Aston Martin spürt in der eigenen Modellpalette immer wieder freie Nischen auf und füllt sie konsequent. Im letzten Monat war es der Virage, jetzt folgt der Vantage S, der sich zwischen die V8- und V12-Vantage-Modelle schiebt. Wörtlich „halb dazwischen“ ist er natürlich nicht – ein V10 steckt nicht unter der Haube –, doch das Ziel ist klar: den normalen V8 spürbar fahraktiver zu machen.
Auf den ersten Blick wirkt das S-Paket wegen der nur leicht nachgeschärften Optik wenig spektakulär. Tatsächlich steckt aber mehr dahinter, als die dezenten Retuschen vermuten lassen.
Antrieb: neues Siebengang-Getriebe im Aston Martin Vantage S
Der wichtigste Schritt ist ein komplett neues Siebengang-Getriebe. Statt der 6spd Wandlerautomatik oder des Handschalters des gewöhnlichen V8 setzt der Vantage S nun auf ein robotisiertes Schaltgetriebe – und es ist zudem luftgekühlt.
Das klingt zunächst nach einem Detail, hat aber handfeste Folgen. Weil die Konstruktion ohne Ölpumpe auskommt, spart Aston nicht nur 16kg ein, sondern verringert auch hydraulische Pumpverluste. Unterm Strich arbeitet das System effizienter, sodass mehr Motorleistung tatsächlich an den Hinterrädern ankommt – eindeutig ein Vorteil.
Leistung: kleines Plus, kaum messbar
Bereits serienmässig liegt der S bei Leistung und Drehmoment über dem normalen Vantage, allerdings lediglich um 10bhp und 16lb ft. Entsprechend ist es auch nicht so, dass man die um 0.2 seconds bessere 0-60mph-Zeit im Alltag direkt „fühlt“.
Fahrgefühl und Schaltverhalten
Trotzdem wirkt das Auto insgesamt deutlich präziser. Die Lenkung spricht wesentlich direkter an; im Vergleich dazu erscheint die alte Abstimmung geradezu schwammig. Und mit gedrückter Sport-Taste hängt das Gas spürbar aggressiver am Pedal.
Allerdings will der Vantage S auch entsprechend bewegt werden: Wer es locker angehen lässt, erlebt beim Gangwechsel eine spürbare Pause, während der nächste Gang einrastet – das Auto kann dabei kurz anrucken. Wird hingegen mit Vollgas hochgeschaltet, wechselt das Getriebe den Gang wesentlich schneller und zugleich geschmeidiger; dann „knallt“ es förmlich in die nächste Übersetzung, ohne unruhig zu werden.
Bremsen, Fahrwerk und Ausstattung
Auch bei den Bremsen hat Aston nachgelegt: vorne sind sie grösser, nutzen eine schwimmend gelagerte Scheibe und arbeiten mit Sechskolben-Sätteln. Technisch formuliert heisst das vor allem: Sie lassen sich deutlich weniger zum Fading überreden.
Am Fahrwerk wurden ebenfalls Änderungen vorgenommen. Dazu zählen ein weicherer vorderer Stabilisator und nachgiebigere Federn hinten. Das klingt zunächst widersprüchlich, führt aber dazu, dass der S nun weniger zum Untersteuern neigt.
Optisch bleibt Aston Martin seiner Linie treu: keine radikale Neuinterpretation, sondern eine fein dosierte Überarbeitung. Der Vantage S erhält im Grunde eine Art V12-ähnliches Makeover, das die Erscheinung ein wenig aggressiver wirken lässt.
Und weil Aston eben Aston ist, wird aus dem Vantage S kein Porsche 911 GT3, der für jedes Kilo sämtliche Komfortelemente aus dem Innenraum wirft. Ein B&O-Soundsystem steht weiterhin auf der Optionsliste, die Klimaanlage gehört zur Serie – Luxus ist hier ausdrücklich Teil des Pakets.
Einordnung und Preis
Das ist auch notwendig, denn an die kompromisslos rennstreckenorientierten Rivalen kommt dem S in Sachen Präzision nicht ganz heran. Er braucht daher ein anderes Alleinstellungsmerkmal: kompromisslosen Luxus mit sportlicherer Kante.
Für £102,500 positioniert sich der Vantage S als stimmige Alternative sowohl zum V8 als auch zum V12 Vantage. Wie schon beim Virage ergibt gerade der „mittlere“ Aston in der Modelllogik am meisten Sinn.
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