Tucson: Ein Name aus der Vergangenheit
Tucson? Dieser Name klingt nach früher…
Stimmt. 2009 hatte der Hyundai ix35 den letzten Tucson abgelöst – und nun belebt der koreanische Hersteller die Bezeichnung für den Nachfolger wieder. Dahinter steckt eine klare Ansage: Hyundai will den Nissan Qashqai ernsthaft unter Druck setzen.
Design und Grösse des Hyundai Tucson im Vergleich zum Santa Fe
Sieht dem Santa Fe ziemlich ähnlich, oder?
Ja – und genau das ist beabsichtigt. Der neue Hyundai Tucson soll als „kleiner Santa Fe“ wahrgenommen werden. Nebeneinandergestellt fällt ausserdem auf: Bei der Gesamtabmessung trennen die beiden gar nicht so viel. Optisch wirkt das kompaktere Modell sogar stimmiger proportioniert – mit kürzeren Überhängen und prägnanteren Linien.
Also grösser als der Hyundai ix35?
Ein wenig. Gegenüber dem Vorgänger ist der neue Tucson 30 mm breiter und 65 mm länger. Von diesen 65 mm entfallen 30 mm auf den Radstand, was sich direkt im Innenraum auszahlt. Hinten gibt es spürbar mehr Beinfreiheit als im ix35 – und sogar mehr als im Qashqai.
Mit 513 Litern Kofferraumvolumen liegt der neue Tucson auch hier vor dem Nissan. Der Zugang erfolgt über eine weit öffnende Heckklappe – bei der nobelsten Ausführung elektrisch betätigt. Ausserdem lassen sich die Rückenlehnen der Rückbank per Hebelzug komplett eben umklappen.
Innenraum, Ausstattung und Infotainment
Wie ist es vorn?
Richtig angenehm – zumindest in den von uns bei der Vorstellung gefahrenen, üppig ausstaffierten Premium-SE-Versionen. Dort gab es beheizte und belüftete Ledersitze sowie praktisch jedes denkbare Extra.
Die Topmodelle starten bei stattlichen £28,345 – fast zehntausend Pfund über dem Einstiegspreis des Tucson. Entsprechend erwartet auch Hyundai selbst nicht, davon viele zu verkaufen. Als Volumenmodell gilt vielmehr der SE Nav, der bei £21,295 beginnt und – wie der Name schon sagt – ein Navigationssystem mitbringt. Es handelt sich um ein schickes neues Acht-Zoll-Touchscreen-System, entwickelt von TomTom.
Beim Qualitätsgefühl knüpft der Tucson dort an, wo der Santa Fe aufgehört hat: logisch angeordnete, angenehm griffige Bedienelemente und mehr Soft-Touch-Materialien als bei den meisten Konkurrenten im Segment. Unterm Strich ist das ein sehr hochwertig wirkendes Cockpit.
Fahrverhalten, Motoren und Allradtechnik
Und fährt er sich gut?
Überwiegend ja – mit der Einschränkung, dass unsere Fahrzeit auf höher positionierte Varianten mit Allradantrieb begrenzt war. Dazu zählten der neue 1,6-Liter-Turbobenziner mit 174 bhp (laufruhig, aber in Grossbritannien wird ihn wohl kaum jemand kaufen) sowie der 2,0-Liter-CRDi-Diesel an der Spitze des Programms mit 182 bhp und 295 lb-ft Drehmoment (rund 400 Nm). Die meisten Käufer werden hingegen beim Frontantrieb bleiben und zum eher schlicht ausgestatteten 1,7-Liter-Diesel „alter Schule“ greifen – ausser sie müssen regelmässig ziehen oder wohnen in schneereichen Bergregionen.
Das Allradsystem bietet einen Sperrmodus, der 50 Prozent der Motorleistung an die Hinterräder zwingt – gedacht für rutschige Situationen bei niedrigen Geschwindigkeiten.
Insgesamt gibt sich der Tucson fahrdynamisch kompetent, mit guter Karosseriekontrolle und stimmiger Dämpfung. Auch die Geräuschdämmung überzeugt: wenig Lärm, wenig Störungen von aussen.
Selbst auf 19-Zoll-Rädern fuhr sich der von uns bewegte Diesel bemerkenswert komfortabel. Merkwürdigerweise polterte die Benzinversion in der Stadt dagegen etwas. Die Lenkung wirkt zudem eigenartig: Im Sport-Modus wird sie unangenehm schwer und fühlt sich künstlich an. Und der Spurhalteassistent (Serie ab SE und höher) mischt sich sehr eifrig ein – was manchmal das seltsame Gefühl erzeugt, das Auto wolle für einen selbst lenken.
Tucson oder Nissan Qashqai?
Also: Tucson oder Qashqai?
Keine leichte Entscheidung. Im Moment tendieren wir zum neuen Hyundai – nicht zuletzt wegen der fünfjährigen Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Das endgültige Urteil fällt aber erst, wenn wir eine repräsentativere Tucson-Version auf britischen Strassen gefahren sind.
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