Abschied vom 5,0‑Liter‑V8 im Jaguar XJ
Wer als unbekümmerter britischer Lebemann schon immer von einem herrlich ungehobelten, grossen V8 im Jaguar geträumt hat, muss jetzt stark sein: Im XJ ist der frei saugende 5,0‑Liter‑V8 Geschichte – erledigt, vorbei – und macht Platz für einen neuen, aufgeladenen 3,0‑Liter‑V6.
Der aufgeladene 3,0‑Liter‑V6: Leistung, Verbrauch und CO₂
Glänzend neu ist er, ganz so stark wie der ölige V8, den er verdrängt, jedoch nicht: Der V6 kommt auf 340bhp, während der V8 380bhp lieferte – und beim Drehmoment fehlen ebenfalls ein paar Einheiten. Dafür folgt er dem Zeitgeist: deutlich sparsamer, deutlich sauberer. Jaguar nennt 30mpg und einen nicht völlig peinlichen CO2‑Ausstoss von 224g/km.
Dem Hersteller muss man zugutehalten, dass er diese Zylinderkur nicht als „Hubraumverkleinerung“ oder einen ähnlich modischen Begriff verkauft. Man bekommt eher den Eindruck, die bessere mpg‑Zahl diene weniger dazu, Geld zu sparen und den Planeten zu retten – und mehr dazu, die Zeit zu verkürzen, die man an Tankstellen in der Nähe schwitzender Werktätiger verbringt.
Fahrgefühl im XJ: Laufkultur, Achtgang-Automatik und Ruhe im Innenraum
Den V8 sollte man ohnehin nicht allzu sehr beweinen (zumal es im XJ‑SS weiterhin eine aufgeladene Variante gibt). Der neue V6 ist nämlich ein richtig gutes Aggregat: seidig, kräftig und obenrum überraschend wildäugig, wenn die Drehzahl steigt. Was ihm fehlt, ist dieses mühelose, wuchtige Schieben von ganz unten, das den V8 so lässig machte. Seine im Vergleich geringere Drehmomentfülle wird zudem dadurch betont, dass die neue Achtgang-Automatik bei jeder Gelegenheit entschlossen den höchstmöglichen Gang einlegt.
Trotzdem klingt er hervorragend – zumindest das bisschen, das man davon im hermetisch abgeriegelten Bunker namens XJ‑Innenraum überhaupt mitbekommt. Jaguar hat Federraten und Dämpferabstimmung überarbeitet, um das Fahrgeräusch weiter zu senken; und auch wenn wir lügen müssten, würden wir behaupten, den Unterschied klar herauszuhören, bleibt der XJ ein ausgesprochen stiller Ort, selbst bei hier bitte das in Ihrem Land zulässige Tempolimit einsetzen.
Und ehrlich: Für eine fünf Meter lange Limousine ist das genau die Leistung, die man jemals braucht. Von 0–62mph geht es in 5.7 Sekunden – nur ein paar Zehntel langsamer als mit dem alten V8.
Für wen der V6 gedacht ist: Diesel in Grossbritannien, Benzin in China und den USA
Trotzdem gilt: Wenn Sie wirklich ein britischer Lebemann sind und kein ausländischer Hochstapler, werden Sie in der Praxis kaum über einen Benzin‑XJ nachdenken – egal ob V8, V6 oder sonst etwas. In Grossbritannien kauft praktisch jeder den Diesel‑XJ, also den mit Jaguars feinem 3,0‑Liter‑V6. Jaguar rechnet damit, dass weniger als einer von 10 britischen XJ‑Käufern zum Benziner greift.
Dieser neue Motor zielt vielmehr direkt auf China, wo sich die Jaguar‑Verkäufe seit dem vergangenen Jahr nahezu verdoppelt haben, und auf die USA – ein Markt, in dem ein V6 als Mindestanforderung für einen Benzinmotor gilt (unter sechs Zylindern ist man entweder ein Hippie oder ein Kommunist).
Warum Sie trotzdem hinschauen sollten: Der V6 im kommenden Jaguar F‑Type
Selbst wenn Sie also – ausser Sie planen die Auswanderung – den XJ mit diesem Triebwerk nicht kaufen werden, gibt es einen weiteren Grund, warum dieser scharfe Kompressor‑V6 wichtig ist: Er wird auch im kommenden F‑Type von Jaguar die Hauptrolle spielen, dem zweisitzigen Rivalen von Porsche Cayman und Boxster. In einem so leichten und handlichen Auto, wie der F‑Type werden sollte, dürfte der V6 zur Bestie werden.
In dieser Abstimmung liefert er bereits 15bhp und 59lb ft Drehmoment mehr als der starke Cayman, der R. „Mach dich bereit, Britannien…“
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