Wenn ein Hersteller die Hälfte einer Rennstrecke sperrt und die andere Hälfte mit Pylonen sowie Warnhinweisen vor dem drohenden Untergang zupflastert, nur damit man das Auto ja nicht bis an seine Grenzen bringt, dann ist klar: Diese Grenzen liegen schlicht zu hoch – zumindest aus Sicht der Sicherheitsabteilung.
Präsentation des 2013 Shelby GT500: viel Leistung, wenig Strecke
Genau so lief es beim Launch des 2013 Shelby GT500. Ford verwies dabei auf den Unfall von drei Camaro ZL1 bei der jüngsten Vorstellung des GM-Konkurrenten auf dem extrem schnellen Virginia International Raceway. Als Konsequenz wurde unsere Zeit auf der Rennstrecke auf ein paar Minuten begrenzt – und das auch nur auf einem Teilstück der grossartigen, normalerweise sehr schnellen Road-Atlanta-Anlage.
Road Atlanta unter Pylonen: kaum Aussagen über Tempo möglich
Über das Verhalten des Wagens bei hohem Tempo kann ich daher nur wenig sagen – ausgerechnet bei einem Auto, bei dem Geschwindigkeit der Hauptgrund für die Anwesenheit der meisten von uns war. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 202 mph (rund 325 km/h) war das ohnehin zu erwarten. Einige Profi-Fahrer nahmen uns zwar zu schnellen Runden mit, gefühlt mit Lichtgeschwindigkeit, aber der einzige echte Erkenntnisgewinn daraus: Wir wollten alle schlicht länger und selbst ans Steuer.
Galerie: der Shelby Mustang GT500
Geradeausläufe und Launch Control auf der Beschleunigungsstrecke
Später durften wir immerhin mehrere eigene Runs auf einer Drag-Strecke (Huch!) fahren, um das ausgeklügelte Launch-Control-System zu erleben: Man stellt die Anfahrdrehzahl ein, tritt das Gaspedal durch und lässt die Kupplung kommen – und schon gelingt der Start wie aus dem Lehrbuch. Abgesehen davon entstanden die Eindrücke jedoch auf schmalen, dicht bewachsenen Landstrassen im US-Bundesstaat Georgia.
Zahlengewalt beim Shelby Mustang GT500 – und der Spass leidet
Natürlich ist es ein Riesenspass, aus Kreuzungen schräg herauszubeschleunigen und an jeder Ampel eine Wolke aus blauem Reifennebel stehen zu lassen. Doch nach ein paar Stunden, in denen man das Auto nie wirklich ausdrehen und ausreizen kann, wird das Ganze zunehmend frustrierend.
Mit 662 bhp und 631 lb ft aus dem aufgeladenen 5,8-Liter-V8 – der Ford GT Supersportwagen brachte es auf 550 bhp und 500 lb ft – hat der neue GT500 womöglich tatsächlich den blutigen Rand des Machbaren erreicht. Der ZL1 Camaro ist pfeilschnell und besitzt ein cleveres Fahrwerk, aber dieser mutierte Mustang schlägt ihn in nahezu jeder erdenklichen Kennzahl: mehr Leistung, mehr Drehmoment, höhere Endgeschwindigkeit, schneller über die Viertelmeile, höhere Endgeschwindigkeit am Ende des Sprints, weniger Gewicht, niedrigerer Preis ...
Doch weil man die Mustang-DNA so weit verbogen hat, dass daraus ein 200-mph-plus-Auto wurde, ist viel von dem „bis zum Anschlag ausdrehen“-Vergnügen verschwunden, das man von einem Muscle Car erwartet. Wenn man einen GT500 so gnadenlos prügelt wie einen normalen Mustang, verliert man entweder das Leben oder den Führerschein. Unterm Strich bedeutet das: Trotz all seiner Fähigkeiten macht er sich am Steuer nicht so vergnügt wie einige der schwächeren Varianten.
Mich beeindruckt, was der GT500 technisch leistet – aber selbst als eingefleischter Mustang-Fan würde ich keinen Kauf empfehlen. Sinnvoller ist es, einen Boss 302 Laguna Seca zu nehmen und die Ersparnis in Rennstreckentage zu stecken. Auf Kursen, die nicht zur Hälfte mit Pylonen zugestellt wurden.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen