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Paraxanthin als Koffein-Alternative in Energy-Drinks und Kaffee

Junger Mann arbeitet mit Laptop am Tisch, trinkt Wasser, mit Kaffee und Smartphone im hellen Raum.

Paraxanthin ist eine Verbindung, die der Körper ganz natürlich bildet, wenn er Koffein abbaut. Inzwischen taucht sie als Zutat in Energy-Drinks und vereinzelt sogar in Kaffeeprodukten auf – als mögliche Alternative zu Koffein.

Hersteller werben damit, dass der direkte Einsatz dieser Substanz eine gleichmässigere Wachheit liefern könne. Versprochen werden „fokussierte, saubere Energie“ sowie weniger Zittrigkeit und kein anschliessender „Crash“.

Einige Getränke- und Supplementmarken testen Paraxanthin inzwischen als Ersatz-Stimulans. Auch einzelne Kaffeeanbieter experimentieren damit und präsentieren es als anderen Weg, Wachheit zu erzeugen, ohne sich auf Koffein zu stützen.

Hintergrund ist die breitere Suche nach Alternativen zu Koffein: In einem umkämpften Markt wollen sich Getränkemarken abheben. Das passt zudem zum Trend „funktionaler“ Drinks, die besseren Fokus, anhaltende Energie oder andere Leistungsversprechen in den Vordergrund stellen.

Paraxanthin: Was es ist und warum es als Koffein-Alternative gilt

Die Grundidee ist nachvollziehbar: Paraxanthin ist für viele der stimulierenden Effekte verantwortlich, die Koffein nach dem Stoffwechsel im Körper entfaltet. Wenn man die Verbindung also direkt zuführt, könnte das eine ähnliche Wachheit erzeugen – möglicherweise mit weniger unerwünschten Begleiterscheinungen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Beleglage zu diesen Versprechen jedoch noch im Aufbau. Vieles von dem, was über Paraxanthin bekannt ist, stammt aus kleinen Studien oder aus Forschung, die ursprünglich darauf abzielte zu verstehen, wie der Körper Koffein verarbeitet.

Paraxanthin ist das wichtigste Abbauprodukt, das beim Koffeinstoffwechsel entsteht. Ähnlich wie Koffein steigert es die Wachheit, indem es Adenosin blockiert – einen Botenstoff im Gehirn, der im Tagesverlauf Schlafdruck mitaufbaut.

Wird die Adenosin-Signalgebung gedämpft, fühlen sich Menschen häufig wacher. Aufmerksamkeit und Reaktionszeit können sich vorübergehend verbessern.

Was Studien zu Paraxanthin und mentaler Leistung bisher zeigen

Erste Hinweise deuten darauf hin, dass Paraxanthin die geistige Leistungsfähigkeit schärfen könnte. In kleinen Untersuchungen wurden im Vergleich zu Placebo Verbesserungen bei Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Kurzzeitgedächtnis berichtet; teils hielten die Effekte bis zu sechs Stunden an, nachdem eine Kapsel mit 200mg eingenommen wurde.

Eine neuere Studie legt zudem nahe, dass Paraxanthin die kognitive Leistung nach körperlicher Belastung sogar stärker verbessern könnte als Koffein. Dennoch bleibt die Datenbasis begrenzt, und unabhängige Wiederholungen der Ergebnisse sind selten.

Weitere Studien, in denen Dosen von 200 bis 300mg geprüft werden, laufen derzeit oder sind kürzlich abgeschlossen worden. Diese sollten helfen, besser einzuordnen, wie sich die bisherigen Befunde auf den Alltag übertragen lassen.

Begrenzte Forschung

Abseits der möglichen Effekte auf Wachheit und Leistung ist weiterhin offen, wie sicher Paraxanthin insgesamt ist. Frühe Laborbefunde sprechen dafür, dass die Substanz die DNA nicht schädigt und in üblichen toxikologischen Tierversuchen als relativ sicher erscheint.

