Es gibt ein paar günstigere Siebensitzer als den Chevy Orlando, doch dieser komplett neue MPV mit drei Sitzreihen setzt auf unkomplizierte Alltagstauglichkeit ohne grosse Umstände. Optisch wirkt er, als wäre er mitten aus einem Rugby-Gedränge herausgestaltet worden – mit „Blumenkohlohren“ – und beim Heck scheint jemand den Zeichenstift zu früh weggelegt zu haben. Dafür macht er aus seinem Zweck keinen Hehl und liegt preislich rund £2–4k unter Modellen wie Mazda 5 und Ford Grand C-Max, ohne dabei klapprig oder billig zu wirken.
Platzangebot im Chevy Orlando: Sieben Sitze, echte Beinfreiheit
Gemessen daran, dass die Basis eher kompakt ist – hier dient der Chevy Cruze als Plattform – überrascht der Innenraum mit viel Platz. Die sieben Sitze lassen sich tatsächlich mit sieben Erwachsenen besetzen, auch wenn bei einem kompakten MPV die dritte Reihe naturgemäss den Kofferraum nahezu aufbraucht. Der Vorteil dieser Lösung: In jeder Reihe bleibt ordentliche Beinfreiheit übrig.
Drei Personen in der zweiten Reihe nebeneinander sind auf langen Strecken nie perfekt, aber der Orlando bietet immerhin eine durchgehende Sitzbank – und nicht den mittleren „Klappsitz“ wie beim Mazda5-Konkurrenten. Hinten klappt die dritte Reihe eben in den Boden, ebenso die Sitze der zweiten Reihe; diese lassen sich anschliessend nach vorn an die Rückenlehnen der Vordersitze schwenken, sodass der Einstieg nach hinten leichter gelingt. Einziger Sonderfall: Die dritte Reihe sitzt nicht erhöht, sie ist eher abgesenkt – wer zu Platzangst neigt, könnte sich dort etwas zu sehr „eingepackt“ fühlen.
Innenraum und Materialanmutung
Drinnen wirkt alles ordentlich gezeichnet, die Oberflächen glänzen – ähnlich wie bei einem günstigen Plasmafernseher. Obwohl der Preis niedrig ist, fühlt es sich nicht so an. Dazu kommt ein kleines Kunststück: Die komplette Radiokonsole lässt sich hochklappen und gibt ein grosses, verstecktes Staufach frei – so etwas haben wir bislang noch nicht gesehen, und als Diebstahlschutz ist es obendrein eine clevere Idee.
Ausstattung und Linien: warum die LS-Version am meisten Sinn ergibt
Es gibt mehrere Ausstattungsvarianten, doch sinnvoll ist eigentlich nur die günstigste LS-Ausführung. Lederbezüge treiben den Preis nach oben, und das Navi kann man sich sparen – es ist schlicht Mist. Besser ist es, die Basis-Ausstattung als Schnäppchen zu geniessen: ESC, Klimaanlage, getönte Scheiben und Follow-me-home-Scheinwerfer sind trotzdem an Bord.
Motoren: 128 PS Diesel als sinnvollster Kompromiss
Wenn man sich einen Extra-Wunsch gönnt, dann diesen: den 128 PS starken 2,0-Liter-Diesel aus der Mitte des Programms, eingeordnet zwischen einem 1,8-Liter-Benziner und einem kräftigeren 158 PS Diesel. Der Benziner bringt zwar 138 PS mit, doch es fühlt sich an, als würden 137 davon im Antriebsstrang verschwinden. Er läuft sehr geschmeidig und kultiviert, hat aber zu wenig Durchzug, um ein so grosses Auto mit sechs oder sieben Personen wirklich souverän zu bewegen.
Der 158 PS Diesel ist ebenfalls kultiviert – erstaunlich sogar –, schiebt den Preis jedoch spürbar nach oben. Damit bleibt der 128-PS-Diesel als beste Balance aus Preis und Leistung.
Einige Konkurrenten fahren sich angenehmer. Die meisten wirken auch gefälliger. Und Modelle wie Mazda5 und Ford Grand C-Max punkten mit Schiebetüren hinten, was im Alltag zusätzlich hilft. Trotzdem: Der Mazda5 mit Basis-Diesel ist um £2,550 teurer als der Orlando, der vergleichbare Ford kostet £2,100 mehr.
Der Chevy ist vielleicht so aufregend wie Bohnen auf Toast, aber wenn das Budget nichts Besonderes zulässt, erledigt er seinen Job ziemlich ordentlich.
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