Forschung zu den Mikroben, die in unserem Verdauungstrakt leben, hat in der Ernährungswissenschaft eine regelrechte „Revolution“ ausgelöst.
In den vergangenen Jahren wurde Ballaststoff zum „neuen Protein“: Er wird zahlreichen Lebensmitteln in grossen Mengen zugesetzt, um das Mikrobiom im Darm zu füttern und die Gesundheit zu verbessern.
Eine 2024 veröffentlichte Mausstudie deutet jedoch darauf hin, dass nicht jedes Ballaststoff-Supplement gleich hilfreich ist.
Mikrobiom, Ballaststoff-Supplements und der aktuelle Hype
Ballaststoffe sind die wichtigste Energiequelle für die Bakterien in unserem Darm. Dennoch erreichen in den USA weniger als 5 Prozent der Menschen die empfohlene Tagesmenge von 25–30 Gramm (entspricht etwa 26–28 Gramm).
Um diese Lücke zu schliessen, gewinnen Ballaststoff-Supplements und mit „unsichtbarem Ballaststoff“ angereicherte Produkte zunehmend an Beliebtheit. Weil Ballaststoffe aber extrem vielfältig sind, bleibt die praktische Frage: Welche Form ist die richtige?
Einige Ballaststoffe – etwa Beta-Glucan aus Hafer und Gerste oder Weizendextrin – sind wasserlöslich und werden daher von Darmbakterien vergleichsweise leicht fermentiert.
Andere, wie Zellulose und resistente Stärke, sind weniger löslich oder unlöslich; sie binden sich eher an andere Bestandteile und tragen so zur Stuhlbildung bei.
Studie der University of Arizona und University of Vienna: Beta-Glucan im Vergleich
Ein Ballaststoff, der häufig in Hafer und Gerste vorkommt – Beta-Glucan –, kann bei Mäusen, die eine fettreiche Ernährung erhalten, den Blutzucker regulieren und beim Abnehmen helfen.
Ein Team der University of Arizona (UA) und der University of Vienna berichtete, dass Beta-Glucan den Fettanteil und das Körpergewicht von Mäusen innerhalb von 18 Wochen senkte.
Die anderen getesteten Ballaststoffe – darunter Weizendextrin, Pektin, resistente Stärke und Zellulose – zeigten diesen Effekt nicht. Das galt selbst dann, obwohl sie die Zusammensetzung des Maus-Mikrobioms deutlich veränderten, verglichen mit Mäusen, die gar keine Ballaststoff-Supplements bekamen.
Der biomedizinische Wissenschaftler Frank Duca von der UA erklärte im Juli des vergangenen Jahres: „Wir wissen, dass Ballaststoff wichtig und vorteilhaft ist; das Problem ist, dass es so viele verschiedene Typen gibt.“
Und weiter: „Wir wollten wissen, welche Art von Ballaststoff am nützlichsten für Gewichtsverlust und Verbesserungen der Glukosehomöostase wäre, damit wir die Community, die Verbraucher und dann auch die Agrarindustrie informieren können.“
Wie die biomedizinische Wissenschaftlerin Elizabeth Howard von der UA und ihre Kolleginnen und Kollegen schreiben, habe es bislang „keine Studie gegeben, die die Rolle verschiedener Ballaststoffe in einer Kohorte untersucht hat“.
Um diese Lücke zu schliessen, prüfte die aktuelle Arbeit mehrere Ballaststoff-Varianten in einer einzigen Maus-Kohorte. Dabei zeigte sich: Nur Beta-Glucan erhöhte die Anzahl von Ileibacterium im Darm der Mäuse. In anderen Mausstudien wurde dieses Bakterium bereits mit Gewichtsverlust in Verbindung gebracht.
Tatsächlich war der Effekt früh sichtbar: Lange vor der 10‑Wochen-Marke wiesen Mäuse, die Beta-Glucan erhielten, ein geringeres Körpergewicht und weniger Körperfett auf als Tiere, die andere Ballaststoff-Formen bekamen.
Mögliche Mechanismen: Butyrat, GLP-1 und Energieverbrauch
Die Ergebnisse passen zu einer weiteren, kürzlich erschienenen Studie von Duca: Dort erhielten Nagetiere Gerstenmehl, das reich an Beta-Glucan ist. Obwohl die Ratten weiterhin genauso viel von ihrer fettreichen Nahrung frassen wie zuvor, stieg ihr Energieverbrauch – und sie nahmen trotzdem ab.
Ein vergleichbares Muster zeigte sich auch bei den Mäusen der neuen Untersuchung, die Beta-Glucan bekamen. Bei ihnen fanden die Forschenden zudem höhere Konzentrationen von Butyrat im Darm – einem Stoffwechselprodukt, das entsteht, wenn Mikroben Ballaststoffe abbauen.
Butyrat fördert die Ausschüttung von Glucagon-like Peptide‑1 (GLP‑1). Dieses natürliche Protein ist der Mechanismus, den synthetische Medikamente wie Ozempic nachahmen, um die Insulinausschüttung anzuregen.
Duca sagte dazu: „Ein Teil der Vorteile des Verzehrs von Ballaststoffen entsteht über die Freisetzung von GLP‑1 und anderen Darmpeptiden, die Appetit und Körpergewicht regulieren.“
Gleichzeitig betonte er: „Wir glauben jedoch nicht, dass das der gesamte Effekt ist. Wir denken, dass Butyrat noch andere positive Dinge bewirken könnte, die nicht mit Darmpeptiden zusammenhängen, etwa die Verbesserung der Darmbarriere und das Ansteuern peripherer Organe wie der Leber.“
Einordnung der Ergebnisse
Bevor sich diese Resultate auf Menschen übertragen lassen, ist deutlich mehr Forschung notwendig. Dennoch legen die Daten nahe, dass bestimmte Ballaststoffe für Gewichtsverlust und Insulinkontrolle besser geeignet sein könnten als andere.
Die Studie wurde im Journal of Nutrition veröffentlicht.
Eine frühere Version dieses Artikels wurde im Juli 2024 veröffentlicht.
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