Jim Farley, der CEO von Ford, nimmt das Motto „Kennt eure Feinde“ offenbar wörtlich.
Im Podcast Everything Electric Show räumte der Ford-„Chef“ ein, dass er in den vergangenen sechs Monaten den Xiaomi SU7 gefahren ist – das erste Auto des chinesischen Tech-Konzerns – und davon begeistert ist.
Dass Hersteller Fahrzeuge der Konkurrenz kaufen, um sie auseinanderzunehmen, zu vermessen und zu bewerten, ist nichts Aussergewöhnliches. Das machen alle. Und angesichts der wachsenden Bedeutung der chinesischen Autoindustrie überrascht es kaum, wenn bei Ford auch Modelle aus China in der Garage stehen.
Ungewohnt ist dagegen, wenn der Vorstandschef eines globalen Herstellers wie Ford öffentlich so viel Anerkennung für genau diese Rivalen ausspricht. Genau das ist hier passiert.
Ausgangspunkt war das (inzwischen eingestellte) Apple-Auto, über das Farley sprach. Dabei kam er auf Xiaomi zu sprechen – ein weiteres Technologieunternehmen, das beschlossen hat, ein eigenes Auto zu bauen. Dieses Modell ist mittlerweile auf dem Markt und verkauft sich offenbar hervorragend.
„Das Auto von Xiaomi gibt es bereits, es ist fantastisch … Sie verkaufen 10.000, 20.000 pro Monat und sind für sechs Monate ausverkauft. Sie sind ein Gigant in der Industrie“, sagte Jim Farley im Podcast.
„Importiert von Shanghai nach Chicago“: Farleys persönliche „Beichte“ zum Xiaomi SU7
„Ich spreche nicht gern viel über die Konkurrenz, aber ich fahre den Xiaomi. Wir haben einen aus Shanghai nach Chicago importiert und ich fahre ihn seit sechs Monaten – und ich will ihn nicht wieder hergeben.“
Jim Farley, CEO von Ford
Farley nutzt den Xiaomi SU7 nach eigenen Angaben regelmässig und erklärt, ihn hätten vor allem Qualität und Leistung der chinesischen Elektro-Limousine beeindruckt. Der Kern seiner positiven Einschätzung bleibt jedoch pragmatisch: Die Konkurrenz genau zu verstehen, um sie am Ende schlagen zu können.
Geschichte wiederholt sich
Jim Farley gilt als Branchenveteran. Bevor er die Führung bei Ford übernahm, war er zwei Jahrzehnte bei Toyota in den USA tätig – zu einer Zeit, als der Hersteller dort erst richtig Fuss fasste. Er hat damit aus nächster Nähe erlebt, wie japanische Autobauer aufstiegen und sich heute eine starke Position im US-Markt erarbeitet haben.
„I try to drive everything we compete against. Have done it my whole career. Specs can tell part of a story, but you’ve got to get behind the wheel to truly understand and beat the competition.“
- Jim Farley (@jimfarley98) October 23, 2024
Er erinnert daran, dass die „Big Three“ (GM, Ford und Chrysler) die japanische Konkurrenz damals unterschätzt hätten – mit langfristigen Folgen für die US-Autoindustrie. Genau dieses Muster soll sich aus seiner Sicht mit der bevorstehenden Welle chinesischer Hersteller nicht wiederholen.
Der intensive Umgang mit dem Xiaomi SU7 ist für ihn deshalb nur ein Baustein in einer breiteren Vorbereitung auf neue Wettbewerber, die – wie er bei anderer Gelegenheit eingeräumt hat – „uns voraus sind“.
Skunkworks in Kalifornien: Fords Antwort auf Xiaomi, BYD und neue Rivalen
Aus diesem Grund hat Farley auch ein spezielles Team aufgebaut: eine abgeschottete Einheit mit Sitz in Kalifornien, angelehnt an die „Skunkworks“ von Lockheed – jenes Programm, aus dem unter anderem die SR-71 Blackbird hervorging. Der Auftrag dieser Gruppe: eine neue Generation von Elektroautos zu entwickeln, die gegen die neuen chinesischen Herausforderer bestehen kann – nicht nur gegen Xiaomi, sondern auch gegen BYD.
Farley spricht zudem offen darüber, wie schwer sich klassische Hersteller damit tun, sich auf die Geschwindigkeit und Herangehensweise chinesischer Start-ups einzustellen. Gerade deshalb greift er zu Massnahmen, die für einen etablierten Autobauer eher untypisch wirken.
„Schauen Sie sich Volkswagen mit der MEB und so viele andere westliche Unternehmen an, die versucht haben, in China zu konkurrieren, und jetzt chinesische Plattformen übernehmen, weil sie es nicht geschafft haben“, sagt er und schliesst: „Wir haben das alles gesehen und gesagt: Wir brauchen einen anderen Ansatz.“
Unter Farleys Führung ignoriert Ford die Bedrohung also nicht, sondern analysiert sie gezielt – um zu verstehen, was die neuen Rivalen so wettbewerbsfähig macht.
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