Seltenheit: Exklusivität oder Flop?
Heute passt alles: Die Sonne steht am Himmel, die Luft ist angenehm mild, und ein kleiner Roadster ist genau das Auto, das ich in diesem Moment haben will – nicht mehr und nicht weniger. Zwei Sitze reichen völlig. Ein Supersportwagen ist es nicht, aber – um diese grauenhafte Floskel zu bemühen – er ist so schnell, wie es die Umstände zulassen. (Und ein bisschen darüber hinaus.)
Die Strassen hier sind kurvig und machen Lust aufs Fahren, zugleich aber schmal und stellenweise holprig. Umso besser, dass ich nicht in etwas besonders Flachem oder Breitem unterwegs bin. Die Landschaft wirkt wie frisch gewaschen, in der Luft liegen die Gerüche des frühen Frühlings. Oberflächlich betrachtet: Traumtag. Nur ist es ein Traum, der in den Köpfen vieler kaum noch vorkommt.
Denn wenn etwas selten ist – liegt das an echter Exklusivität, oder daran, dass es niemand wollte? Man nehme einen kleinen, vom Kleinwagen abgeleiteten Zweisitzer-Roadster. Der Renault Wind hat gerade sein letztes Hupen von sich gegeben: In Grossbritannien wurde er mangels Interesse aus dem Programm genommen. Ford StreetKa und Fiat Barchetta sind längst Vergangenheit. Und wer erinnert sich noch an den Honda CRX del Sol? Solche kleinen Autos setzen sich meistens nicht durch.
Mini (BMW Group) und der Schritt in Nischen
Trotzdem hat die BMW-Mini-Gruppe oft das Talent, dorthin vorzudringen, wo andere scheitern – und die Kundschaft nimmt es dankbar an. Ausnahmen gab es natürlich: Einen 5er Gran Turismo sieht man kaum noch, und der Mini Clubman ist auch nicht gerade allgegenwärtig. Aber wenn man darauf wetten müsste, wer mit einem Produkt in einem schwierigen Segment Erfolg haben kann, würde man dieses Team nicht unterschätzen.
Was ist der Mini Roadster?
Beim Namen lässt dieser Mini ausnahmsweise wenig Interpretationsspielraum zu (anders als etwa ein Paceman): Es ist ein Mini mit zwei Sitzen und einem einfachen Stoffverdeck. Abgesehen von markanteren unteren Kunststoff-Spoilern und Seitenschwellern entspricht die vordere Karosseriehälfte exakt dem regulären Hatch – beziehungsweise auch dem viersitzigen Cabrio.
Das Heck sowie die stark nach hinten geneigte Frontscheibe teilt er sich mit dem neuen zweisitzigen Coupé. Richtig gelesen: Aus dem Mini Hatch sind gleich zwei verschiedene Cabrios entstanden – ein Viersitzer und dieser Zweisitzer. Und keines ersetzt das andere; beide laufen parallel weiter.
Damit wird die Mini-Familie ziemlich unübersichtlich: Hatch, Cabrio, Clubman, Coupé, Roadster. (Ganz zu schweigen von den höheren Varianten – Countryman und später im Jahr dessen Ableger, das Crossover-Coupé Paceman.) Man braucht fast ein geschultes Auge, um sie auseinanderzuhalten. Genauso wenig werde ich Überraschungen darüber liefern, wie sich dieser hier fährt: Vieles ist eine Frage von Nuancen.
Karosserie, Verdeck und Aerodynamik
Weil hinten keine Rückbank ist, bleibt hinter den Sitzen Platz für zusätzliche Verstrebungen aus Metall, die die Karosserie versteifen. Ausserdem übernimmt er die verstärkten Schweller des Cabrios. Trotzdem kann man im Rückspiegel sehen, wie sich auf schlechten Strassen die Spiegelung verwischt. Die Struktur ist also eher „ausreichend steif“ als wirklich bretthart.
Oben auf dem Kofferraumdeckel sitzt ein ausfahrender Spoiler, der bei Tempo für Stabilität sorgen soll. Und selbst wenn er es nicht allein ist: Der Wagen wirkt bei höherer Geschwindigkeit nicht nervös.
