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BMW X1: Ein seltsames Premium-SUV für junge Familien?

Weißer BMW SUV fährt auf einer unbefestigten Straße in ländlicher, grüner Umgebung.

Warum überhaupt ein BMW X1?

Gerade jetzt dürfte vielen zuerst ein einziges Wort durch den Kopf gehen: „warum?“ – womöglich eingeleitet von „Liebster“ und „Gott“. Der X1 ist das jüngste Mitglied einer immer länger werdenden Reihe von BMW-Modellen, die verwirren und zugleich verwirrend wirken. Ähnlich wie beim 5er GT braucht es einen zweiten Blick, um überhaupt zu begreifen, was man da vor sich hat. Braucht man eine Brille? Oder müsste bei BMW jemand medikamentös eingestellt werden?

Die Idee einer Mischform aus Pkw und SUV ist ohnehin schwer sauber zu fassen. Als Auto ist so etwas nicht so überzeugend wie ein richtiges Auto, und als SUV kommt es bei Weitem nicht an ein echtes SUV heran. Im Kern ist es ein Lifestyle-Statement – und das ist ein wackliges Konzept, egal wofür man sich damit inszeniert: ein neuartiger Klingelton, eine „verrückte“ Frisur. Wenn etwas nicht existiert, weil es nötig ist, sieht man damit schnell ein bisschen wie ein „Depp“ aus. Und ein kompaktes Pseudo-SUV zu rechtfertigen, ist nun einmal nicht ganz leicht.

Trotzdem gibt es eine naheliegende Begründung: Die bestehende X-Palette – X3, X5 und X6 – macht ein Fünftel der weltweiten BMW-Verkäufe aus. Rein betriebswirtschaftlich wird das unvermeidliche „warum?“ daher mit „warum denn nicht?“ abgeräumt. Der X1 dürfte sich massenhaft verkaufen.

BMW X1 Fahreindruck: Grösse, Gewicht und Motor

Am Steuer wirkt der X1 so gross, wie er aussieht. Also: nicht riesig, aber eben auch kein 1er. Die erhöhte Sitzposition dürfte dazu beitragen, genauso wie das Leergewicht von 1.670 kg. Das ist enorm viel für ein Auto, das zumindest dem Anspruch nach ein kleines sein soll.

Doch im Topmodell 123d, mit dem BMW zunächst startet, stehen 204 PS und rund 400 Nm zur Verfügung, und das mit typisch deutscher Vehemenz über eine geschmeidig schaltende Sechsstufen-Automatik. Beim Rangieren fühlt er sich zwar etwas bleiern an, aber unterwegs ist er wirklich flott. Und auch die klassischen Messwerte sehen ordentlich aus: 0–100 km/h in 7,3 Sekunden sowie 204 km/h Spitze.

Handling, Lenkung und Komfort

Trotz des Plus an Gewicht und Höhe gegenüber einem normalen 1er oder 3er erfüllt der X1 die bei BMW fast automatisch mitschwingende Erwartung an Fahrdynamik im Wesentlichen. Die Lenkung wirkt etwas unpräzise, was eher zum entspannten Reisen als zum besonders involvierten Fahren passt – und das ist in diesem Fall auch sinnvoll. Unabhängig davon liegt der X1 sehr satt auf der Strasse und wankt vergleichsweise wenig. Wenn BMW einem X5 gutes Handling beibringen kann, dann erst recht hier.

Die Kehrseite ist ein Fahrwerk, das einen Tick zu straff ausfällt: Mehr Vibrationen dringen in den Innenraum, als man bei einem Auto erwarten würde, das sonst ein so hohes Niveau an Kultiviertheit bietet.

Auch die Abrollgeräusche sind, alles in allem, etwas zu präsent – und das bereits auf 17-Zoll-Leichtmetallrädern, die optisch ehrlich gesagt gern deutlich grösser sein dürften. Konfiguriert man den X1 „richtig“ hoch, droht er zum echten Knochenrüttler zu werden.

Alltag im X1: Sicht, Fond und Kofferraum

Ein paar weitere Punkte sollte man ebenfalls nennen. Die Sicht nach hinten ist schlecht, und obwohl die Kopffreiheit passt, fehlt es grossgewachsenen Beinen im Fond an Platz. Für kleinere Kinder geht das in Ordnung, aber bei diesen Proportionen würde man eigentlich erwarten, dass auch Erwachsene hinten gut unterkommen.

Dafür gibt es einen riesigen Kofferraum: 420 Liter, und mit umgeklappten Rücksitzen auf mehr als das Dreifache. Durch die erhöhte Karosserie ist das Ganze zudem sehr bequem zu beladen.

Mit dem grossen Gepäckraum, der ebenfalls hoch bauenden Kabine, den (für SUV-Verhältnisse) kompakten Aussenmassen und dem sparsamen Diesel klingt der X1 damit plötzlich wie ein rundes Angebot für junge Familien.

Motorenplanung, Verbrauch und Antriebskonzepte

Und sobald das Modellprogramm richtig anläuft, dürfte dieses Argument noch stärker werden: BMW will den X1 auch mit kleineren Dieseln anbieten (Benziner sollen in Grossbritannien gar nicht kommen) und zudem mit einer günstigeren, besonders genügsamen Variante mit Hinterradantrieb, die sowohl Gewicht als auch Komplexität reduziert. Diese selteneren X1-Versionen sollen bis zu 5,2 l/100 km schaffen, ohne bei der Leistung allzu viel preiszugeben.

Preis und Konkurrenz in der kleinen SUV-Klasse

Allerdings gibt es einen Haken. Mit Preisen von 22.660 Pfund Sterling für den einfachen 18d (140 PS, Hinterradantrieb) bis 29.055 Pfund Sterling für den hier gefahrenen 23d mit Allradantrieb ist kein X1 wirklich günstig. BMW betont gern, dies sei das erste „Premium“-Auto in diesem Segment – wobei man anscheinend den Infiniti EX übersehen hat.

Und auch abseits der Neuwagenfrage: Wenn man, wie BMW es in seinen Vergleichsdaten tut, etwa den Volkswagen Tiguan als Referenz heranzieht, dann sollte man konsequenterweise ebenso den Land Rover Freelander nennen, der beim letzten Nachsehen ebenfalls ziemlich „premium“ unterwegs war. (Wobei ein Tiguan ja nun auch nicht gerade nach Verzicht riecht …)

Wie auch immer: In der Klasse der kleinen SUVs mangelt es nicht an Konkurrenz. Für BMW war es stets ein wunder Punkt, dass der X3 so teuer positioniert war. Jetzt, da man das korrigiert hat, könnten die BMW-Marketer durchaus Marktanteile von Land Rover und VW abknapsen – nicht zuletzt bei all jenen, die ungern in etwas gesehen werden, das sich sofort als „4x4“ etikettieren lässt.

Doch genau darin steckt auch ein Risiko. Den X1 sauber einzuordnen, ist schwierig; am ehesten passt noch „seltsam“ – und das wird nicht jedem gefallen. Denn mal ehrlich: Was spricht bei ähnlichem Geld gegen einen 3er Touring? Hinweis: absolut nichts. Und wenn man ein SUV-ähnliches Auto möchte, will man insgeheim womöglich doch ein richtiges SUV. Dann landet man wieder bei Freelander, Tiguan und Volvo XC60.

Keine Frage: Der BMW X1 ist ein gutes Produkt. Aber ist es eines, das tatsächlich jemand haben will?

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