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Mercedes-Benz C‑Klasse Coupé im Test: C250 CDI, Historie und Fahrgefühl

Silberner Mercedes-Benz der C-Klasse fährt dynamisch auf Landstraße mit grünem Wald im Hintergrund.

Einordnung des neuen Mercedes-Benz C‑Klasse Coupé in der Modellgeschichte

Zu erklären, wo das komplett neue C‑Klasse Coupé in der Mercedes‑Historie hingehört, ist gar nicht so trivial. Mercedes will – und zwar ausdrücklich – nicht, dass man es als Nachfolger des CLC abstempelt. Jener schwerfällige Typ, 2008 eingeführt, war im Grunde ein Update aus dem Teilelager des damals schon rund zehn Jahre alten C‑Klasse Sportcoupé: ein günstiger Gegenentwurf zum BMW 1er. Das neue C‑Klasse Coupé ist dagegen grösser, kostspieliger und vor allem ein echtes zweitüriges Coupé statt eines dreitürigen Hatchbacks.

Also doch kein neuer CLC. Ein neuer CLK? Das liegt näher, trifft es aber ebenfalls nicht. Der CLK wurde im Prinzip bereits vom grösseren und teureren E‑Klasse Coupé des Vorjahres abgelöst. Wer bei all den Buchstaben auf dem Kofferraumdeckel inzwischen den Überblick verliert, ist nicht allein.

Wenn man jedoch einen Schritt zurücktritt und die verschlungene Produktchronik ausblendet, wirkt das C‑Klasse Coupé plötzlich erstaunlich klar: Es ist schlicht die zweitürige Variante der C‑Klasse. Und es zielt ohne Umwege auf die etablierten Gegner – das BMW 3er Coupé und den Audi A5.

Mercedes-Benz dürfte dabei durchaus pragmatisch gedacht haben: BMW setzte im letzten Jahr knapp 6.000 Exemplare des 3er Coupé ab; der A5 entwickelte sich für Audi zu einem stattlichen Verkaufserfolg. Wer sich allerdings direkt mit diesen beiden misst, statt in Nischen zu schlüpfen, hat keine Deckung. Entweder es gelingt – oder es gibt Prügel.

Karosserie, Sitzlayout und Verarbeitung im C‑Klasse Coupé

Entsprechend gründlich fällt die Umwandlung zur Coupé‑Karosserie aus. Zwar teilt sich das Coupé Plattform und Motoren mit der C‑Klasse Limousine, aber nur ein einziges Karosserieteil wurde übernommen: die Motorhaube. Alles andere Blech ist neu. Die Dachlinie liegt vier Zentimeter tiefer als bei der Limousine, die Frontscheibe ist stärker nach hinten geneigt.

Wie beim 3er Coupé und beim A5 gibt es auch im C‑Klasse Coupé strikt vier Plätze. Einen gelegentlichen mittleren Rücksitz sucht man vergeblich; zwischen den beiden hinteren Sitzen sitzt stattdessen ein Kunststofffach. Immerhin: Die Rückenlehnen hinten lassen sich geteilt umklappen, um den Kofferraum zu vergrössern – möglicherweise der Grund, warum Mercedes auf die CLS‑artige, angehobene Mittelkonsole zwischen den Fondpassagieren verzichtet. Weniger schlüssig ist, weshalb dort nicht einmal eine ausklappbare Armlehne vorgesehen ist.

Platz ist gerade so vorhanden, dass ein 1,83‑m‑Mensch hinter einem gleich grossen sitzen kann – wobei der Kopf im Fond beim aufrechten Sitzen an den Dachhimmel streift. Für mittlere Strecken ist das trotzdem bequem, und wie bei allen aktuellen Mercedes wirkt die Verarbeitung auf einem Niveau, das man als „pyramidenfest“ bezeichnen könnte.

Motorenangebot und die Daten des C250 CDI

Bis hierher ist wenig überraschend. Interessant wird es, sobald man vom Fond nach vorn wechselt: Dort beginnt sich das C‑Klasse Coupé spürbarer von seinen erklärten Rivalen zu unterscheiden.