Das ist zwar ermutigend, stützt sich aber überwiegend auf Tierdaten – nicht auf langfristige Untersuchungen am Menschen. Zudem gibt es im Vergleich zu Koffein, zu dem jahrzehntelange Forschung vorliegt, deutlich weniger Studien mit Menschen.

Auch Behörden sind noch mit der Bewertung befasst. In Europa wird Paraxanthin derzeit als „neuartiges Lebensmittel“ geprüft. In der öffentlich zugänglichen Zusammenfassung dieser Bewertung wird festgehalten, dass kleine Kurzzeitstudien mit Erwachsenen, die bis zu 200mg pro Tag über eine Woche einnahmen, gut vertragen wurden.

Gleichzeitig betonen Regulierer, dass Paraxanthin keine lange Tradition als Lebensmittelzutat hat und daher ähnliche Vorsichtshinweise wie Koffein gelten sollten. Das bedeutet: nicht empfohlen für Kinder oder während der Schwangerschaft.

Einige paraxanthinhaltige Drinks liefern pro Portion etwa 200–300mg. Das liegt in einer Grössenordnung, die grob mit der stimulierenden Dosis von starkem Kaffee oder hochdosierten Energy-Drinks vergleichbar ist – und sollte in die gesamte tägliche Stimulanzienaufnahme eingerechnet werden.

„Sauber“ und „sanft“

Unternehmen beschreiben Produkte mit Paraxanthin häufig als „saubere“ oder sanftere Energie. Solche Begriffe haben jedoch keine festgelegte wissenschaftliche Bedeutung.

Einige Anwenderinnen und Anwender könnten Paraxanthin im Vergleich zu Koffein als gleichmässiger empfinden – im Sinne von weniger abruptem „Energieschub“. Belastbare, grosse und unabhängige Kopf-an-Kopf-Studien, die beide Substanzen direkt vergleichen, fehlen allerdings.

Untersuchungen, die Paraxanthin gezielt prüfen, zeigen, dass Effekte auf Aufmerksamkeit und Wachheit mehrere Stunden anhalten können – in etwa im Einklang mit den Zeitverläufen, die in kleinen experimentellen Studien berichtet wurden. Diese Studien liefen jedoch unter streng kontrollierten Bedingungen und nicht in typischen Alltagssituationen, in denen Menschen koffeinhaltige oder andere stimulierende Getränke konsumieren.

Bietet Paraxanthin also die „bessere“ Energie?

Für manche Menschen möglicherweise – doch die Evidenz entwickelt sich noch. Was Paraxanthin bislang nicht vorweisen kann, ist Koffeins umfangreiche Forschungshistorie zu Sicherheit und Leistungswirkung beim Menschen. Koffein wurde über Jahrzehnte hinweg in vielen Dosierungen, Bevölkerungsgruppen und realen Anwendungssituationen untersucht. Für Paraxanthin sind langfristige Humanstudien weiterhin rar.

Toxikologische Tierstudien wirken insgesamt beruhigend, und kurze Studien am Menschen sprechen für eine kurzfristige Verträglichkeit. Unklar ist jedoch nach wie vor, was passiert, wenn regelmässig hohe Mengen konsumiert werden – etwa mehrere Getränke, sodass täglich 300mg erreicht werden.

Da viele Menschen Stimulanzien täglich über Kaffee, Tee oder Energy-Drinks aufnehmen, könnten selbst kleine Unterschiede in der Wirkung auf Schlaf, Herzfrequenz oder Stoffwechsel auf Dauer relevant sein.

Vorerst ist es daher sinnvoll, Paraxanthin ähnlich wie Koffein zu behandeln: die niedrigste wirksame Dosis wählen, nicht spät am Tag einnehmen, nicht mit anderen Stimulanzien kombinieren sowie Schlaf und Regeneration schützen.

Die Zusage, Paraxanthin könne Zittrigkeit und Einbrüche vollständig verhindern, läuft derzeit allerdings der verfügbaren Wissenschaft voraus – und Langzeitdaten zur Sicherheit bei Dosen um 300mg sind weiterhin begrenzt.

Mayur Ranchordas, Professor für angewandte Sporternährung und Berater für Sporternährung, Sheffield Hallam University

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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