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Der neue Mercedes GL im Test

Blauer Mercedes-Benz SUV fährt auf kurviger Landstraße mit Bäumen und Bergen im Hintergrund.

Bist du der Typ gut situierter Elternteil, der nach bereits vier Kindern dem Partner in die Augen schaut und sagt: „Noch eins, dann reicht’s für eine Fünfer-Fussballmannschaft“? Dann solltest du dich unbedingt mit der höhlenartigen Ausdehnung des komplett neuen Mercedes GL beschäftigen.

Mercedes GL: Dimensionen und Zielgruppe

Der GL ist ein SUV im XXL-Format: länger und höher als der Audi Q7 und als Siebensitzer so etwas wie der grosse Bruder des keineswegs kleinen Mercedes ML. Genau diese schiere Grösse macht ihn in den USA zum Hit: Mercedes sagt, der letzte GL sei dort das meistverkaufte grosse Luxus-SUV gewesen – und das neue Modell soll diese Erfolgsserie mit noch mehr Nachdruck fortsetzen.

Motoren: GL350 Diesel, GL500 und GL63 AMG

In Deutschland ist die Kundschaft bei grossen SUV in der Regel wählerisch – und ohne Diesel geht für viele gar nichts. Wenn der GL Anfang nächsten Jahres hierzulande startet, wird es zwar auch eine Benziner-Variante geben (der 435bhp starke GL500 mit biturboaufgeladenem V8), doch die grosse Mehrheit dürfte zum Diesel greifen: dem GL350 mit 254bhp, 372lb ft und einem theoretischen Verbrauch von 7,4 l/100 km (38mpg).

Die Kraft wird über eine gelassen agierende Siebengang-Automatik übertragen. Der 3,0-Liter-V6-Diesel läuft kultiviert und schiebt solide an – nur: Ein Antrieb, der dem Begriff „Sport“ in „Sport Utility Vehicle“ Leben einhaucht, ist das nicht.

Fahrkomfort, Technik und Konkurrenz

Der Mercedes GL versucht gar nicht erst, dem (zugegeben kleineren) Porsche Cayenne oder BMW X6 auf dem „Schaut-her-ich-fahre-wie-eine-Limousine“-Pfad zu folgen. Selbst mit aktivem Fahrwerk im Sport-Modus bleibt er ein grosses, sanft schaukelndes Schiff: Er entkoppelt dich eher von der Fahrbahn, statt dich an sie heranzuziehen. Wer zu viel rechten Fuss wagt, wird schnell von missmutig blinkender Elektronik eingefangen; am liebsten rollt der GL gelassen dahin und bügelt schlechte Strassen mit einer fast untypisch nachgiebigen Abstimmung glatt.

Abschirmung ist ohnehin sein Kernthema – mitsamt (Zitat) „Akustischen Frontscheiben, aufsprühbaren Akustikmaterialien und optimierter Aeroakustik“ (klingt wie der unerquicklichste Drei-Band-Folkabend aller Zeiten). Im Innenraum ist es flüsterleise, und wer bei den Optionen nicht spart, bekommt reichlich Oberklasse-Technik, darunter eine 360-Grad-Parkkamera und aktive Wankstabilisierung. In üppiger Ausstattung wirkt der GL moderner und edler als der inzwischen in die Jahre gekommene Audi Q7.

Allerdings gibt es aus hiesiger Sicht einen grossen Störfaktor: den Range Rover. Der verkörpert mühelosen 4x4-Luxus mit kaum zu überbietender Souveränität – und eine komplett neue Generation steht bereits bereit, die Messlatte noch höher zu legen. Wenn du auf die dritte Sitzreihe verzichten kannst (braucht deine Fünfermannschaft wirklich eine komplette Abwehr?), solltest du vor einer GL-Entscheidung unbedingt den neuen RR fahren.

Sind sieben Sitze jedoch Pflicht, ist der Mercedes eine kultivierte, wenn auch etwas behäbige Wahl. Behäbig – es sei denn, du wartest auf den 557bhp starken GL63 AMG, der 0–100 km/h (0-62mph) in unter fünf Sekunden schaffen soll: ein absurd wirkender Wert für ein 2,5-Tonnen-Mega-SUV. Ausser natürlich, du musst das Team besonders schnell zu einem Auswärtsspiel bringen …

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