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RUDN-Forscher lassen Diesel mit reinem Rapsöl laufen

Zwei Männer füllen Biokraftstoff in einen Lkw ein, einer überprüft Daten auf einem Tablet, Feld im Hintergrund.

Ein Forschungsteam hat einen bedeutenden Durchbruch bei der Umrüstung von Dieselmotoren erzielt. Die Neuerung könnte potenziell Millionen von Fahrzeugen retten, die durch Umweltauflagen und Fahrbeschränkungen unter Druck geraten.

Viele Besitzerinnen und Besitzer von Dieselautos blicken derzeit mit Sorge auf die politische und regulatorische Entwicklung. Während die Vorgaben strenger werden, könnte eine Entdeckung die Karten neu mischen: Forschende der Universität RUDN haben es geschafft, einen Dieselmotor mit reinem Rapsöl zu betreiben. Dieser Schritt könnte die Perspektiven des Dieselantriebs grundlegend verändern.

Rapsöl als neues Lebenszeichen für Dieselmotoren

Seit dem Dieselgate steckt der Diesel in einer schweren Phase. Trotzdem gelten diese Motoren weiterhin als robust und vergleichsweise sparsam. Bereits im vergangenen Jahr hatten wir über die Arbeit von Professor Pablo Vallejo und seinem Team berichtet, die sich einer anspruchsvollen Aufgabe gestellt haben: die Technik an heutige Umweltanforderungen anzupassen. Der Ansatz: fossilen Kraftstoff durch Rapsöl zu ersetzen.

Versuche an einem MD-6-Motor, der üblicherweise in landwirtschaftlichen Maschinen zum Einsatz kommt, unterstreichen das Potenzial dieser Idee. Um auf ein Leistungsniveau zu kommen, das nahe an herkömmlichen Dieselbetrieb heranreicht, waren allerdings technische Anpassungen notwendig.

Der Biokraftstoff bringt zudem erhebliche ökologische Vorteile mit sich. Vor allem die Feinstaubemissionen sinken deutlich, was die Tür für eine mögliche Neueinstufung von Fahrzeugen in ZFE (französische Umweltzonen) öffnen könnte. Damit ergibt sich ein Hoffnungsschimmer für Millionen von Fahrerinnen und Fahrern, die aktuell von Einschränkungen im Verkehr betroffen sein könnten.

Vom Labor auf die Strasse: das Beispiel der Lastwagen

Ganz neu ist die Idee nicht. Im Schwerlastverkehr wird Rapsöl bereits als Kraftstoff genutzt. Der Avril-Konzern vertreibt Oléo100, einen Kraftstoff aus 100 % Raps, der von zahlreichen französischen Transportunternehmen eingesetzt wird. Die Ergebnisse gelten als überzeugend: 80 % weniger Feinstaubemissionen – bei einer Mehrverbrauchsrate von lediglich 5 %.

Auch die Hersteller stellen sich schrittweise darauf ein. Renault Trucks, MAN, Volvo Trucks und Scania bieten Modelle an, die für den Betrieb mit B100 zertifiziert sind. Diese Fahrzeuge erhalten die begehrte Plakette Crit’Air 1, die normalerweise den neuesten Benzinantrieben vorbehalten ist. Das ist ein wichtiger Vorteil, um in Bereichen mit Zugangsbeschränkungen fahren zu dürfen.

Hürden auf dem Weg zur breiten Nutzung

Für Pkw ist der Schritt in die Fläche jedoch noch mit Anpassungen verbunden. Die technischen Aufgaben sind vielfältig: Einspritzsysteme müssen angepasst werden, das Temperaturmanagement spielt eine Rolle, ebenso die Materialverträglichkeit. An diesen Punkten arbeitet das Team der Universität RUDN weiter, um die Technik für möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer zugänglich zu machen.

Gleichzeitig ist die Versorgung ein zentrales Thema. Derzeit ist Oléo100 nicht an klassischen Tankstellen erhältlich. Unternehmen müssen eigene Lagertanks und Betankungslösungen installieren. Damit die Lösung im Privatbereich ankommen kann, braucht es einen passenden Vertriebs- und Versorgungsaufbau.

Auch die Regeln müssten angepasst werden. Momentan dürfen nur Fahrzeuge, die der Euro-6-Norm entsprechen und nach 2014 gebaut wurden, Rapsöl als Kraftstoff nutzen. Würden Normen entsprechend weiterentwickelt, liesse sich diese Option auf einen deutlich grösseren Fahrzeugbestand ausweiten.

So könnte die Zukunft des Diesels, der derzeit zusätzlich durch AdBlue-Probleme belastet ist, eine unerwartete Richtung einschlagen. Die Innovation adressiert Umweltanforderungen, ohne die klassischen Stärken dieser Antriebsart aufzugeben.


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