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Vauxhall Corsa VXR Nürburgring Edition im Test

Roter Vauxhall Kleinwagen fährt schnell auf einer Rennstrecke bei bewölktem Himmel.

Zunächst: Zynismus und der Verdacht auf Abzocke

Zynisch ist es schon – reine Geldmacherei, dachte ich. Wenn der Corsa VXR im Mittelfeld der Bedeutungslosigkeit versackt, wie sorgt Vauxhall dann wieder für Gesprächsstoff? Ein paar Nürburgring-Aufkleber drauf, dem Motor ein Plus von 13bhp verpassen und dann £22,000 von jedem verlangen, der in Polyester rumläuft und sich leicht bequatschen lässt – so ungefähr. Beschämend. Da wird mir schlecht.

Genau das wollte ich über den „Burberry-bis-zum-Anschlag“-Corsa VXR Nürburgring Edition schreiben. Und dann bin ich ihn gefahren. Ärgerlicherweise war das Ergebnis: Er ist grossartig.

Die Einkaufsliste der Corsa VXR Nürburgring Edition: Technik statt Tamtam

Ein kurzer Blick auf die Teileliste erklärt, warum. Das ist keine mutige Marketing-Übung, sondern ein durchgezogenes Upgrade des Corsa VXR von vorn bis hinten: neue Bilstein-Dämpfer, Federn mit progressiver Kennung, Brembo-Scheiben, leichte Schmiedefelgen – und vor allem ein echtes Sperrdifferenzial.

Ja: Die ‚Ring-Edition bekommt zwischen den Vorderrädern eine mechanische Differenzialsperre (LSD). Es ist der erste Vauxhall mit so einer Lösung seit dem Omega.

Auf der Strasse: Was das Sperrdifferenzial verändert

Was für einen Unterschied so ein Diff macht. Klar, auf geraden Stücken ist der ‚Ring-Corsa schnell – 0-62mph in 6.2 seconds (entspricht etwa 0–100 km/h) ist für einen kleinen Fronttriebler-Hatchback absurd flott. Aber erst in Kurven katapultiert sich dieses Auto in die obere Liga der Hot-Hatches.

Wirfst du den Corsa in eine enge, scharf geschnittene Biegung, erwartest du eigentlich, dass die Vorderachse irgendwann aufgibt und breit schiebt. Stattdessen krallt sich der kleine Vauxhall weiter in den Asphalt, zieht die Linie enger und weigert sich zu untersteuern. Rein im Namen der Wissenschaft bin ich um 3am an einen verlassenen Kreisverkehr – Runde um Runde schneller, um herauszufinden, was nötig ist, damit er endlich wegrutscht. Mein Magen verlor zuerst die Haftung, nicht das Auto.

Tiefer, aber nicht härter: Fahrwerk und Alltag

Weil die ‚Ring Edition tiefer liegt als der normale Corsa VXR, rechnete ich damit, durchgerüttelt zu werden wie eine Nonne in der Waschmaschine. Doch dank der feinen neuen Dämpfer und Federn fährt er sich tatsächlich geschmeidiger. Er hat nicht ganz diese Messer-im-Hemdärmel-Reaktionen eines Renault Clio 200, dafür wäre er im Alltag deutlich angenehmer zu ertragen.

Schwächen, Innenraum und der Preis

Perfekt ist die ‚Ring Edition trotzdem nicht. Die Lenkung ist ordentlich, aber eben nicht so messerscharf wie beim Clio Cup – und das ist nun mal kaum etwas. Die neuen halbledernen Recaros sind grossartig, und ein paar glänzende Zierleisten im Armaturenbrett lassen den Innenraum frischer wirken; insgesamt fühlt sich das Cockpit aber weiterhin angestaubt an.

Und dann ist da (hust, murmel, mit den Füssen scharr) der Preis. Zweiundzwanzig Riesen sind für einen Corsa – für jeden Corsa – eine alberne Summe; der Clio 200 ist zwar weniger üppig ausgestattet, aber mehr als £4,000 günstiger. Dass wir euch trotzdem nicht anflehen, schnell wegzurennen und den Geldbeutel krampfhaft an die Brust zu drücken, sagt alles darüber, wie gut die Corsa ‚Ring Edition ist. Teuer, ja – aber bisher auch der Hot Hatch des Jahres.

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