Zum Inhalt springen

Fiat 500L im Check: zynischer Marketing-Trick oder logische Weiterentwicklung?

Weißer Fiat Kleinwagen fährt auf Landstraße vor bergiger Landschaft und Häusern im Hintergrund.

Ob hier beim neuen Fiat 500L eine zynische Marketing-Nummer dahintersteckt oder ob er sich ganz natürlich aus einer Ikone weiterentwickelt hat? Fiat hat dafür jedenfalls ein Muster: Schon 1956 brachte man den 600 Multipla – einen Personenwagen auf Basis eines kleinen Kompakten (streng genommen kein Hatchback, weil der Motor hinten sass – aber Sie wissen, was gemeint ist). Und so, wie jener damals die Optik seines Spenderautos weiterdachte, macht es auch dieser 500L: freundlich lächelnd, nicht bedrohlich und ein bisschen unbeholfen. Und vor allem: gross.

Fiats neuer transporte persone knüpft zwar an die Neuinterpretation des berühmten Autos an, das viel von Italiens Wiederaufbau nach dem Krieg geprägt hat – tatsächlich ist er aber grösser. Deutlich grösser. Denken Sie an C3 Picasso/Ford B-Max/Vauxhall Meriva. Technisch sitzt darunter ein verbreiterter und gestreckter Punto, dazu gibt’s eine spezifische Abstimmung von Fahrwerk und eine elektrische Servolenkung, die auf der Geraden bewusst etwas gefühllos ausgelegt ist, damit man nicht ständig mit kleinen Korrekturen nacharbeiten muss. Das allein verrät schon einiges über den angedachten Fahrstil.

Fiat hat TopGear zwar erzählt, man habe gnadenlos daran gearbeitet, die Wankneigung zu begrenzen – aber bei dieser Höhe lässt sich eben kein triumphaler italienischer Stiefel auf ein besiegtes Physikgesetz stellen. Wenn man ihn engagiert in eine Kurve wirft, gibt es spürbare Seitenneigung, was den Drang dämpft, wirklich zügig unterwegs zu sein.

Fahrverhalten und Lenkgefühl im Fiat 500L

Über das Handling eines solchen Autos zu sprechen, ist ohnehin eine etwas spezielle Übung. Für Käuferinnen und Käufer steht das nun mal nicht an erster Stelle. Trotzdem: Das Fahrwerk ist weich gefedert und komfortabel, die Lenkung so leichtgängig, dass man sie problemlos mit einer Hand drehen kann. Ganz ohne Rückmeldung ist sie nicht – und fürs flotte Durchschlängeln in der Stadt reicht das völlig.

In Kombination mit dem munteren, grossartigen kleinen TwinAir-Motor – mit Abstand der schnellste und charakterstärkste Antrieb im Angebot – wirkt der 500L zudem angenehm gelassen und frei von nervigem Stress.

Innenraum: 1.500 Varianten, viel Kopffreiheit und Beats

Innen wartet eine mögliche Vielfalt von 1.500 Innenraum-Konfigurationen, üppig Kopffreiheit hinten, 22 Ablagefächer, und der Kofferraum kann problemlos eine bunt gemischte Ladung Kinderkram verschlingen. Das Armaturenbrett-Layout erinnert eher an den Panda als an den 500, wirkt dabei aber angenehm solide und „chunky“.

Dazu gibt es einen hübschen 5-Zoll-Touchscreen, über den Telefon, Stereoanlage und Fahrzeugeinstellungen laufen. Die Audio-Software selbst wurde von Dr Dres Beats entwickelt. Und dann wäre da noch eine portable Kaffeemaschine von Lavazza, die in eine Konsole eingeklinkt wird. Wie italienisch ist das denn?

Positionierung und Konkurrenz: Ford B-Max als Hauptgegner

Fiat hat sich sichtbar bemüht, uns einzureden, der Minivan sei das Auto der Zukunft – und dieser 500L sei der 500 in erwachsen. Irgendwann in naher Zukunft soll die „500“-Familie dann mit einem Crossover zum Abschluss kommen, der gegen Nissan Juke/Mini Countryman antreten wird.

Bis dahin noch ein Punkt: So schlüssig dieses Auto für schicke junge Mütter wirkt, die ein bisschen italienisches Flair suchen – der wichtigste Rivale, der neue Ford B-Max, steht bereits vor der Tür. Und wir sind versucht zu sagen, dass der möglicherweise der bessere Kandidat für Ihr Geld sein könnte. Die Hersteller nehmen diese Klasse ernst – denken Sie immer noch, das ist ein zynischer Schachzug von Fiat?

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen