekommen hat – passend zum sportlichsten Modell der Baureihe. Das macht ihn zwar nicht zum Nürburgring-Spezialisten, der einem den Magen zusammenzieht, aber auf kaputten, typisch britischen Strassen verlangt der Plus etwas mehr Aufmerksamkeit.

Unterm Strich bleibt das nur ein kleiner Makel in einem rundum überzeugenden Update. Und klar: Wenn Sie schlicht das Neueste und Schnellste wollen, werden wir Ihnen die Plus-Entscheidung nicht ausreden. Der R8 ist heute kein schnippischer Emporkömmling mehr, sondern ein vollwertiges Mitglied der Supersportwagen-Königsklasse. Erhebt euch, Sir „Durch Technik“…

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