Das Letzte, was der Porsche Panamera Turbo nötig hatte, war noch mehr Tempo. Ein paar neue Gedanken beim Design – ja. Vielleicht auch etwas Feinschliff beim Fahrverhalten. Aber ein Schritt über 493 PS hinaus? Eine Zeit von unter 4,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h? Ausgerechnet TopGear ertappt sich bei dem Gedanken, dass Porsche dringendere Baustellen hatte, als den Panamera noch schneller zu machen.
Mehr Leistung: nicht per billigem Elektronik-Trick
Mehr Leistung zu finden ist eigentlich keine Kunst. Man dreht ein wenig an dem cleveren Stück Elektronik, das den Motor steuert – und Günter ist dein Onkel: schon sind es 50 PS mehr. Nur: Porsche hat es eben nicht auf die schnelle, billige Tour gelöst.
Neue Turbolader und leichtere Verdichterräder
Stattdessen kamen neue Turbos an Bord. Genauer gesagt: Die äusseren Gehäuse bleiben gleich, aber die kleinen drehenden Teile innen (die sogenannten Verdichterräder) sind neu. Das klingt sehr technisch, ist hier aber entscheidend, also bitte dranbleiben. Diese drehenden Teile bestehen jetzt aus einer Aluminium-/Titan-Mischung und wiegen damit nur noch halb so viel wie zuvor – 50 Gramm statt 100. Das bringt mehrere Vorteile, vor allem: effizienteres Arbeiten und ein schnelleres Ansprechen.
Porsche hat das sogar gemessen: Aus dem Stand drehen sie nun in 0,8 Sekunden auf 170.000 U/min – vorher brauchten sie dafür 1,2 Sekunden.
Auf der Strasse: extrem effektiv, aber nicht wirklich besser
Unterm Strich stehen dadurch 49 PS und 22 lb ft (rund 30 Nm) zusätzlich an – genug Rechtfertigung, um hinten das S aufzukleben. Bleibt die Frage: Ist der Turbo S für rund 20.000 Pfund Aufpreis gegenüber einem normalen Turbo ein grundsätzlich anderes, besseres Auto?
Nein. Mit etwas Aufmerksamkeit lässt sich zwar ein Hauch mehr Nachdruck spüren, wenn der Ladedruck einsetzt. Und der Panamera kann beeindruckend beschleunigen – egal, ob er aus einer Haarnadel in Gang zwei herauskatapultiert oder auf der Autobahn an langsamerem Verkehr vorbeischiesst.
Die Kombination aus Allrad, PDK-Getriebe und einem ganzen Alphabet an Abkürzungen (PDCC, PTV, PTM, PSM und PASM sind alle serienmässig) macht ihn zu einem enorm wirkungsvollen Gerät, um vier Personen in grosser Eile irgendwohin zu bringen.
Genau so will der Panamera auch gefahren werden. Er liebt es, Strecke zu machen, und zwar schnell – als würde er sich dabei besonders wichtig fühlen. Dann übernimmt er das Kommando und degradiert den Fahrer zum Mitläufer. Spass macht das nicht wirklich, zumal der Turbo S – wie alle Panameras – mit einem merkwürdigen Fahrkomfort auffällt, der auf schlechten Strassen unruhig über Unebenheiten schimmert.
Dazu wirkt er stets gross und ein wenig stumpf – als würde man versuchen, einen besonders energiegeladenen Riesenhai zu dirigieren.
Geschwindigkeit: Das ist die Disziplin, in der der Porsche Panamera Turbo S glänzt. Dafür existiert er, das ist seine grosse Nummer. Umso ärgerlicher, dass Porsche nicht gleichzeitig den Rest des Autos ebenso konsequent angepackt hat.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen