Exportabsichten von Damen Naval für die Multifunktionale Marineplattform
Die niederländischen Werften Damen Naval, die den portugiesischen Drohnenträger in den Werften von Galați in Rumänien bauen, wollen weitere Einheiten dieser Multifunktionalen Marineplattform – ein ursprünglich von der portugiesischen Marine entwickeltes Konzept – auch an andere Länder verkaufen. Für den portugiesischen Staat entstehen daraus jedoch keine direkten Einnahmen aus industriellen Schutzrechten. Der Vorteil für Portugal beschränkt sich darauf, dass die Marine im Fall eines späteren Baus ähnlicher Schiffe in anderen Werften voraussichtlich keine Lizenzgebühren entrichten müsste.
Roland Briene, CEO von Damen Naval, war in der vergangenen Woche in Estoril bei der Konvention des Verbands der europäischen Luft- und Raumfahrt-, Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (ASD). In einem Gespräch mit der Zeitung Expresso lobte er das Konzept des Schiffes „D. João II“ und räumte ein, dass andere Marinen den portugiesischen Drohnenträger als eine Art „Zukunftsmodell“ aufmerksam verfolgen.
Konzept „D. João II“ und die Rolle der portugiesischen Marine
Finanziert über das Programm für Aufbau und Resilienz (PRR) ging das Schiff Anfang des vergangenen Monats zu Wasser; die Übergabe an die portugiesische Marine ist für das erste Halbjahr des kommenden Jahres vorgesehen. Briene betonte am Rande der Konferenz: „Es ist ein revolutionäres Konzept, und es war der frühere Chef der portugiesischen Marine, Admiral Gouveia e Melo, der die Idee hatte.“
Er schildert, dass auf Basis dieses von Gouveia e Melo ausgearbeiteten Ansatzes die Engineering- und Designteams von Damen das Projekt weiterentwickelten – bis hin zu einer standardisierten Plattform: „Auf Grundlage dieses Konzepts, das er ausgearbeitet hat, begann unser Engineering- und Designteam mit der Entwicklung des Projekts, und so sind wir bei dieser Standardplattform gelandet.“ Ziel sei gewesen, so Briene, „ein Schiff zu entwerfen, das nicht vollständig militärischen Spezifikationen entspricht und zugleich die Ambitionen der portugiesischen Marine bei Drohnenaktivitäten unterstützen kann“.
PRR-Finanzierung, fehlende militärische Spezifikationen und Modularität
Dass „D. João II“ nicht nach militärischen Spezifikationen ausgelegt wurde, hängt mit der PRR-Finanzierung zusammen. Zugleich gilt: Künftige Einheiten könnten nachträglich stärker militärisch ausgerüstet werden. Auch bei „D. João II“ wäre eine „Militarisierung“ im Bedarfsfall möglich – vor allem über die Art der Drohnen, die das Schiff mitführt und einsetzt, da es sich um ein modulares Konzept handelt.
Interesse anderer Marinen und geistiges Eigentum
Aus Sicht von Damen liegt die Perspektive klar bei unbemannten oder nur gering bemannten Systemen, die von einem Mutterschiff aus operieren. Briene formuliert es so: „Die Zukunft liegt in unbemannten Systemen oder Systemen mit reduzierter Besatzung – über ein Mutterschiff, das eine Fregatte oder ein Hochsee-Patrouillenschiff sein kann.“
Vor diesem Hintergrund will Damen das Konzept auch anderen Seestreitkräften anbieten. Auf die Frage nach konkretem Interesse antwortet Briene: „Es ist witzig: Während der Konferenz – und ich bin seit zwei Tagen hier – wurde mir diese Frage schon etwa 10-mal gestellt.“ Er erklärt: „Wir halten das geistige Eigentum am Design und können es für andere Länder und andere Marinen fertigen. Offensichtlich gibt es großes Interesse, aber alle warten ab, was passiert.“
Entscheidend sei, dass das Schiff zunächst in den regulären Betrieb gehe: „Sobald das Schiff auf See ist und andere Marinen es im Einsatz sehen, wird das mehr Interesse wecken.“ Briene ordnet das Vorhaben zugleich in ein verändertes Einsatzbild ein: „Das ist die neue Form der Kriegsführung, bei der Wasserdrohnen und Luftdrohnen zum Einsatz kommen, um in unterschiedlichen Formen der Kriegsführung zu operieren – und das ist nicht die traditionellste.“ Portugal wird damit das erste Land der Europäischen Union sein, das ein von Grund auf für diese Aufgabe konzipiertes Schiff dieser Art betreibt.
Warum der Staat trotz nationalem Ursprung nicht direkt mitverdient
Obwohl Damen selbst anerkennt, dass die Plattform aus einem nationalen Konzept hervorging, führt die Regelung zur Rechteaufteilung nicht zu direkten Erlösen für den Staat. Als Vergleich wird ein anderes Modell genannt: Bei den Transportflugzeugen KC-360, die in Kooperation mit Embraer mitproduziert werden, nimmt der Staat laut Zahlen des Verteidigungsministeriums pro Verkauf mehr als €11 Millionen ein.
Zum Drohnenträger stellt der Sprecher der portugiesischen Marine, Fregattenkapitän Ricardo Sá Granja, klar: „Angesichts der Finanzierungsquelle (PRR) und ihres Umfangs (€132 M) werden die Eigentumsrechte am Projekt zwischen dem portugiesischen Staat und dem Unternehmen Damen geteilt, wobei abgesichert wurde, dass das Konzept vollständig von der portugiesischen Marine entwickelt wurde.“
Nach Informationen von Expresso bedeutet diese „Teilung“ in der Praxis vor allem eines: Portugal kann Schiffe derselben Klasse bei konkurrierenden Werften bauen lassen, ohne industrielle Rechte an Damen zahlen zu müssen. Diese Lizenzkosten werden – basierend auf Antworten der Marine – auf €15 Millionen bis €20 Millionen geschätzt.
Begrenzte industrielle Rechte und fehlende nationale Werftkapazitäten
Damit Portugal die industriellen Schutzrechte am Schiff vollständig erhalten hätte, wäre laut dem Marinesprecher „finanzielle Leistungsfähigkeit nötig gewesen, um das Grundprojekt und das Detailprojekt zu bezahlen“, zusätzlich „die gesamte Entwicklung der Systeme, die das Schiff ausstatten“. Das sei „aufgrund der Begrenzung des im PRR vorgesehenen Finanzpakets“ nicht erfolgt.
Weitere befragte Fachquellen verweisen zudem darauf, dass Portugal nicht über ausreichende Kapazitäten im Schiffbau verfüge und der Aufbau entsprechender Möglichkeiten zu teuer wäre, um anschließend von Auslandsbestellungen zu profitieren. Als einzige realistische Option werden die Werften in Viana do Castelo (West Sea) genannt; dort sei die Kapazität jedoch durch den Bau von Hochsee-Patrouillenschiffen bereits ausgeschöpft, und zudem habe man ein sehr kostenintensives Angebot vorgelegt.
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