Der Luxus des Einfachen und die Treue zu den eigenen Wurzeln haben sieben kleine Gemeinden in Brasilien ins Schaufenster des weltweiten Tourismus gerückt.
Araçá (SC), Conceição de Ibitipoca (MG), Delfinópolis (MG), Holambra (SP), Lençóis (BA), São José do Barreiro (SP) und Vila Flores (RS) wurden als brasilianische Kandidaten ausgewählt, um sich um das renommierte internationale Siegel „Best Tourism Villages“ zu bewerben – eine Auszeichnung von ONU Turismo.
Die endgültige Bekanntgabe der Auswahl erfolgt im Dezember: Dann wird die Liste – in diesem Jahr mit 261 nominierten Dörfern aus über 100 Ländern – während einer Versammlung in Buenos Aires, Argentinien, vorgestellt.
Das 2021 ins Leben gerufene UN-Siegel sucht nicht nach Hotel-Megaprojekten oder Massenzielen. Im Mittelpunkt steht vielmehr das Gegenteil: gewürdigt werden ländliche Orte mit höchstens 15.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, die Tourismus gezielt einsetzen, um Landschaften, Kultur, Küche und traditionelle Lebensweisen zu schützen.
„Der ländliche Tourismus und der Naturtourismus halten die Menschen auf dem Land, stärken das Zugehörigkeitsgefühl und verteilen Wohlstand auf faire Weise“, betont Tourismusminister Gustavo Feliciano und verweist auf den Sektor als Treiber für soziale Teilhabe und Umweltschutz im Land.
Brasilien an der Spitze der „Best Tourism Villages“-Liste
Seit Start des Programms wurde Brasilien insgesamt 27-mal nominiert; inzwischen umfasst das Netzwerk weltweit 319 Reiseziele. Den höchsten Rang der Auszeichnung erreichten jedoch erst zwei: Testo Alto in Pomerode (SC), bekannt für die Rota do Enxaimel, sowie Antônio Prado (RS), das die Architektur und das Talian bewahrt – einen Dialekt, der auf italienische Einwanderer zurückgeht.
Im Folgenden beschreibt Catraca Livre, was jede der sieben diesjährigen Kandidaten zu einem besonders authentischen Reiseziel macht.
Die nominierten brasilianischen Dörfer
Araçá (Porto Belo, SC)
Mit etwas mehr als 1.100 Einwohnerinnen und Einwohnern lebt dieses kleine Refugium an der Küste Santa Catarinas im engen Einklang mit dem Meer. In einem Umweltschutzgebiet (Área de Proteção Ambiental, APA) gelegen, bewahrt der Ort die Kultur der handwerklichen Fischerei und lädt dazu ein, das Tempo zu drosseln – bei Fahrten in traditionellen Booten, auf Küstenwegen und an reich gedeckten Tischen mit frischen Meeresfrüchten.
Conceição de Ibitipoca (Lima Duarte, MG)
Eingebettet in die Serra da Mantiqueira erzählt das charmante Dorf mit seinen unbefestigten Straßen und rund 1.100 Bewohnerinnen und Bewohnern von den historischen Routen des Goldzyklus. Gleichzeitig ist es der ideale Ausgangspunkt für den Parque Estadual do Ibitipoca, bekannt für Routen durch quarzitische Höhlen, Wasserfälle mit dunklem Wasser und den eindrucksvollen Aussichtspunkt Janela do Céu.
Delfinópolis (MG)
Dort, wo die Serra da Canastra den Horizont zeichnet, fällt die Gemeinde durch Ökotourismus und Genuss gleichermaßen auf. Neben Hunderten Wasserfällen und Wegen, die das Cerrado durchziehen, überzeugt das Ziel durch eine starke ländliche Identität – geprägt von der handwerklichen Herstellung des berühmten Queijo Minas Artesanal da Canastra sowie vom lokalen Kaffee.
Holambra (SP)
Nur 130 km von der Hauptstadt des Bundesstaates São Paulo entfernt ist die „Capital Nacional das Flores“ ein Stück Niederlande in den Tropen. Von niederländischen Einwanderern gegründet, verbindet die Stadt typische Architektur und europäisch geprägte Küche mit einer leistungsstarken Blumenanbauwirtschaft. Den Rahmen setzt die markante Mühle Moinho Povos Unidos, die größte in Lateinamerika.
Lençóis (BA)
Als wichtigstes Eingangstor zum Parque Nacional da Chapada Diamantina stellt die Stadt ihre Kolonialhäuser aus dem 19. Jahrhundert vor eine Kulisse aus Flüssen, Canyons und monumentalen Höhlen. Der zentrale Trumpf vor Ort ist gemeindebasierter Tourismus: Lokale Guides und Begleitpersonen tragen hier maßgeblich dazu bei, die reiche Geschichte des Diamantenabbaus zu bewahren.
São José do Barreiro (SP)
Im Herzen des Vale do Paraíba, am Fuß der Serra da Bocaina, bewahrt die Stadt Erinnerungen an den Kaffeezyklus. Reisende finden dort erhaltene historische Fazendas, den Beginn der mystischen Trilha do Ouro (ein kolonialer, gepflasterter Weg, der von versklavten Menschen angelegt wurde) sowie eine bodenständige Küche aus dem Hinterland, getragen von kleinen handwerklichen Produzentinnen und Produzenten.
Vila Flores (RS)
Als Vertreterin der Serra Gaúcha verbindet die Stadt die Üppigkeit des Atlantischen Regenwaldes mit dem starken Erbe italienischer Einwanderer. Die Gemeinde ist die „Capital Estadual do Filó“ – einer kulturellen Tradition, die die früheren nächtlichen Gemeinschaftstreffen nachstellt, begleitet von Musik, Spielen, Wein und der typischen Küche der Region.
Wertvoller Tipp
Wer Ziele besucht, die auf Nachhaltigkeit und gemeindebasierte Angebote setzen, sollte bevorzugt zertifizierte lokale Guides buchen und Kunsthandwerk sowie Lebensmittel direkt bei den Produzentinnen und Produzenten im Ort kaufen. Gerade dieser direkte finanzielle Effekt sorgt dafür, dass solche Gemeinschaften lebendig bleiben.
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