Abseits offensichtlicher Exoten gibt es nur wenige Autos, die in der Top-Gear-Redaktion echte Einigkeit auslösen. Und obwohl Bill Thomas tapfer versuchte, mit seiner Lobeshymne auf den Mazda6 einen ernsthaften Anwärter auf die Krone der grossen Dienstwagenklasse zu etablieren, sitzt der Ford Mondeo hier seit dem besseren Teil eines Jahrzehnts fest auf diesem Thron.
Warum der Ford Mondeo seit Jahren dominiert
Der Mondeo ist dabei nicht nur der Liebling von Journalisten. Inzwischen entfällt bei Ford jeder vierte Neuwagenkauf in der Kategorie „grosser Firmenwagen“ auf den Mondeo – eine Masse, die seine Fahrer fast zu einer eigenen soziologischen Gruppe macht. Und auch wenn „Mondeo Man“ längst als Kurzform für „langweiliger Mann mit langweiligem Job“ gilt, konnte er bislang wenigstens ergänzen: „…der ein grossartiges Auto fährt“. Verglichen mit manchem BMW-Fahrer ist das immer noch um ein paar Längen besser als „Arschloch“.
Die Gründe für die Vorherrschaft des Mondeo sind gut bekannt: entspanntes Reisen bei hohem Tempo, ein Feinschliff, der in dieser Preisklasse eigentlich nicht zu erwarten ist, und ein Fahrverhalten, das wirklich Spass macht. Bei dieser Modellpflege hatte Ford die gute Idee, das Rezept nicht grundlegend anzutasten.
Neue Motoren im Mondeo: EcoBoost und Duratorq TDCi
Die wichtigste Neuigkeit steckt unter der Haube: Es gibt zwei neue Triebwerke. Das Top-Benzinaggregat ist nun eine überarbeitete Variante des bisherigen 2,0-Liter-EcoBoost aus dem neuen S-Max und Galaxy. Es leistet 236bhp statt zuvor 197bhp und soll dennoch 47 mpg (etwa 6,0 l/100 km) erreichen.
An der Dieselspitze – und in unserem Testwagen verbaut – arbeitet ein neuer, beeindruckender 2,2 Duratorq TDCi. Auch hier nennt Ford 197bhp sowie 47 mpg (etwa 6,0 l/100 km). Der 2,0-Liter-Benziner und der 2,0-Liter-Diesel bleiben aus dem bisherigen Programm erhalten. Ausserdem plant Ford, den 1,6-EcoBoost-Benziner aus dem neuen C-Max anzubieten – genau den, der Top Gear im vergangenen Monat so überzeugt hat.
Kinetic-Design aussen, Ruhezone innen
Optisch fällt das jüngste Kinetic-Design-Update so dezent aus, dass es fast schon unauffällig wirkt: LED-Leuchten fassen die breiteren, trapezförmigen Scheinwerfer vorne und hinten ein, Chrom zieht sich um die Fenster, und die Aston-artigen Sideblades treten etwas stärker hervor.
Im Innenraum bleibt ebenfalls vieles beim Guten. Unsere Testroute zeigt ziemlich exakt, wie ein typischer Mondeo-Tag aussieht: ein 500 km langer Überlandritt von Paris ins Elsass. Sobald man unterwegs ist, erinnert man sich daran, wie angenehm dieser Wagen als Aufenthaltsort ist. Vom Abroll- und Windlärm gut abgeschirmt, mit Fords gewohnt griffiger Lenkung in den Händen – und mit genug Schub aus dem grossen Diesel, um selbst voll beladene Lkw in jeder Situation zügig hinter sich zu lassen – richtet sich die Aufmerksamkeit schnell auf die Details.
Da ist etwa das satt einrastende Drehen der Luftdüsen. Oder das im Menü versteckte „EcoBoost“-Quiz, das den Fahrstil bewertet (wir waren ziemlich zufrieden mit fünf Blütenblättern von fünf für „Vorausschau“).
Kritikpunkte auf der Fahrt
Ganz ohne Schattenseiten geht es allerdings nicht: Das neue Display im Kombiinstrument – eingezwängt zwischen analogen Rundinstrumenten für Drehzahl und Tempo – wirkt überladen und lässt sich schwer ablesen. Und ausserdem bekamen wir die iPod-Verbindung nicht zum Laufen.
Doch das ist schon Meckern auf hohem Niveau. Die letzten Jahre waren für den armen „Mondeo Man“ nicht gerade einfach. Aber selbst wenn er am 19. Loch über seine schrumpfende Rente klagt, kann er sich immerhin sicher sein: Er fährt nach wie vor ein wirklich hervorragendes Auto.
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