Was die Katzenhaltung im Review 2023 tatsächlich nahelegt
Eine Katze als Haustier zu haben, wird laut einem Review aus dem Jahr 2023 mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für schizophrieniebezogene Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Das heisst jedoch nicht, dass Ihre Katze im Verborgenen Ihre Gesundheit beeinflusst.
Die Forschenden vom Queensland-Zentrum für Forschung zur psychischen Gesundheit in Australien betonen, dass die Daten lediglich einen Zusammenhang zeigen und keinen Nachweis für Ursache und Wirkung liefern. Bevor man belastbare Schlüsse ziehen kann, seien methodisch bessere Studien erforderlich.
Die Vermutung, dass Katzenhaltung mit einem Schizophrenie-Risiko zusammenhängen könnte, reicht bis zu einer Hypothese aus dem Jahr 1995 zurück. Damals wurde angenommen, dass eine von Tieren auf Menschen übertragene Infektion eine Rolle spielen könnte.
Schizophrenie: Hintergrund und mögliche Risikofaktoren
Schizophrenie ist eine Erkrankung des Gehirns, die beeinflusst, wie ein Mensch denkt, fühlt und sich verhält. Die konkreten Ursachen gelten als vielfältig und komplex – und sind grösstenteils noch unklar.
Nach aktuellem Verständnis dürfte eine Kombination aus genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen sowie biologischen Veränderungen im Gehirn beteiligt sein.
Im Review und der Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 werteten der Psychiater John McGrath und Kolleginnen und Kollegen Studien aus den vergangenen 44 Jahren aus 11 Ländern aus, darunter den USA und dem Vereinigten Königreich.
Dabei stellten sie „einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen breit definierter Katzenhaltung und einem erhöhten Risiko für schizophrieniebezogene Störungen“ fest.
Ziel des Teams war es, klarer einzuordnen, ob und wie Katzenkontakt und psychische Gesundheit miteinander verknüpft sein könnten.
„After adjusting for covariates, we found that individuals exposed to cats had approximately twice the odds of developing schizophrenia,“ schreiben sie in ihrer veröffentlichten Arbeit.
Uneinheitliche Befunde zur Kindheit und zum „kritischen Zeitfenster“
Einige Studien berichten, dass der Kontakt zu Katzen in der Kindheit die Wahrscheinlichkeit erhöhen könnte, später eine Schizophrenie zu entwickeln. Andere Untersuchungen finden jedoch keinen entsprechenden Zusammenhang.
Mehrere Arbeiten bringen Katzenexposition zudem mit höheren Werten auf Skalen in Verbindung, die Merkmale in Richtung Schizophrenie sowie psychoseähnliche Erfahrungen erfassen. Doch auch hier gilt: Nicht jede Studie bestätigt diese Beziehung.
Unter den 17 in den Review einbezogenen Studien gab es eine, die keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Katzenhaltung vor dem 13. Lebensjahr und einer späteren Schizophrenieentwicklung fand.
In derselben Studie zeigte sich allerdings eine signifikante Verbindung, sobald Katzenhaltung auf einen engeren Zeitraum begrenzt wurde (Alter 9 bis 12).
Diese widersprüchlichen Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein mögliches „kritisches Zeitfenster“ für relevante Katzenexposition bislang nicht klar abgegrenzt ist.
Mögliche Erklärungen: Toxoplasma gondii und andere Erreger
Als ein möglicher Erklärungsansatz wird eine Exposition gegenüber Toxoplasma gondii diskutiert – einem Parasiten, der mit Katzen in Verbindung gebracht wird.
T. gondii kann über den Kot infizierter Katzen auf Menschen übertragen werden.
Eine Ansteckung ist ausserdem über nicht ausreichend gegartes Fleisch oder verunreinigtes Wasser möglich.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass sich in den USA mehr als 40 Millionen Menschen mit T. gondii infizieren – meist ohne Symptome.
Forschende entdecken weiterhin ungewöhnliche Effekte, die Infektionen im Körper haben können.
Ist T. gondii einmal im Körper, kann der Erreger im zentralen Nervensystem verbleiben und möglicherweise Neurotransmittersysteme beeinflussen.
Der Parasit wurde mit Persönlichkeitsveränderungen, dem Auftreten psychotischer Symptome und einigen Erkrankungen des Gehirns – darunter Schizophrenie – in Verbindung gebracht.
Ein Zusammenhang belegt jedoch nicht, dass T. gondii diese Veränderungen tatsächlich verursacht – oder dass der Erreger überhaupt von einer Katze auf einen Menschen übertragen wurde.
Eine weitere im Review berücksichtigte Studie mit 354 Psychologiestudierenden in den USA fand keinen Zusammenhang zwischen Katzenhaltung und Schizotypie-Werten.
Allerdings lagen die Werte bei Personen, die einen Katzenbiss erlitten hatten, höher als bei jenen ohne Katzenbiss.
Andere Forschung, die Teilnehmende mit und ohne psychische Erkrankungen einschloss, berichtete ebenfalls über eine Verbindung zwischen Katzenbissen und höheren Ergebnissen in Tests zu bestimmten psychologischen Erfahrungen.
Die Autorinnen und Autoren dieser Studie vermuteten, dass andere Krankheitserreger – etwa Pasteurella multocida – dafür verantwortlich sein könnten.
Wichtige Einschränkungen der Studienlage
Wesentliche Grenzen der Evidenz sind zu beachten: 15 der 17 ausgewerteten Arbeiten waren Fall-Kontroll-Studien.
Dieses Studiendesign kann keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen und berücksichtigt häufig nicht ausreichend Faktoren, die sowohl die Exposition als auch das Ergebnis beeinflusst haben könnten.
Zudem weisen die Forschenden auf die geringe Qualität mehrerer der begutachteten Studien hin.
Insgesamt unterschieden sich die Resultate zwischen den Studien deutlich. Gleichzeitig deuteten die qualitativ besseren Arbeiten darauf hin, dass Zusammenhänge in nicht adjustierten Modellen durch andere Einflussfaktoren erklärbar sein könnten, die die Ergebnisse verzerrt haben.
Die Autorinnen und Autoren halten daher besser konzipierte Studien für notwendig, die Störfaktoren sorgfältiger erfassen und kontrollieren.
„Our review provides support for an association between cat ownership and schizophrenia-related disorders,“ schliessen McGrath und Kolleginnen und Kollegen.
„There is a need for more high-quality studies, based on large, representative samples, to better understand cat ownership as a candidate risk-modifying factor for mental disorders.“
Die Studie wurde in Schizophrenia Bulletin veröffentlicht.
Eine frühere Version dieses Artikels wurde im Dezember 2023 veröffentlicht.
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