Welcher AMG ist das?
Hier geht es um den neuen Mercedes-AMG GLE 53. Er positioniert sich unterhalb des kompromisslosen, V8-getriebenen GLE 63 und tritt als Nachfolger des bisherigen GLE 43 an. Soweit klar?
Ähm…
Einordnung des Mercedes-AMG GLE 53 zwischen GLE 63 und GLE 43
Wer „Krawall und Donner“ erwartet, liegt daneben: Der GLE 53 gehört zu den zugänglicheren Modellen der Performance-Linie. Viele davon setzen inzwischen auf Mildhybrid-Technik – auch dieser.
Antrieb: 3.0-Reihensechser mit EQ Boost und Mildhybrid
Unter der Haube arbeitet ein 429bhp starker 3.0‑Liter-Reihensechszylinder-Benziner, der bei kräftigem Beschleunigen von einem 22bhp-Elektromotor unterstützt wird. Im Verbund reicht das für 0–100 km/h (0–62 mph) in 5.3 sec und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (155 mph).
Wichtig: Das ist kein Hybrid, den man jemals an die Steckdose hängt. Und rein elektrisch durch die Stadt schleichen – um ahnungslose Fussgänger zu überraschen – klappt ebenfalls nicht. Der Wagen wird nie ausschliesslich vom E-Antrieb bewegt; das „EQ Boost“-System dient vor allem dazu, Start-Stopp-Vorgänge zu verfeinern und bei Autobahntempo das Segeln zu ermöglichen.
Also doch nicht komplett weichgespült.
Nein. Schon beim Losfahren wirkt das Auto gross und kräftig – genau das, was manche suchen. Der GLE kann dieses Auftreten auch glaubwürdig, und seine Historie reicht bis zum Mercedes ML der Neunziger zurück: einem der ersten wirklich noblen SUVs. Damit war er Mitgründer einer Klasse, zu der heute sogar Aston Martin, Lamborghini und Rolls-Royce in ihren gehobenen Ausprägungen zählen.
Allerdings: Die sehr dominante Präsenz des GLE 53 passt etwas schräg zu dem Parfüm, das während der Fahrt aus den Luftausströmern vernebelt wird – und natürlich auch zu den neuen Mildhybrid-Referenzen.
Wie fühlt sich die Hybrid-Unterstützung an?
Der Antriebsstrang wirkt erstaunlich souverän. Der elektrifizierte Anteil ist so fein eingewoben, dass man ihn im Alltag praktisch nur wahrnimmt, wenn a) es einem vorher jemand erklärt hat und b) man gezielt danach sucht – etwa in einem der vielen Ansichtsmodi der digitalen Rundinstrumente.
In einem AMG E53 Coupé fühlt sich diese Kombination richtig bullig an. Im GLE wird das Erlebnis jedoch durch das zusätzliche Gewicht und die weniger aerodynamische Silhouette naturgemäss etwas entschärft. Ja, er ist schnell genug – aber der Schockeffekt und das Staunen, das die Messlatte unter den kompromisslosen Performance-SUVs setzen, bleiben aus.
Das ist an sich in Ordnung – diese Rolle dürfte der GLE 63 sehr überzeugend übernehmen. Gleichzeitig stellt es aber die Frage, ob das AMG-Emblem hier so selbstverständlich wirkt wie bei den eher limousinenhaften 53ern.
Fahrverhalten: ordentlich, aber ohne Cayenne-Magie
Ähnlich fällt der Eindruck hinter dem Lenkrad aus: Wer noch nie einen schnellen SUV gefahren ist, könnte von der Sauberkeit im Handling überrascht sein. Wer allerdings die wichtigsten Rivalen kennt, wird kaum etwas finden, das wirklich verblüfft.
Für seine Grösse lenkt der GLE 53 zwar erstaunlich präzise – mehr aber auch nicht. Der „Zaubertrick“, bei dem ein grosses SUV gefühlt schrumpft, wie man ihn etwa von einem Porsche Cayenne oder Jaguar F-Pace kennt, stellt sich hier nicht ein.
Aber er ist doch grösser, oder?
Ja – und im Alltag auch klar praktischer. Weder der Jaguar noch der Porsche bieten sieben Sitze wie dieser GLE. Und ebenso wenig gleiten sie auf der Autobahn so gelassen dahin, wobei nur das unvermeidliche Abrollgeräusch von überdimensionierten Felgen und Performance-Reifen die Ruhe stört.
Auf einer unterhaltsamen Strecke zerlegt sich der 53 nicht, aber seine Wohlfühlzone liegt eindeutig dort, wo der Comfort-Modus aktiviert ist und man ihn als das nutzt, was er im Kern ist: ein grosser Familienkombi auf SUV-Art.
Genau deshalb würde ich Ihnen – falls fünf Sitze reichen – eher zum deutlich günstigeren Mercedes GLE 350de als echtem Hybrid raten. Wenn es zwingend sieben Sitze sein müssen, ist der etwas schwächere (aber £7,500 günstigere) GLE 450 mit ähnlich gelagerter Mildhybrid-Technik wie im 53 eine naheliegende Option. Vorausgesetzt, ich kann Sie nicht doch noch dazu verleiten, stattdessen das schnellere, sauberere, günstigere und optisch deutlich zurückhaltendere E‑Klasse T‑Modell in Betracht zu ziehen…
Ist das nicht das übliche Autojournalisten-Klischee?
Ist es – nur wird der Kern des Arguments dadurch nicht falsch. Der GLE ist objektiv betrachtet ziemlich gut in dem, was er sein will: ein „halbentrahmter“ Performance-SUV. Dafür bekommt er die untenstehende Wertung.
Subjektiv liefert er darüber hinaus allerdings nicht besonders viel: Dieses schwergewichtige Fahrgefühl und die wuchtige Optik werden manche Käufer zweifellos lieben – und ganz bewusst genau danach suchen.
Die Hybrid-Integration ist ohne Frage gelungen, aber die versprochenen 30mpg machen aus diesem AMG noch lange keinen deutlich grüneren Typen als die vorherige Ausführung. Am Ende ist das hier wohl vor allem ein Statusauto – denn wenn es das nicht wäre, würde man schlicht einen günstigeren, sparsameren Siebensitzer mit normalen Emblemen kaufen. Oder einen XC90.
6/10
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