Abschied vom klassischen 4x4-Konzept des Kia Sorento
Günstige, robuste 4x4 mit separatem Fahrgestell sieht man heute kaum noch. Der Kia Sorento gehörte lange zu dieser aussterbenden Gattung – und wer schwere Anhänger über rutschige Anstiege ziehen musste, schätzte ihn für seine Anhängelast von drei Tonnen und das Verteilergetriebe mit Untersetzung. Kia will diese Kundschaft nun offenbar nicht mehr bedienen, seit die Zielgruppe nicht länger von jenen aufgebläht wird, die sich ein pick-up-artiges 4x4 vor allem aus Imagegründen hingestellt haben.
Vom Geländewagen zum Crossover: ein Wechsel mit Ansage
Heute sind Crossover das, was als modern gilt – also ist der komplett neue Sorento jetzt ebenfalls einer davon. Noch ein weiteres Modell in einem Segment, in dem sich in den letzten beiden Jahren Crossover um die Marke von 20.000 Pfund Sterling geradezu stapeln.
Siebensitzer-Option: dritte Sitzreihe als Trumpf
Immerhin hat der Sorento einen Punkt, mit dem er aus der Masse heraussticht: Optional gibt es zwei Sitze in der dritten Reihe, die sich umklappen lassen. Das kennt man eher aus mittelgrossen Vans, bei Crossovern ist es dagegen unüblich. Viele Eltern möchten gelegentlich drei Kinder plus Grosseltern mitnehmen – würden sich aber nie dazu durchringen, einen Van zu fahren, selbst wenn ich ihnen noch so oft sage, dass sie mit einem S-Max besser bedient wären. Ein ähnliches Konzept hat dem Mitsubishi Outlander bereits gute Dienste geleistet.
Neuer 2,2-Diesel, 197bhp und 215 kg weniger
Die radikale Verwandlung des Sorento betrifft nicht nur die Bauart, sondern auch den Motor: Ein komplett neuer 2,2-Liter-Diesel liefert kräftige 197bhp, bleibt dabei angenehm leise und soll eine klassenführende Wirtschaftlichkeit erreichen. Zusätzlich spielt Kia in die Karten, dass der Verzicht auf separaten Rahmen und Zweigang-Verteilergetriebe den Sorento um beachtliche 215 kg gegenüber dem Vorgänger erleichtert hat.
FWD oder 4WD: unspektakulär, aber wirksam
Den Sorento gibt es mit Frontantrieb (FWD), allerdings rechnet Kia damit, dass die meisten Käufer zum Allrad (4WD) greifen. Beide Varianten fahren sich völlig unaufgeregt, doch beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven – besonders wenn die Fahrbahn schmierig ist – bringt 4WD das Drehmoment mit weniger Drama auf den Asphalt. Bei dem Tempo, das die meisten Menschen im Alltag fahren, wirkt das alles ziemlich personenwagenähnlich. Wer jedoch wirklich zügig durch Kurven drücken will, sollte lieber gleich ein Auto kaufen.
Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, aber mit zwei Insassen recht sauber kontrolliert – was vermutlich heisst, dass es mit sieben Personen nicht komplett weich werden dürfte. Die kultivierte Art des neuen Motors wird vom Rest des Sorento nicht konterkariert: Auf der Autobahn gleitet er in ordentlicher Ruhe dahin. So bekommt man immerhin mit, wie sich alle an Bord streiten.
Die eigentliche Geschichte: Kias erstaunliches Entwicklungstempo
Das eigentlich Bemerkenswerte ist hier weniger das Auto als der Hersteller. Kia verändert sich in atemberaubendem Tempo. Durch die schnelle Aufwertung der Kernmodelle (Cee'd statt Cerato), durch eigenständige neue Konzepte (Soul) und durch ein konsequentes Neuaufsetzen anderer Baureihen, sobald sich der Markt dreht (Sorento), steigen die Verkäufe wie eine Rakete. So deutlich, dass die Hyundai-Kia Group im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr Autos verkauft hat als Ford Moto Co.
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