Imageproblem und Anspruch
Eine kleine Umfrage vor Ort zeigt, welche Begriffe viele spontan mit Lexus verbinden: „weich“, „komfortabel“, „rentnerhaft“, „zuverlässig“, „Kassettendeck“ und „Zahnarzt“. Das lässt die Marke klingen wie ein Seniorenheim auf Rädern. Ob man schon einmal über einen Lexus nachgedacht hat? Wahrscheinlich. Und dann wurde es doch ein BMW oder Audi.
Lexus will, dass wir diese Vorurteile über Bord werfen. Der neue GS soll dabei als Speerspitze einer frisch polierten Neuausrichtung dienen. Im Mittelpunkt steht hier der GS450h F-Sport: vollgestopft mit smarter Technik und mit einer der aggressivsten Frontschürzen, die je an einem Serienauto zu sehen war. Die übrige Startpalette – ein GS450h ohne F-Sport und der GS250 als 2,5‑Liter‑V6‑Benziner mit 205 PS – wirkt optisch weniger einschüchternd, bekommt aber ebenso ein deutliches Update. Bedeutet: neue Plattform, komplett neu gestaltete Innen- und Aussenbereiche sowie überarbeitete Antriebe.
Antrieb: Lexus Hybrid Drive im GS450h
Im GS450h arbeitet eine neue Ausbaustufe des Lexus Hybrid Drive: ein 3,5‑Liter‑V6‑Benziner im Atkinson‑Zyklus zusammen mit einem Elektromotor – zusammen 338 PS, je nach Leistungsabruf auch mit Solo-Betrieb. Für die Energiespeicherung sind Nickel‑Metallhydrid‑Batterien zuständig, und ein sequenzielles Sechsgang‑E‑CVT übernimmt die Kraftverteilung an die Hinterräder. Unterm Strich ergibt das eine angenehm schnelle Limousine – und für einen Hybrid sogar eine besonders flotte: 0–100 km/h in 5,9 Sekunden, abgeregelt bei 250 km/h. Bis hierhin passt alles.
Fahrwerk und Lenkung im GS450h F-Sport
Auch danach bleibt der Eindruck positiv. Der GS450h war schon immer zügig unterwegs, doch früher hatte man das Gefühl, dass er sich beim beherzten Fahren schnell ausserhalb seiner Komfortzone bewegt. Jetzt wirkt er klar entschlossener.
Serienmässig erhalten alle Modelle eine adaptive, variable Abstimmung. Der F-Sport legt jedoch nach und bringt Lexus Dynamic Handling mit: dynamische Hinterachslenkung, ein Lenkgetriebe mit variabler Übersetzung und elektrische Servolenkung. Übersetzt heisst das: Unter 80 km/h lenken die Hinterräder gegenläufig zu den Vorderrädern, um das Auto wendiger wirken zu lassen; bei höherem Tempo lenken sie gleichsinnig für mehr Stabilität. Zusätzlich verändert die elektrische Lenkung je nach Situation Übersetzung und Gewichtung. Das funktioniert gut – spürbarer als zuvor und eindeutig dynamischer. Gleichzeitig bleibt es ein komplexes System, dem naturgemäss nicht in jeder Situation eine ganz organische Leichtigkeit gelingt.
Innenraum, Platzangebot und Technik
Auch innen hat Lexus kräftig umgebaut. Das Batteriepaket wird nun gestapelt statt flach im Heck ausgelegt – dadurch gibt es deutlich mehr Kofferraum und mehr Kniefreiheit im gesamten Innenraum.
Das Cockpit wirkt europäischer im Sinne von durchdacht und zurückhaltend. Ein grosses 31,2‑cm‑Display (12,3 Zoll) dominiert das Armaturenbrett; die Materialanmutung ist durchweg hochwertig. Dazu kommt eine üppige Serienausstattung mit jeder Menge auf Komfort getrimmter Tasten, wie man sie sich wünschen kann.
Damit wird der GS450h F-Sport zu einem sehr angenehmen Sport‑Cruiser, mit dem man sich leise und grosszügig fortbewegen kann. Im Alltag ist er schnell und ruhig, abgesehen vom F-Sport-Auftritt ein wenig anonym, eher zackig als brachial, insgesamt recht effizient – und als Begleiter ausgesprochen angenehm.
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