Der Motor als eigentlicher Hauptdarsteller
Diese Geschichte dreht sich eher um den Motor als um das Auto. Falls du also eine minutiöse Abhandlung über den neuen Audi S8 erwartet hast: Tut uns leid – hier ist der Antrieb schlicht wichtiger (und interessanter) als die Limousine selbst. Audi wird vom S8 in Europa nur eine Handvoll absetzen, in den USA ein paar mehr und in China vermutlich eine kleine Serie. Für einen Hersteller, der 1.5 million Motoren pro Jahr verkauft, ist der S8 damit kaum mehr als eine Randnotiz.
Der neue 4.0-litre twin turbo und seine Rolle im VW-Konzern
Der eigentliche Star ist der neue 4.0-litre twin turbo. Dieser Motor wird in absehbarer Zeit auch den Bentley Conti GT antreiben und dürfte für den nächsten Audi RS6 noch einmal leicht überarbeitet werden. Unterm Strich wird er zur Basis für alles, was im VW-Konzern gross, schnell und kräftig ist – mit der Ausnahme der Unbeugsamen bei Porsche.
Damit das funktioniert, bringt er Zylinderabschaltung mit, bietet Eco-Modi und kann 27.7mpg erreichen – und gleichzeitig eine 5.2-metre lange Luxuslimousine in 4.2 seconds auf 62mph beschleunigen. Das ist doch absurd, oder?
Leistungswerte, Drehmoment und Ansprechverhalten: 513bhp und 479lb ft
Klar, der komplett neue V8-Biturbo leistet 513bhp. Entscheidend ist hier aber das Drehmoment: 479lb ft stehen praktisch jederzeit an, nämlich von 1,700-5,500rpm. Das ist beeindruckend.
Tritt man das Gaspedal durch, gibt es zunächst einen kurzen Moment Verzögerung. Die Gasannahme wirkt einen Tick weich – etwas, das sich bei den sportlicheren Modellen, in denen dieser 4.0-litre später steckt, vermutlich noch schärfer abstimmen lässt. Dann schiebt der Wagen konsequent an. Man hört ein dumpfes Grollen und Blubbern (ehrlich gesagt hätten wir gern etwas mehr Klang, aber der S8 will eben nicht diese Art Auto sein) – und kurz darauf fährt man in einem Bereich, der sehr schnell tief illegal wird. Genau das passiert, wenn mühelose Geschwindigkeit auf mühelose Kultiviertheit trifft: Man merkt kaum, wie schnell man tatsächlich ist.
Der Audi S8 selbst: wenig Reiz im Vergleich zum A8 diesel
Gut, wir haben übertrieben: Natürlich sprechen wir auch über den S8. Versprochen. Bitte nicht enttäuscht sein – denn der S8 ist als Gesamtpaket nicht besonders spannend. Abgesehen vom Motorsound fällt es schwer zu begründen, warum man ihn einem A8 diesel vorziehen sollte. Beide setzen auf viel Drehmoment und hohen Komfort.
Audi bezeichnet den S8 als sportlich. Ja, geradeaus ist er schneller, und sicher gibt es Messwerte, die ihm in jedem objektiven Test eine Überlegenheit bescheinigen. Hinterm Lenkrad fühlt es sich aber nicht wirklich aufregend an.
Verzögerte Reaktionen und die Dynamische Lenkung
Dazu kommen Schwächen. Der Wagen wirkt oft, als würde er deinen Befehlen einen halben Takt hinterherlaufen. Man tippt aufs Bremspedal – und ein winziger Moment vergeht, bevor er reagiert. Ähnlich ist es, wenn man im Achtgang-Automatikgetriebe manuell schalten will oder am Lenkrad einlenkt.
Am merkwürdigsten ist allerdings die Lenkung. Der S8 hat eine sogenannte Dynamische Lenkung, die – wenn man sich den Haftgrenzen nähert – den Lenkwinkel verändern kann, ohne dass man das Lenkrad entsprechend bewegt.
Man bemerkt das erst im Grenzbereich. Aber Audi hat uns auf eine Rennstrecke gebracht, und dort war es unerquicklich: Man lenkt in die Kurve ein und versucht, eine saubere Linie zu halten, doch das Auto beginnt unter einem zu wandern. Möglich, dass das System sicherheitstechnische Vorteile hat – Vertrauen schafft es nicht. In Kombination aus heissem Wetter, einem zwei Tonnen schweren Auto und engen Kurven kämpfte der S8 Runde um Runde mit Untersteuern, trotz serienmässigem Sportdifferenzial. Das wiederum macht nebenbei gesagt einen ziemlich guten Job dabei, mehr Kraft an die Hinterräder zu schicken.
Auch insgesamt tat die Rennstrecke dem S8 keinen Gefallen. Das ist ein grosses, schweres Auto, konzipiert nicht für Rennstreckentage, sondern für schnelles Fahren auf der Strasse. Dort ergibt das Konzept deutlich mehr Sinn: Er liegt stabil, bleibt leise, und die Lenkung fühlt sich nicht mehr so eigenartig an (auch wenn sie weiterhin träge anspricht). Stattdessen staunt man darüber, dass man aus einer 500bhp-Limousine tatsächlich 30mpg herausholen kann – oder 15mpg, wenn man den gedämpften Klang geniessen und erleben will, wie der S8 zügig durchs Drehzahlband marschiert. Und wie er sich durch Kurven bewegt. Er ist sehr souverän und sehr kompetent. Nur eben nicht wirklich mitreissend.
Trotz der dezenten optischen Überarbeitung (überarbeitete Stossfänger, neue Embleme, mehr gebürstetes Aluminium, zusätzliche Ausstattung), trotz der cleveren Motorentechnik, der neuen Sitze und all der Details, die die Limousine einen Hauch – aber nicht zu stark – sportlicher wirken lassen sollen, fühlt sich der S8 am Ende einfach nicht genügend anders an als ein normaler A8. Er steckt in einer seltsamen Position, einer Nische in der Nische. Und für unser Geld bräuchte er ein klareres Alleinstellungsmerkmal, um sich wirklich von der Masse abzuheben. Allein der neue Motor reicht dafür nicht.
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