Abgrenzung zum VW Eos
VW betont mit Nachdruck, dass das neue Golf Cabrio – ein viersitziges Cabriolet der Mittelklasse – nicht als Konkurrenz zum hauseigenen Eos gedacht ist, der ebenfalls vier Sitze und Mittelklasse-Format bietet. Der Golf, so VW, sei kompakter, preislich niedriger angesiedelt und setze auf ein Stoffverdeck statt auf ein versenkbares Klappdach aus Metall.
TopGear nimmt diese Argumente zur Kenntnis – und gibt dann eine klare Empfehlung an potenzielle Eos-Käufer: Wenn Sie nicht (a) in einer Gegend wohnen, in der Regen wie geschärfte Fleischspiesse vom Himmel fällt, oder (b) regelmässig vier gross gewachsene Erwachsene transportieren müssen, werden Sie zum neuen Golf Cabrio greifen wollen.
Verdeck: schnell, simpel und alltagstauglich
Denn auch wenn das erste wirklich komplett neue Golf Cabrio seit 18 Jahren nur wenige Überraschungen bereithält, erledigt es die Verdeckarbeit derart unkompliziert, dass der Eos – und letztlich jedes andere viersitzige Cabrio mit Klappdach – plötzlich überkonstruiert und unbeholfen wirkt.
Und langsam. Beim Golf klappt das Dach in glatten neun Sekunden weg – schneller, als Usain Bolt 100 Meter läuft (so formuliert klingt es ehrlich gesagt gar nicht mehr so beeindruckend) – und das bis zu 29 km/h (18 mph). Möglich macht das die schlichte Konstruktion: Es gibt keine separate Verdeckklappe; das abgelegte Dach verschwindet in einem eigenen kleinen Fach, statt spürbar Kofferraumvolumen zu fressen. Das hat einen praktischen Nebeneffekt: Anders als bei vielen Stoffverdecken kann man das Golf-Dach auch bei den launischsten Wetterkapriolen schnell öffnen oder schliessen, ohne gleich Angst um den Innenraum haben zu müssen.
Mit geschlossenem Verdeck ist das Golf Cabrio überraschend leise, selbst bei höherem Tempo. VW hat gezielt daran gearbeitet, hochfrequente Geräusche zu eliminieren – mit Erfolg: Man bräuchte das Gehör eines Virginia-Uhus, um hier mehr Abroll- oder Windgeräusche wahrzunehmen als im Eos. Auffällig ist zudem die für ein Stoffdach ungewöhnlich grosse Heckscheibe, die das Gefühl von nahezu festdachähnlicher Kultiviertheit zusätzlich verstärkt.
Fahreindruck und Motoren im Golf Cabrio
Natürlich erreicht das Cabrio nicht ganz die Präzision seines Schrägheck-Pendants, was die Strassenmanieren angeht. Dennoch wirkt es gefasster als die meisten offenen Autos und bleibt auch über gröbere Bodenwellen hinweg stabil. Über scharfkantige Schlaglöcher ist ein leichtes Zittern im Aufbau zu spüren, aber das schwere, schwammige Wanken, das viele viersitzige Klappdach-Cabrios in dieser Klasse zeigen, bleibt aus.
Gefahren sind wir das Topmodell mit 138bhp starkem 2,0-Liter-Diesel sowie den 104bhp BlueMotion-Benziner – wobei Letzterer sich als der spritzigere Antrieb erwies. Der grösste Diesel läuft geschmeidig und liefert viel Drehmoment, macht in Kombination mit einem etwas schwerfälligen Doppelkupplungsgetriebe jedoch deutlich, dass das gekürzte Cabrio-Fahrgestell unvermeidlich Kompromisse mit sich bringt. Der kleine Benziner fühlte sich leichter und lebhafter an, wenn auch ein wenig VAGenerisch. Unterm Strich ist das Fahrerlebnis allerdings nicht so messerscharf wie bei den 1er- oder Mini-Cabrios.
Ohne Allüren – und dennoch das Cabrio, das zählt
Nur: Dieses Auto war nie als Nervenkitzel-Maschine gedacht. Wie schon das allererste Golf Cabrio von 1979 setzt es auf ein unkompliziertes, ehrliches Offenfahren-ohne-Allüren-Gefühl, bei dem einem sprichwörtlich die Fliegen in die Nase geraten – und das weiterhin mehr Sinn ergibt als jedes Metalldach, das sich kunstvoll zusammenfaltet.
Und als wäre die offene VW-Ecke nicht schon verwirrend genug, steht für nächstes Jahr auch noch ein neues Beetle Cabrio (vier Sitze, Mittelklasse, Sie wissen schon) in den Startlöchern. Wir wetten: Das Golf Cabrio bleibt trotzdem das offene VW-Modell, das man haben will.
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