Die Antriebspalette setzt sich aus drei Benzinern und zwei Dieseln zusammen: zwei 1,8‑Liter‑Turbo‑Vierzylinder mit 154 bhp und 201 bhp, dazu der 302 bhp starke Sechszylinder C350. Bei den Dieseln fuhren wir den C250 CDI, also die stärkere der beiden Varianten. Es ist ein aufgeladener Vierzylinder mit 201 bhp, der ein umami‑artig „würziges“ Drehmoment von 368 lb ft (ca. 499 Nm) bereitstellt, dabei 58 mpg (ca. 4,9 l/100 km) erreicht und nur 128 g/km CO2 ausstösst. Diese Zahlen sind beeindruckend genug, um den BMW‑Gegenspieler 325d (Sechszylinder) alt aussehen zu lassen: Er ist nicht nur durstiger und weniger sauber als der Mercedes, sondern liefert auch weniger Leistung und weniger Drehmoment. BMW bei der Balance aus Leistung und Effizienz zu schlagen, ist ungefähr so, als würde man Bernie Ecclestone in einer Verhandlung über den Tisch ziehen.

Der Motor selbst tritt ausgesprochen gelassen auf. Während der BMW‑Sechszylinder dazu animiert, ihn auszudrehen, bewegt sich der Mercedes‑Vierzylinder eher entspannt am unteren Ende des Drehzahlbands. Die optionale Siebengang‑Automatik schaltet, wenn man sie machen lässt, früh hoch.

Langsam ist der C250 deshalb keineswegs. Im Gegenteil: 62 mph (100 km/h) erledigt er in sieben Sekunden, und sein mittleres Drehmoment schiebt einen an bummelnden Traktoren vorbei, begleitet von nicht mehr als einem federleichten Zischen. Doch diese Kombination aus Motor und Getriebe fordert nicht zum Angreifen auf; schnelle Kickdowns quittiert sie eher mit Zögern – oder mit offener Verachtung. Im Alltag lässt man Antrieb und Getriebe meist ihren eigenen, gemächlichen Tanz aufführen: Leistung kommt dann in grossen, sanft heranschwebenden Paketen aus dem Drehzahlkeller.

Fahrverhalten: Gelassenheit statt Schärfe

Genau so fühlt sich das C‑Klasse Coupé auch insgesamt an. Im direkten Vergleich mit 3er Coupé und A5 zieht es eine deutlich ruhigere Spur: nicht schlaff, nicht schwammig – sondern gelassen. Die Lenkung verzichtet auf ein paar Grad Biss zugunsten entspannter Autobahn‑Souveränität. Und selbst auf 18‑Zoll‑Rädern (ca. 46 cm) – alle C‑Klasse Coupés für Grossbritannien bekommen die grossen Felgen sowie das AMG‑Styling‑Paket – bleibt der Federungskomfort locker und nimmt Unebenheiten mühelos auf. Solange man nicht jenseits von „Hundert“ (über 100 mph, ca. 160 km/h) über ein frisch gepflügtes Kartoffelfeld schiesst, sind Wind- und Abrollgeräusche praktisch nicht wahrnehmbar.

Trotz eines „amplitudenabhängigen“ Dämpfungssystems, das die Nachgiebigkeit der Stossdämpfer automatisch anpasst und straffer wird, sobald es die „rote Nebelwand“ heraufziehen spürt, mutiert das C‑Klasse Coupé auf Landstrassen nicht zur stacheligen Waffe. Dynamisch stimmt das Fundament – die Wankneigung ist gering, das Chassis wirkt robust –, nur ist die Verbindung zwischen Fahrer und Fahrbahn, wie bei vielen aktuellen Mercedes, ein wenig gefiltert. Das ist kein fauler Kompromiss, sondern eher eine bewusst entspanntere Grundhaltung.

Man könnte einwenden, Mercedes habe eine Chance verpasst, weil das C‑Klasse Coupé nicht offensiver sportlich abgestimmt wurde: Wer es weich mag, greift am Ende womöglich zur ähnlich bepreisten Limousine. Coupé‑Käufer tauschen schliesslich meist etwas Praktikabilität gegen ein schärferes Setup. Andererseits: Muss es noch mehr elegante Coupés geben, die ihren Fahrern eine knochige Abstimmung aufzwingen – für Menschen, die einen „vollgasigen Nürburgring‑Angriff“ in der Wochenendplanung nur knapp unter „sich die eigenen Genitalien abhacken“ einordnen würden? Mercedes hält seine Kundschaft offenbar für eine deutlich gelassenere Truppe.

AMG als Option für mehr Sport

Wer das C‑Klasse Coupé mit echtem sportlichem Anspruch möchte, muss warten, bis die AMG‑Version da ist. Beim C‑Coupé ist diese Wartezeit allerdings ungefähr so lang, wie man zum Klicken eines Links braucht: Auf den hervorgehobenen Verweis klicken – und sehen, wie sich die zweitürige C‑Klasse mit einem V8 unter der Motorhaube schlägt …

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