In Grossbritannien gilt man nicht gerade als besonders vernarrt in Automatik-Sportwagen. Trotzdem bekommt man einen Ferrari längst nicht mehr mit Handschaltung, und sogar 40 Prozent der hier verkauften Porsche 911 rollen mit Automatik vom Hof. In Ländern wie den USA liegt der Anteil bei Sportwagen fast bei 100 Prozent mit Selbstschalter. Dass Lotus dem Evora nun ebenfalls eine Automatik spendiert, ist daher eigentlich keine Sensation – auch wenn die letzte Lotus-Automatik aus einer Zeit stammt, in der Maggie Thatcher regierte und Sakkos mit hochgekrempelten Ärmeln als angesagt galten.
Automatik im Lotus Evora: IPS statt Handschaltung
Damit also willkommen beim Evora Intelligent Precision Shift (IPS) – für £1,800 Aufpreis (zuzüglich £49,600 für das Auto selbst). Weil Lotus Motoren von Toyota einsetzt – hier einen 3,5-Liter-V6 – kommt folgerichtig auch ein Toyota-Wandlerautomatikgetriebe zum Einsatz. Dieses Zusammenspiel funktioniert nicht nur grundsätzlich sehr gut; auch in Sachen Zuverlässigkeit muss man sich keine Sorgen machen. Wie üblich hat Lotus jedoch die Elektronik dieser Sechsgang-Automatik eigenständig überarbeitet, sodass sie nur noch wenig mit dem zu tun haben soll, was man aus einem Camry-Mietwagen in den USA kennen könnte.
Überarbeitete Steuerung: sportlichere Schaltlogik
Die wichtigste Änderung betrifft die Transmission Control Unit – also die Logik dahinter, welcher Gang wann gewählt wird. Genau diese Entscheidungsfindung ist nun deutlich sportlicher ausgelegt. Selbst im normalen Modus ‘D’ gibt es eine Ganghaltefunktion: Mitten in der Kurve soll es kein unangenehmes Hochschalten geben, weil das Getriebe erkennt, dass man gerade in einem verwinkelten Abschnitt unterwegs ist, und den Gang stehen lässt. Ausserdem wurden die eigentlichen Schaltvorgänge straffer abgestimmt – man spürt deutlich, wenn die Automatik die Gänge wechselt.
Fahrgefühl in ‘D’ und ‘Sport’: Theorie vs. Alltag
Auf dem Papier klingt das hervorragend, in der Praxis überzeugt es weniger. ‘D’ müsste komfortabler sein, und das Getriebe sollte sich eher unauffällig verhalten – genau dafür entscheidet man sich ja für eine Automatik. Beim Evora gibt es jedoch zwischen den einzelnen Rückschaltungen spürbare Nickbewegungen, bis hin zum klassischen „Wackelkopf“-Effekt. Und trotz der beschriebenen Ganghalte-Strategie pendelt das IPS beim zügigeren Fahren noch zu häufig zwischen den Gängen.
Drückt man ‘Sport’, wirkt das Setup stimmiger. Zieht man an den gummierten Schaltwippen, wechselt das System in den vollständigen manuellen Modus; selbst am Drehzahlbegrenzer schaltet es dann nicht eigenständig hoch. Ausgerechnet für eine Automatik ist das genau der Bereich, in dem dieses Getriebe am besten funktioniert.
Was insgesamt dennoch beeindruckt: Die Automatik fühlt sich im Evora nicht fehl am Platz an. Der Wagen wirkt schneller, weil man häufiger im kräftigen Bereich der Leistungskurve bleibt. Und dass hier ein Wandler statt eines modernen Doppelkupplungsgetriebes arbeitet, fällt weniger ins Gewicht – man spürt klar, dass Lotus dem Ganzen seinen eigenen Charakter mitgegeben hat.
Trotzdem würden wir weiterhin zur Handschaltung greifen. Es gibt einfach Autos, die ein echter Autofreund nicht mit Automatik bestellen sollte. Und der Evora gehört dazu.
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