Einordnung der BMW 6er-Reihe: eher CLS/A7 als 911
Das ist der 6er, den die meisten kaufen werden – und umso besser, dass der 640d zugleich die überzeugendste Variante der Baureihe ist. Glückwunsch an die 90 Prozent der Käufer: Diese Wahl ist die richtige. Wer allerdings vor allem fürs Fahren lebt, bekommt hier nur begrenzt Anlass zur Begeisterung.
Wie bereits beschrieben, ist BMWs glamourösestes Coupé kein Sportler, der einem 911 hinterherjagt. Trotz fehlender Fondtüren und der flacheren Dachlinie passt als Vergleich eher ein Mercedes CLS oder ein Audi A7 – was besonders pikant ist, weil der 6er im nächsten Jahr selbst eine viertürige Ableitung nachschieben wird. Alternativ lässt er sich als praktischere Interpretation eines Jaguar XK verstehen. In jedem Fall gilt: Er liefert mühelosen, gelassenen Vortrieb ohne Drama.
BMW 640d: Dieselmotor, Reichweite und Typenbezeichnung
Genau deshalb funktioniert der Diesel in diesem Auto so stimmig. Er bleibt so leise, wie man es in dieser Klasse erwartet, schiebt kräftig an, ohne angestrengt zu wirken, und auch wenn der Normverbrauch erwartungsgemäss zu optimistisch ausfällt, kamen wir problemlos auf über 7,1 l/100 km. Das bedeutet rund 965 km pro Tankfüllung. Als Antrieb ist das ein durchweg angenehmer Begleiter – auch wenn BMW bei der Typenbezeichnung weiterhin sehr frei interpretiert: Es handelt sich um exakt dasselbe Aggregat wie im 535d.
Automatik, Schaltwippen und das Drehmoment
Nur ist oft schwer zu greifen, was der doppelt aufgeladene Reihensechszylinder gerade genau macht. Die Achtgang-Automatik wechselt die Gänge nahezu unmerklich, doch weil sie so häufig schaltet, bekommt man ohne Schaltwippen kaum ein Gefühl für den Charakter des Motors. Mit den Wippen lohnt es sich allein schon, um das Drehmoment auszukosten: Es liegt bei 1.500 U/min an und hält mit voller Wucht von 629 Nm praktisch über den restlichen Bereich des Drehzahlmessers. Der vierte Gang zeigt dabei sehr eindrücklich, wofür der 640d steht.
Fahrgefühl: präzises Fahrwerk, wenig Rückmeldung
Allerdings ist dieser Motor vor allem für freie, weite Strecken gemacht. So beeindruckend er auch ist, die unmittelbare Reaktion und die spritzige Energie fehlen, um aus langsamen Kurven heraus wirklich hart anzuklopfen. Und obwohl klar spürbar ist, dass die Kraft an die Hinterräder geht, stellt sich die Frage, ob es einen überhaupt kümmert. Eigentlich sollte es das – doch ehrlich gesagt tut es das nicht.
Denn der 6er besitzt ein Fahrwerk auf hohem Niveau: Man lenkt ein, und das Auto folgt der gewünschten Linie ohne Verzögerung und ohne Aufhebens. Was jedoch fehlt, ist die Interaktion mit dem Fahrer – über die Lenkung kommt kaum Feedback, und es bleibt ein unterschwelliges Gefühl, als würde der Wagen das Programm lediglich abspulen.
Ruhe, Federungskomfort und Innenraum
Dafür ist er ausgesprochen leise, sehr komfortabel und federt angenehm – selbst dann, wenn man das optionale Adaptive Drive (3.400 £) in den sportlichsten der fünf Modi versetzt. Innen präsentiert sich der 6er zudem sehr einladend (auch wenn die Rücksitze spürbar beengt ausfallen), und optisch wirkt das Coupé ebenfalls sehr elegant. Nur: Müsste ein BMW-Coupé nicht dynamischer sein als das?
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