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MV Agusta Cinque Cilindri: Exotischer Fünfzylinder in U-Form für Motorräder

Rotes Sportmotorrad mit schwarzem Motor und Auspuff auf weißem Ausstellungsplattform in modernem Raum.

Fünfzylindermotoren waren im Automobilbau nie wirklich verbreitet – bei Motorrädern sind sie eine echte Ausnahme. Genau diesen seltenen Weg geht MV Agusta: Auf der EICMA, der grössten Motorradmesse, präsentierte die Marke einen neuen Fünfzylinder, der bereits am italienischen Standort Schiranna entwickelt wird.

Der Antrieb trägt den schlichten Namen Cinque Cilindri – und ist zudem kein „Fünfzylinder wie jeder andere“. Er ist weder als Reihenmotor aufgebaut, wie man es etwa vom Audi RS 3 kennt, noch entspricht er Konzepten wie V5 oder VR5, die in verschiedenen Modellen des Volkswagen Konzerns zu finden waren. Die Architektur dieses Motors fällt vielmehr vollständig aus dem Rahmen.

MV Agusta setzt auf eine U-Konfiguration, die – ungewöhnlich genug – mit zwei Kurbelwellen arbeitet statt mit einer: vorne eine Kurbelwelle für drei Zylinder, hinten eine zweite für die verbleibenden zwei Zylinder. Technisch lässt sich das wie ein parallel arbeitender Dreizylinder in Reihe und ein Zweizylinder in Reihe beschreiben, die über dieselbe Abtriebswelle zusammengeführt werden.

So eine Bauform ist selten und praktisch nicht anzutreffen, ganz neu ist sie jedoch nicht. In der Vergangenheit gab es ähnliche Ansätze bei Motorrädern wie der Ariel Square Four oder der Suzuki RG500 Gamma. Auch im Automobilbau tauchte das Prinzip auf – etwa beim Bugatti Type 45 und Type 47, als echte „Monster“ mit 16 Zylindern in U-Form.

Welche Vorteile hat dieser Fünfzylinder in U-Form?

Ein zentraler Pluspunkt ist die sehr kompakte Bauweise. MV Agusta betont, dass das Cinque Cilindri-Aggregat schmaler ausfällt als ein Reihenvierzylinder und zugleich kürzer als ein V4 – also zwei Layouts, die bei heutigen Superbikes besonders häufig anzutreffen sind.

Hinzu kommt laut MV Agusta die spezielle Zündfolge des Fünfzylinders: Sie soll für eine besonders lineare Drehmomentabgabe und für mehr Laufruhe sorgen, ohne dass dafür auf komplexere Lösungen wie eine variable Ventilsteuerung zurückgegriffen werden muss.

Vielversprechende Zahlen

Zu den harten Daten ist es zwar noch früh, doch MV Agusta macht deutlich, dass mehrere Varianten dieses exotischen Fünfzylinders geplant sind. Das Ziel ist klar: Der Motor soll in unterschiedlichen Segmenten eingesetzt werden können – von Supersport bis Touring.

Das Cinque Cilindri ist modular ausgelegt, mit vorgesehenen Hubräumen zwischen 850 cm3 und 1150 cm3. Gleichzeitig nennt MV Agusta Maximalwerte, die aufhorchen lassen: angekündigt sind mehr als 240 cv bei mehr als 16 000 rpm sowie bis zu 135 Nm Drehmoment bei 8500 rpm. Damit würde sich das Konzept über dem Niveau der meisten aktuellen Superbikes einordnen.

All das soll bei einem Gewicht von unter 60 kg möglich sein. Dazu sollen unter anderem eine elektrische Wasserpumpe und eine elektrische Ölpumpe beitragen – Lösungen, die auf bessere Effizienz und ein direkteres Ansprechverhalten des Motors zielen.

Wann kommt er?

Noch hat MV Agusta nicht bestätigt, in welchem Modell der Cinque Cilindri erstmals zum Einsatz kommt. Stattdessen spricht die Marke lediglich von einem „mit Spannung erwarteten“ Motorrad, das in den kommenden Jahren in die Modellpalette zurückkehren soll.

Sicher ist: Im heutigen Feld der Hochleistungs-Motorräder dürfte es kaum etwas geben, das auf dem Papier exotischer oder ambitionierter wirkt als dieser italienische Fünfzylinder. Zumindest nach den bisherigen Aussagen verkörpert der Cinque Cilindri genau das, was MV Agusta verspricht: „eine neue Stufe an Performance, Innovation und italienischer Ingenieurskunst.“

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