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Jaguar XKR-S: der laute GT mit 542bhp

Weißer Jaguar Sportwagen auf nasser kurviger Bergstraße bei Nebel und Bäumen.

Klang und Auftreten des Jaguar XKR-S

Das Geräusch trifft einen unvorbereitet. Ein normaler Jaguar XKR wirkt kultiviert und geschmeidig – nicht unbedingt flüsterleise, aber jederzeit souverän. Der neue XKR-S hingegen benimmt sich wie ein hustender, knallender, spritverschlingender Irrläufer: Bei jeder Gelegenheit drückt er ein metallisch scharfes Brüllen heraus und bewegt sich so dezent wie ein übermotivierter Kettensägen-Azubi in einer öffentlichen Bibliothek.

Daran erkennt man sofort, worum es beim XKR-S geht – im Grunde ist er der XKR, bei dem man sprichwörtlich alle Regler bis auf 11 aufdreht. Mit 542bhp und einer Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h ist er allerdings nicht, wie es Marketing-Leute gern darstellen, der schnellste und stärkste Jaguar aller Zeiten: Der XJ220 aus dem Jahr 1991 brachte es auf die gleiche Leistung und lief bei Vollgas 349 km/h.

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Technik, Aerodynamik und Fahrleistungen

Trotzdem ist das Ganze eine messerscharfe Angelegenheit. Eine neue Motorabstimmung und eine überarbeitete Abgasanlage heben die Leistung um 32bhp gegenüber dem XKR an. Der fest montierte Carbon-Heckflügel und die senkrechten Luftauslässe links und rechts neben dem weit aufgerissenen „Maul“ schaden zwar ein wenig den eleganten Coupé-Linien, senken dafür aber den Auftrieb bei hohem Tempo um 26 Prozent.

Vorn kommt straffere Aufhängung hinzu, die Federn sprechen um 26 Prozent direkter an, dazu leichte 20-Zoll-Felgen – in Summe reicht das für 0–100 km/h in 4,2 Sekunden und eine Nordschleife-Runde in unter acht Minuten.

Fahrgefühl auf Landstrasse und Autobahn

Man könnte befürchten, dass der XKR-S damit in eine heikle Rolle rutscht. Der XKR hat sich traditionell aus der rennstreckenfixierten Prügelei herausgehalten und stattdessen seine Nische als extrem schneller Gran Turismo gefunden. Hat der aufpumpte Jaguar am Ende sein Alleinstellungsmerkmal vergessen?

Entwarnung. Der XKR-S bewahrt die typische Jaguar-Feinheit im Federungskomfort: straff, aber nie ruppig; satt auf der Strasse, aber nicht unnachgiebig. Klar, er fühlt sich deutlich fester an als der XKR, doch spröde wird er nicht. Niemand dämpft besser als Jaguar … und kaum jemand baut einen besseren Kompressor-Motor. Wenn der 5,0-Liter-V8 jenseits von 4.500/min richtig Druck macht, stapelt sich Tempo derart schnell, dass die Umgebung leicht verschwimmt – begleitet vom Kreischen des Laders und dem leicht beunruhigenden Eindruck, der Horizont würde mit zunehmender Geschwindigkeit die Frontscheibe angreifen.

Genau diese Wucht erwartet man. Überraschender ist, wie viel handlicher der XKR-S auf engen, kurvigen Strassen wirkt als der XKR: Er duckt sich deutlich williger in Kurven, fühlt sich insgesamt kompakter an, als es seine grosszügigen Abmessungen vermuten lassen, und bietet enormen Grip. Die breiteren Hinterreifen krallen sich selbst in kalten, feuchten Asphalt mit fast unglaubwürdiger Hartnäckigkeit. Einziger Haken: die Lenkung. Um bei den Extremgeschwindigkeiten des XKR-S etwas Nervosität herauszunehmen, wurde sie minimal beruhigt – dadurch fehlt ihr ein Hauch Rückmeldung.

Preis und Konkurrenz

Und dann ist da noch ein zweites Problem, das sich ungefähr so liest: £97,000. Das ist ein ernstes Preisschild – £20,000 über dem normalen XKR – und damit bewegt sich der Jaguar in einem Revier mit schwerem Gerät: Audi R8 V10, ein üppig ausgestatteter Porsche 911 GT3 und vor allem der neue Aston Martin Vantage S.

Trotzdem ist der XKR-S mehr als gut genug, um in dieser Gesellschaft zu bestehen. Auf der Autobahn glänzt er ebenso wie auf einem Alpenpass – einer dieser wirklich grossen GTs. Und dieses Geräusch gibt’s obendrauf.

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