Einordnung im Modellprogramm
Oh, ein neuer Maserati. Erzähl weiter …
Ganz so neu ist er nicht: Im Kern steht hier weiterhin derselbe GranTurismo, den Maserati seit 2007 im Programm hat – nur eben in besser. Der Sport rückt an die Stelle der bisherigen S-Varianten und besetzt damit die Mitte der Baureihe. Genau dort soll er als wichtigstes Modell zwischen der eher schlichten 4,2-Liter-Version und dem kompromisslosen MC die Hauptrolle spielen – und die meisten Käufer anziehen.
Unter der Haube arbeitet im Grunde derselbe 4,7-Liter-V8 wie zuvor in den S-Modellen, allerdings mit überarbeiteten Kolben, neuer Motorabstimmung und einem angepassten Verbrennungsablauf. Das Ergebnis: 453 bhp, also 20 bhp mehr als beim S. Damit liegt er auf dem Niveau des MC Stradale – zumindest bis dieser später in diesem Jahr noch einmal eine zusätzliche Leistungsportion erhält.
Design und Innenraum
Sieht er wenigstens anders aus, oder?
Richtig erkannt. Der Sport übernimmt mehrere Elemente aus dem MC-Look, allen voran große Teile der Frontschürze. Neu sind dort die säbelförmigen Lufteinlässe links und rechts unter den Scheinwerfern – die Scheinwerfer selbst sind ebenfalls neu und haben integrierte LEDs.
An den Flanken fallen tiefere, stärker modellierte Seitenschweller auf. Hinten gibt es getönte Rückleuchten mit LEDs und eine Heckschürze, aus der nun schwarze, ovale Endrohre herausragen. Die Leichtmetallräder kommen in neu gezeichneten Designs, außerdem steht ein neues Blau für die Lackierung bereit – passend dazu sind blaue Bremssättel optional.
Im Innenraum wirken die Sitze schlanker, was hinten ein paar Zentimeter zusätzliche Beinfreiheit schafft. Dazu kommt ein Lenkrad mit abgeflachtem unteren Bereich. Insgesamt tritt der Sport optisch bissiger auf als der S, ohne die ganz harte Aggression des MC zu übernehmen.
Galerie: der neue Maserati GranTurismo Sport
Klang und Charakter
Und wie fährt er sich?
Fangen wir beim Sound an – das ist hier das Highlight. Zuerst drückt man die Sport-Taste, damit die Abgasanlage ihre Klappen öffnet und hörbar „freier atmet“. Beim Anfahren mit einem leichten Gasstoß klingt er wie ein gähnender Löwe. Mit mehr Druck aufs Pedal schwingt etwas von Chewbacca, dem Wookie, mit – in seiner wohlklingendsten Form. Wer weiter beschleunigt, bewegt sich über einen wilden Tiger, der zunehmend härter und wütender wird, bis der große V8 die Abgasanlage förmlich übersingt und man bei einem hungrigen T-Rex landet.
Wer sich in einem Umkreis von gut anderthalb Kilometern aufhält, könnte glauben, er sei aus Versehen in einem seltsamen Safaripark gelandet. Und würde einem dann vermutlich noch zujubeln, wenn man vorbeifliegt.
Fahrleistungen und Fahrwerk
Dann muss er ja schnell sein?
Der GranTurismo war schon immer eher ein sehr schneller Gran Turismo als ein messerscharfer Sportwagen. Dieser hier legt bei der Beschleunigung etwas zu: Durch die Mehrleistung sinkt die Zeit von 0–100 km/h von 4,9 Sekunden auf 4,7 Sekunden mit dem MC-Shift-Getriebe und auf 4,8 Sekunden mit der klassischen Automatik.
Auch die Präzision nimmt leicht zu. Die kontinuierlich adaptive „Skyhook“-Aufhängung gehört jetzt zur Serienausstattung (gut so). Zusätzlich sorgen straffere Federn und Stabilisatoren dafür, dass das Auto insgesamt um 10 Prozent steifer ausfällt – wobei man dafür vermutlich eine bionische Verbindung zum Fahrwerk und einen Rennfahrer-Hintern bräuchte, um den Unterschied wirklich klar herauszufühlen.
Mit 1.780 kg bleibt das Coupé dennoch ein ordentliches Schwergewicht. Neue Brembo-Bremsen helfen jedoch, mehr Masse als bisher wegzubügeln. Das sind keine Revolutionen gegenüber dem Vorgänger, eher kleine Fortschritte – aber solche, die man gern mitnimmt.
Getriebe: MC Shift oder Automatik?
Welches Getriebe ist die bessere Wahl?
Das hängt davon ab, wie sehr man es krachen lassen will. Das sechsstufige MC Shift ist ein robotisiertes Schaltgetriebe, das es schon länger gibt. Für den Sport wurde allerdings die Software überarbeitet, wodurch die Schaltzeiten auf 100 Millisekunden sinken – also ein Zehntel einer Sekunde.
Volllast-Hochschalten steckt es weg, doch wer das oft nutzt, riskiert, dass der Kopf regelmäßig sehr innig mit der Kopfstütze Bekanntschaft macht. Das Ganze hat etwas von einem Rabauken: dramatisch, ziemlich beeindruckend – und gleichzeitig ein wenig ruppig. Immerhin zeigt es sich bei niedrigen Geschwindigkeiten sanfter als zuvor. Trotzdem wirkt es insgesamt nicht ganz stimmig zur Grundidee dieses Autos.
Die günstigere (um £3.330) klassische Sechsstufen-Wandlerautomatik passt charakterlich besser. Sie schaltet auf der Straße so schnell, wie es ein vernünftiger Mensch verlangen würde, und verweigert eine Aufforderung nur selten (zur Not greift man über die langen, sichelförmigen Schaltpaddel ein). Außerdem ist sie mit etwas weicherer Abstimmung der Federung gekoppelt – was dem GranTurismo ebenfalls entgegenkommt.
Kaufgedanken
Also Scheckbuch zücken?
Moment. Auf schmalen Straßen wirkt der Sport nach wie vor ein wenig gehemmt: Die Lenkung ist recht langsam, in engen Kurven muss man viel kurbeln, und auf wirklich verwinkelten Passagen lässt sich das Gewicht am Ende nicht wegdiskutieren (für genau solche Kicks sollte man eher zum überrollbügelbewährten MC Stradale schauen).
Sobald der Asphalt jedoch offen und weit geschwungen ist, spielt der GranTurismo groß auf – ein Auto, das mühelos ein ganzes Land zum Mittagessen verschlingen könnte und vielleicht noch Wales als Dessert anknabbert. Er ist unbestreitbar hübsch und scheint mit den Jahren sogar besser zu werden, auch wenn Armaturenbrett und Tasten durchaus eine Frischzellenkur vertragen könnten.
Und er bleibt ein ernstzunehmender Gegner für Autos wie den Jag XKR, Aston DB9 oder – vielleicht, ganz vielleicht – einen Porsche 911. Mit £90.390 für die reguläre Automatik verlangt er allerdings nach etwas mehr finanziellem Einsatz. Aber dann … schau ihn dir an. Und hör ihn dir an. Verführerisch bleibt er schon, oder?
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