Mit offenem Dach überzeugt auch die Aerodynamik im Innenraum. Selbst bei Autobahntempo bleibt das Radio hörbar, und der Kopf wird nicht von Turbulenzen durchgerüttelt. Heizung und die – auf eine Art, die einem die Wangen röstet – sehr wirksamen Sitzheizungen können ihren Job machen.
Die flach gelegte Frontscheibe mag Aerodynamik und Optik helfen, rückt aber die A-Säulen unangenehm nah an den Kopf und macht sie zu echten Sicht-Hindernissen. Nach hinten ist der Überblick dennoch besser als im Cabrio, weil das Dach flach verschwindet. Das bringt auch einen grossen Stilvorteil: Das Cabrio wirkt optisch ein wenig wie ein Kinderwagen. Das Verdeck des Roadster ist eine einfache einlagige Stoffkonstruktion, bei der die Gestängebügel innen sichtbar sind – na und? Es ist sehr gut abgedichtet. Und es arbeitet serienmässig elektrisch.
Fahrverhalten im Cooper S: schnell genug, aber nicht messerscharf
Ich sitze in einem Cooper S auf 16 Zoll (40,6 cm) grossen Rädern. Mehr braucht es nicht. Die zusätzliche Leistung eines JCW – oder die Unnachgiebigkeit breiterer Reifen mit niedrigerem Querschnitt auf beispielsweise 18 Zoll (45,7 cm) – würde hier nicht passen. Zumindest nicht auf diesen welligen Strassen. Schon so gibt es deutliche Antriebseinflüsse in der Lenkung, wenn man voll durchlädt.
Wie beim Coupé soll ein etwas straffer abgestimmtes Fahrwerk für „sportliches Handling“ sorgen. Beim Roadster kann es die Karosserieverwindung aber nicht wegdiskutieren – und die kostet Präzision.
Trotzdem lassen sich Kurven geniessen: Er schiebt etwas über die Vorderräder, reagiert aber fein auf den Gasfuss und zieht beim Lupfen engagiert in die Linie. Was das Auto macht, spürt man eher über den Sitz als über die Hände – denn wie bei allen Minis der R56-Generation ist die Lenkung zwar direkt und genau, aber erstaunlich gefühllos.
Antriebseinflüsse, ein gelegentliches Poltern aus dem Fahrwerk, der unruhige Federungskomfort und die taube Lenkung erinnern daran, dass dieser Mini nicht mehr der Jüngste ist – und dass der komplett neue Hatch schon in etwa einem Jahr ansteht.
Und doch: Spass kann er machen. Wenn der neue 184-PS-Motor Ladedruck aufbaut, man Drehzahl anlegt und ihn arbeiten lässt, schiebt er mit spürbarer Wucht an. Es fällt leicht, das Beste aus einem Mini herauszuholen, weil er sehr klar vermittelt, was gerade passiert.
Gegen den Mazda MX-5: der unvermeidliche Vergleich
Was er allerdings nicht ist, ist ein Sport-Roadster. Und damit stehen wir vor dem grossen Elefanten im Raum, der darauf wartet, sich auf jeden kleinen Fronttriebler mit Stoffdach zu setzen: der Mazda MX-5.
Im Mini sitzt man nicht tief und eng umschlossen. Man hockt nicht über der Hinterachse, und vor einem liegt keine lange Motorhaube. Er hat nicht die Lenkreinheit eines Hecktrieblers und nicht die geschmeidige Qualität des Schaltens. Der Mazda fühlt sich schlicht besonderer an. Der Mini dagegen fährt sich – im Kern – wie der letzte Mini, den man gefahren ist.
Genau das ist aber auch der Deal: Er wickelt einen in die mentale Komfortdecke ein, die „Mini“ eben bedeutet. Und ja, Minis stehen überall – aber schau her: Dieser hier ist ein Zweisitzer … ein Statement von Individualität für Konformisten. Kleine Schritte in Richtung Freiheit.
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